Tägliche Kontrolle ist wichtig

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Wichtige Vorbeugung: Dieoptimale Einstellung des Zuckers ist ein wichtiger Schutz vor dem diabeti- schen Fußsyndrom.

Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine Spätfolge des Diabetes mellitus. Es wird verursacht durch eine Schädigung der Nerven und durch eine Durchblutungsstörung der Arterien.

Hierdurch kommt es oft unbemerkt zu Wunden und Infektionen an den Füßen, die nicht selten aufwendige Behandlungen und in schlimmen Fällen Amputationen erforderlich machen. Etwa jeder vierte Diabetiker ist betroffen und der Informationsbedarf ist groß.

Wichtig ist es, die frühen Zeichen rechtzeitig zu erkennen und geziel- te Maßnahmen so früh wie möglich einzuleiten, denn damit könnten nach Schätzungen etwa 80 Prozent aller Amputationen verhindert werden.

Dr. Ulrich Merten, Oberarzt der Chirurgischen Abteilung des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel, hat unsere Leser während der HNA-Telefonsprechstunde zum diabetischen Fußsyndrom beraten.

Ich bin männlich, 66 Jahre und seit 2011 Diabetiker Typ-II. Meine Werte liegen gerade noch im Grenzbereich, daher nehme ich noch keine Medikamente ein. Seit 1998 leide ich an Venenproblemen, auch eine Operation wurde bereits vorgenommen. Meine Beschwerden äu- ßern sich darin, dass ich im Bereich des Fußballens und des großen Zehs ein taubes Gefühl habe. Was kann ich tun, damit die Beschwerden nicht schlimmer werden? 

DR. ULRICH MERTEN: Das ich Ihr Blutzuckerwert noch im Grenzbereich befindet, ist eine Insulinbehandlung noch nicht angesagt. In Ihrem Fall sollte zunächst abgeklärt werden, wie weit die Durchblutungs- und Gefühlsstörungen in den Beinen fortgeschritten sind. Dazu wird der Puls an den Beinen mit den Fingern getastet und mit einem Blutdruckmessgerät gemessen.

Zur Messung der Nervenfunktion gibt es ebenfalls eine einfache Untersuchung. Dabei werden ein Stück kaltes Metall, ein Stück warmes Metall, ein weicher Pinsel und eine Nadel an verschiedenen Stellen der Beine gehalten. Mithilfe dieser Methode wird festgestellt, welche Reize noch übertragen werden. Daran lässt sich der Grad der Schädigung ablesen. Wenn die Nerven nicht geschädigt sind und es an der Durchblutung der Arterien liegt, gibt es Verfahren, die eine schnelle Linderung verschaffen.

Zunächst kann die Durchblutung medikamentös verbessert werden. Auch ein kleiner Eingriff ist möglich. Dabei werden die Verengungen der Arterien mithilfe eines Ballons aufgedehnt. Die Durchblutung wird besser und auch das Gefühl kann sich wieder verbessern.

Ich bin männlich, habe Diabetes Typ II und spritze morgens und abends Insulin. An meinen Unterschenkeln befinden sich zwei faustgroße rote Flecken. Auch zum Fuß hin haben sich mehrere kleine rote Flecken gebildet. Hängt das mit der Zuckerkrankheit zusammen?   

DR. MERTEN: Die von Ihnen beschriebenen Symptome sprechen für eine arterielle Durchblutungsstörung. Um dies abzuklären, sollten Fußrücken, der Bereich um die inneren Fußknöchel und die Kniekehlen abgetastet werden. Diese Untersuchung gibt Aufschluss darüber, wie sehr die Gefäße bereits geschädigt sind.

Spezielle Fußgymnastik, regelmäßiges Gehtraining, Wandern, Radfahren und Schwimmen fördern die Durchblutung. Je nach Ausmaß der Schädigung können zur Therapie auch Medikamente oder ein chirurgischer Eingriff eingesetzt werden.

Ich bin männlich und langjähriger Diabetes-Patient. Ich habe ein taubes Gefühl in den Füßen und mache mir große Sorgen, da bei meinem Nachbarn aufgrund von Diabetes ein Fuß amputiert werden musste. Was raten Sie mir?   

DR. MERTEN: Das von Ihnen beschriebene Taubheitsgefühl ist ein erstes Indiz für eine Nervenschädigung in den Beinen. Sie sollten von Ihrem Hausarzt die Durchblutung und die Nervenleitfähigkeit testen lassen. Unerlässlich bei Gefühlsstörungen in den Beinen ist eine tägliche Kontrolle Ihrer Füße. Denn kleine Verletzungen können der Beginn von größeren Wunden sein.

Ich bitte Sie daher, auf jeden Fall jeden Abend Ihre Füße auf mögliche Risse, Schnitte, Verbrennungen und Schrammen zu untersuchen. Zudem empfehle ich Ihnen eine regelmäßige Fußpflege. Dabei sollten Sie darauf achten, dass die Nägel nicht zu kurz geschnitten werden.

Ich bin weiblich, 86 Jahre alt und bereits seit 50 Jahren Diabetikerin. Ich leide unter starkem Kribbeln in den Beinen. Meine Ärztin sagt mir, dass meine Nerven vom Zucker zerfressen seien und man nichts dagegen tun könne. Was ist Ihre Meinung dazu? 

DR. MERTEN: So leid es mir tut, aber ich befürchte, dass Ihre Ärztin mit drastischen Worten die richtige Diagnose gestellt hat. Wenn nach eingehenden Untersuchungen festgestellt wurde, dass Ihre Nerven geschädigt sind, liegt die Ursache sicher in der langjährigen Zuckererkrankung. Geschädigte Nerven sind irreparabel, das bedeutet, man kann die Schädigungen nur aufhalten und verlangsamen, verbessern jedoch nicht.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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