Stille Gefahr: Entzündung der Nierenkörperchen

Dr. Volker Thiem Foto: Marcus Kaufhold/nh

Diese lebenswichtige Entgiftungsfunktion der Niere wird beeinträchtigt, wenn sich die Nierenkörperchen entzünden. Man spricht dann von einer Glomerulonephritis. Sie betrifft immer beide Nieren und ist eine der häufigsten Ursachen für ein chronisches Nierenversagen.

Das Fatale an dieser Nierenentzündung ist, dass Betroffene sie oft lange gar nicht bemerken.

Sie haben keine Beschwerden, obwohl die Entzündung voran schreitet. „Die Ursache für eine Glomerulonephritis kann eine anlagebedingte Autoimmunreaktion des Körpers sein. Auch angeborene Defizite der Nierenstruktur, die Einnahme von Nieren schädigenden Medikamenten oder vorhandene Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes können für eine solche Nierenentzündung verantwortlich sein“, erklärt Dr. Volker Thiem, Oberarzt der internistischen Abteilung der Balzerborn Kliniken, Rehaklinik für Orthopädie, Rheumatologie und Nephrologie in Bad Sooden-Allendorf.

Urin und Blut kontrollieren

Wenn erste Symptome auftreten, ist die Nierenschädigung schon sehr weit fortgeschritten. Es kommt dann unter anderem zu Unwohlsein, Herzproblemen, Bluthochdruck oder auch Nierenschmerzen. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig Urin und Blut untersuchen zu lassen. Denn bei einer beginnenden Nierenentzündung kommt es zu einer Eiweißausscheidung im Urin. Im Blut verringert sich das Eiweiß Albumin und das Kreatinin erhöht sich. „Das sind wichtige Indikatoren, um einer beginnenden Nierenentzündung auf die Spur zu kommen. Aufmerksam sollte man auch werden, wenn der Urin beim Harnlassen schäumt“, so der Internist.

Eine Glomerulonephritis muss medikamentös behandelt werden, um ein chronisches Nierenversagen zu verhindern. Danach ist es sinnvoll, in einer spezialisierten Rehaklinik zu lernen, den Alltag und das Verhalten auf die bereits geschädigten Nieren einzustellen. „Hierzu zählen beispielsweise eine Ernährungsumstellung und richtiges Trinkverhalten. Sehr wichtig sind ein gezieltes Muskelaufbautraining, physikalische Therapie und Krankengymnastik. Sie verbessern nicht nur die Herzfunktion und senken den Blutdruck. Der Aufbau von Muskulatur hat für Nierenkranke noch ein weiteres Plus. Durch die neu entstehenden Zellzwischenräume können sich die Abfallprodukte des Stoffwechsels besser im Körper verteilen und abgebaut werden“, erläutert Dr. Volker Thiem. (nh)

Von Dr. Gisela Heimbach

Quelle: HNA

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