Tabuthema Darmkrebs: Darüber spricht man nicht

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Kontrolle per Minikamera: Dr. Anja Michelbrink am Untersuchungsmonitor.

Noch immer gehören Darmkrebs und Darmspiegelungen zu den Tabuthemen. Um dem entgegen zu wirken, hat die Felix-Burda-Stiftung den März zum bundesweiten Monat des Darmkrebses erklärt, ein Projekt zur Aufklärung über eine lebensbedrohliche Krankheit, über die nicht gerne gesprochen wird.

Dabei rangiert der Darmkrebs an zweiter Stelle unter den Krebserkrankungen, jährlich erkranken in Deutschland rund 69 000 Menschen an Darmkrebs, etwa 27 000 Menschen sterben daran. Bei keiner anderen Krebsart ist die Vorsorge so wichtig wie beim Darmkrebs, der durch Früherkennung nahezu komplett verhindert bzw. geheilt werden kann.

Aber noch immer nähmen nur rund 20 Prozent der Patienten die Möglichkeit einer Vorsorgeuntersuchung in Anspruch, Männer noch seltener als Frauen, berichtete Dr. Anja Michelbrink, Fachärztin für Chirurgie und Proktologin aus Frielendorf. „Viel zu wenig“, findet die Ärztin. Die meisten Patienten kämen erst in die Praxis, wenn ihre Beschwerden schon seit längerer Zeit bestünden. Dann sei es oft schon zu spät, da Tumore im Darm lange Zeit unbemerkt wachsen könnten. Auch der Test auf Blut in einer Stuhlprobe sei bei kleineren Darmpolypen oft noch negativ, das heißt ohne Befund. Häufig würden aber auch Symptome wie Blutungen am After mit harmlosen Krankheiten wie Hämorrhoiden verwechselt und aus Scham nicht einem Arzt zur Abklärung gezeigt, sondern selbst behandelt mit Salben oder Zäpfchen aus der Apotheke.

Polypen entarten

Darmkrebs entsteht in 90 Prozent der Fälle aus zunächst harmlosen Darmpolypen, kleinen Schleimhautwucherungen in der Darmwand, die bei rund einem Viertel der Bevölkerung vorkommen. Das Risiko einer Entartung in einen bösartigen Tumor steigt mit der Größe und der Menge der Polypen. In der Regel treten Darmpolypen erst bei über 40-Jährigen auf. Bei jüngeren Menschen sind sie aber gefährlicher, da sich ihre Zellen schneller teilen und damit die Tumore schneller wachsen.

Rauchen und Vererbung

Rauchen begünstigt das Darmkrebsrisiko, auch eine genetische Ursache wird vermutet. Treten in der nahen Verwandtschaft Darmkrebserkrankungen auf, sollte vorsorglich eine Darmspiegelung auch schon vor dem empfohlenen 55. Lebensjahr gemacht werden, rät die Expertin. In Afrika und im Mittelmeerraum gibt es weniger Darmkrebserkrankungen als bei uns, vermutlich wegen anderer Ernährungsgewohnheiten. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung dient der Vorbeugung.

Symptome

Zu den Symptomen bei Darmkrebs zählen Blutungen aus dem Darm, Bauchschmerzen und anhaltende Veränderungen beim Stuhlgang wie Verstopfung oder Durchfall. (yma)

Quelle: HNA

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