Seelische Seite von Brustkrebs

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Unterstützende Beratung: Die psychoonkologische Begleitung hilft Patientinnen und Angehörigen, ihre Stärken und Fähigkeiten zu entdecken und diese im Kampf gegen den Brustkrebs zu nutzen.

Die Diagnose Brustkrebs ist für Betroffene ein harter Schlag. Aber nicht nur Patientinnen leiden unter Ungewissheit und Ängsten, sondern auch für Freunde und Familienangehörige ist dies eine belastende Situation. Eine psychoonkologische Begleitung kann Hilfestellungen geben bei der Krankheitsbewältigung und beim Umgang mit Ängsten und Sorgen.

Im vergangenen Jahr wurden im Brustzentrum des Elisabeth- Krankenhauses etwa 530 neu an Brustkrebs erkrankte Frauen behandelt. „Etwa ein Drittel der Patientinnen nehmen eine intensivere psychoonkologische Beratung in Anspruch“, sagt Anna Wilpert, Psychologische Psychotherapeutin und Psychoonkologin am Elisabeth-Krankenhaus Kassel.

Anna Wilpert beriet Leser in der jüngsten Gesundheits-Telefonsprechstunde zum Thema Psychoonkologische Therapie bei Brustkrebs.

Meine 50-jährige Tochter wurde im Jahr 2011 wegen Brustkrebs operiert. Seitdem leidet sie unter Lymphproblemen, die sehr schmerzhaft und belastend für sie sind. Haben Sieeinen Rat für mich?

ANNA WILPERT: Im Fall Ihrer Tochter haben die Schmerzen eine körperliche Ursache, die in erster Linie von ihrem Arzt behandelt werden sollte. Eine Therapie aus Medikamenten und Physiotherapie verschafft in den meisten Fällen Linderung. Zusätzlich kann ein kleiner Teil der Schmerzen durch die seelische Aufarbeitung gelindert werden.

Mit einer Verbesserung der seelischen Befindlichkeit kann sich die Schmerzwahrnehmung verändern. Außerdem gibt es psychologische Methoden zur Schmerzbewältigung, bei denen ein Ausblenen der Schmerzwahrnehmung eingeübt wird. 

Im Jahr 2009 wurde bei mir ein bösartiger Tumor operativ entfernt. Es folgten Bestrahlung und Chemotherapie, in deren Folge ich meine Haare verloren habe. Bis heute sind meine Haare nicht wieder nachgewachsen und ich leide sehr unter dem Verlust. Es wurden bereits zwei Hautanalysen vorgenommen, die ergebnislos blieben. Auch eine Behandlung mit Medikamenten in Kombination mit einer Tinktur haben nicht den gewünschten Effekt erzielt. Ich kann mich mit meiner Situation nicht arrangieren und suche weiterhin nach einer Therapie, die meine Haare wieder wachsen lässt. Was raten Sie mir?

WILPERT: Aus Ihrer Schilderung kann ich entnehmen, dass bereits alles medizinisch machbare getan wurde, um den Haarwuchs wieder anzuregen. Es ist zwar sehr selten, aber es gibt Fälle, in denen nach einer Behandlung die Haare dauerhaft wegbleiben. In dieser Situation geht es darum, das individuelle Schicksal anzunehmen und mit dem Haarverlust möglichst gut leben zu lernen. Dabei kann eine psychoonkologische Begleitung unterstützen. 

Anfang letzten Jahres wurde bei mir Brustkrebs diagnostiziert. Ich wurde nach der Operation bestrahlt, war in der Reha und soll für fünf Jahre Antihormon-Tabletten nehmen. Körperlich geht es mir wieder einigermaßen gut, aber mich plagen immer wieder große Ängste, dass der Krebs nochmal wiederkommt. Was raten Sie mir?

WILPERT: Dass eine Erkrankung wie Krebs mit Ängsten einhergeht ist nur verständlich. Es ist aber möglich, die Ängste so zu begrenzen, dass sie nicht das gesamte Lebensgefühl beeinträchtigen. Gerade weil eine Krebserkrankung mit enormen Belastungen einhergeht ist es wichtig, sich intensiv mit seinen Stärken und Bewältigungsmöglichkeiten zu befassen und herauszufinden, was gut tut und Freude macht.

Eine Aktivierung der eigenen Ressourcen und Energien hilft mit der Erkran- kung zurechtzukommen. Hilf- reich ist es außerdem zu lernen Befürchtungen zu stoppen und mehr in der Gegenwart zu leben. Akut kann man seine Ängste unter anderem durch ausgiebiges Spazierengehen beruhigen. Mit Bewegung kann man zudem etwas zur Verhinderung eines Rückfalls tun: Regelmäßige Aktivitäten wie Ausdauersport reduzieren das Rückfallrisiko nach Studienergebnissen um mindestens 20 Prozent.

 Entspannungsübungen und Achtsamkeitsübungen können ebenfalls angstlindernd wirken und geben das gute Gefühl, selbst etwas tun zu können.

Bei mir wurde Brustkrebs festgestellt und ich soll nächste Woche operiert werden. Unsere Kinder werden in der Zeit, in der ich im Krankenhaus bin, bei den Großeltern sein. Mein Mann und ich sind unsicher, wie offen wir mit unseren beiden Töchtern sprechen sollen. Wir haben ihnen noch nichts gesagt. Die Mädchen sind fünf und acht Jahre alt. 

WILPERT: Es ist verständlich, dass Sie ihre Kinder schonen wollen. Aber Kinder spüren, wenn die Eltern belastet sind und ihre Phantasien sind dann oft schlimmer als die Realität. Es ist wichtig, offen mit ihnen über ihre Ängste zu sprechen. Für kleinere Kinder ist es wichtig zu hören, dass Krebs nicht ansteckend ist und dass sie keinerlei Mitschuld haben.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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