Stress mit der Blase - Nicht immer steckt ein Infekt dahinter

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Getrübte Badefreuden: Im Badeurlaub oder bei Schwimmbadbesuchen kommt es vor allem bei Frauen häufiger zu Harnwegsinfekten.

Ich bin 83 Jahre alt und leide seit Jahren unter immer wiederkehrenden Blasenentzündungen. Ich habe immer wieder Antibiotika bekommen, aber das Problem - ich leide dabei auch unter Schmerzen - tritt immer wieder auf. Was kann ich tun?

Auf diese Frage einer Leserin geht Dr. Thomas Jungblut, Urologe in der Urologischen Gemeinschaftspraxis Weinbergstraße in Kassel, ein.

Thomas Jungblut

Bei solch wiederkehrenden Beschwerden müsse man grundsätzlich erst einmal abklären, ob es sich tatsächlich um eine Infektion der Harnwege handelt, sagt der Facharzt. Beim Verdacht auf einen Harnwegsinfekt werde in der Regel zunächst beim Hausarzt mit einem Teststreifen der Urin untersucht.

Finden sich dabei Hinweise auf eine bakterielle Infektion, werde meist ein Antibiotikum verordnet. Unkomplizierte Harnwegsinfektionen heilten mit der richtigen Therapie meist innerhalb weniger Tage aus.

Urin untersuchen

Bei wiederholt auftretenden Beschwerden sollte man den Urin genauer untersuchen und eine Urinkultur anlegen, erläutert der Urologe. Daran kann man ermitteln, welche Bakterien vorhanden sind, wie viele es sind, und gegen welche Antibiotika diese empfindlich sind. „Häufig sind es nicht signifikant viele Bakterien, und es muss nicht unbedingt mit Antibiotika behandelt werden“, weiß der Facharzt.

Und Beschwerden wie beispielsweise Brennen beim Wasserlassen müssten nicht unbedingt von einem bakteriellen Infekt herrühren.

Häufig sei beispielsweise gerade bei älteren Frauen nach den Wechseljahren die Schleimhaut trocken und gereizt. In solch einem Fall könne eine lokale Östrogentherapie in Betracht gezogen werden, wenn auch Nieren- und Blasentee oder Cranberry-Saft vorbeugend nicht helfen.

Ultraschalluntersuchung

Eventuell sei auch eine Ultraschalluntersuchung nötig. Dabei kann man unter anderem feststellen, ob die Blase womöglich nur unvollständig entleert wird, was zu wiederholten Infekten führen kann. Ursache des sogenannten Restharns können bestimmte Medikamente, im Alltag häufig unterdrückter Harndrang, Blasensenkungen, neurologische Probleme oder Prostataerkrankungen beim Mann sein. Mitunter sei eine Blasenspiegelung notwendig.

Weitaus häufiger als Männer sind Frauen betroffen von Harnwegsinfekten. Ein wichtiger Grund dafür ist deren verkürzte Harnröhre. Um das Vaginalmilieu und die Abwehrkraft der Schleimhaut zu schützen, sollte man deshalb auf übertriebene Genitalhygiene und beim Waschen auf den Gebrauch von Reinigungsmitteln verzichten. „Auch feuchte Toilettentücher können solche Probleme machen“, warnt Jungblut.

Kontakt: Urologische Gemeinschaftspraxis Weinbergstraße am Elisabeth-Krankenhaus Kassel, Tel. 0561/8104190

Quelle: HNA

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