Intuitive elterliche Fürsorge

Wenn Eltern ein Baby erwarten oder gerade ein Kind bekommen haben, werden sie vermutlich mit gut gemeinten Ratschlägen überschüttet. Neben diesen sich manchmal widersprechenden Tipps gibt es natürlich viele Ratgeber zu dem Thema Familien und Elternsein.

Es gilt vor allem, dem Herzen zu folgen und herauszufinden, was für die Familie richtig ist. In vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die meisten Menschen überall auf der Welt instinktiv richtig mit Babys umgehen. Der Kontakt läuft nach demselben Muster ab: bevor das Baby einen sehen kann, fängt man an, mit einem in einer besonderen Tonlage – der Ammensprache – zu sprechen oder macht sich über Geräusche bemerkbar, nähert sich dann bis auf rund 25 Zentimeter und schaut dem Kind direkt in die Augen.

Mienenspiel und Laute

Wiederkehrende Töne oder Worte helfen dem Säugling, sein Gegenüber zu erkennen. Das Baby erfährt so nach und nach, dass es gemeint ist. Das nun folgende Mienenspiel ist eine universelle Sprache und wird in Afrika genauso verstanden wie in Alaska, es gehört zur genetischen Grundausstattung jedes Menschen.

200-800 Millisekunden nach Kontaktaufnahme, also intuitiv, weiten sich beim Baby die Augen, der Mund geht auf und der Kopf wird zurückgeneigt. Kinder und Erwachsene reagieren ebenfalls, indem sie den Gesichtsausdruck des Säuglings imitieren und die Laute wiederholen. Damit spiegeln sie den Säugling. Die Forscher nennen das „intuitive elterliche Fürsorge“. Das heißt, die notwendige Feinfühligkeit für die Bedürfnisse des Kindes ist prinzipiell angeboren.

Dennoch passiert es immer wieder, dass Eltern hierin verunsichert werden. Viele Probleme mit dem Neugeborenen sind dabei nur Missverständnisse, da das Baby seine Bedürfnisse nicht durch Worte, sondern durch Schreien und seine Körpersprache äußert.

Eltern brauchen aber nicht zu fürchten, ihren Kindern dauerhaft zu schaden, wenn sie die Signale des Kindes nicht immer gleich richtig deuten. Kinder geben ihren Eltern Zeit, ihre schwierige Aufgabe zu erlernen und verzeihen kleine Fehler. Man sollte sich daher auf die angeborene Intuition verlassen und sich an der Entwicklung des Kindes erfreuen.

Für Unterstützung sorgen

Damit diese Freude nicht getrübt wird, ist es gut, sich in der Familie zu überlegen, wie man die Stressfaktoren Schlafmangel, Schreien und Essen gemeinsam bewältigen kann. Auch Alleinerziehende sollten sich nicht scheuen, um Hilfe zu bitten, wenn sie fürchten, das ihrer Kräfte weniger werden. Großeltern oder gute Freunde können für Entlastung sorgen. Wenn Eltern spüren, dass sie die Kontrolle verlieren, sollten sie Hilfe holen. Es gibt Schreiambulanzen in den Kinderkliniken oder die Babysprechstunde bei uns im Verein. Dort werden die Eltern beraten und eine Zeit lang begleitet.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Um ein Kind großzuziehen braucht es ein ganzes Dorf.“ Man sollte sich also trauen, Freunde, Nachbarn und Verwandte um Hilfe zu bitten. Es wird einem sicher gerne gewährt.

Eigener Intuition vertrauen

Und man sollte seiner Beobachtungsgabe und Intuition vertrauen. Mit der Zeit können Eltern die Signale der Kinder deuten und damit die Wünsche und Bedürfnisse befriedigen. Sie wissen dann intuitiv, was zu tun ist. Und es reicht aus, als Eltern „gut genug“ zu sein. Damit ist gemeint, nicht alles perfekt machen zu müssen. Es reicht aus, neben der Fürsorge dem Kind Vertrauen zu schenken, ihm Mut zu machen, damit es sich geborgen, gut aufgehoben und sicher fühlen kann.

Aus dieser Sicherheit heraus wachsen Kinder über sich selbst hinaus, entdecken die Welt und lernen jeden Tag etwas Neues. Bei Fragen zu diesem Thema, nötiger Unterstützung oder Hilfe ist es gut, mit einer Person seines Vertrauens zu sprechen oder sich an das Kasseler Familienberatungszentrum zu wenden.

Von Marlene Erny und Rainer Hilbert

Auszug aus dem Elternbrief "Babyglück und Babyblues"/4-2009

Quelle: HNA

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