Schwangerschaftsdiabetes: Eine Gefahr für Mutter und Kind

Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg gründen neues Netzwerk in Groß-Umstadt - Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Groß-Umstadt ermöglicht die optimale Versorgung von betroffenen Frauen in Südhessen

Endlich schwanger! Die Vorfreude auf das Baby ist oft riesig, doch viele werdende Mütter ahnen nicht, dass mit einer Schwangerschaft auch Begleiterkrankungen einhergehen können. Eine der häufigsten ist der Schwangerschafts- bzw. Gestationsdiabetes, welcher erst mit der Schwangerschaft auftritt und erkannt wird. Experten gehen davon aus, dass bis zu siebzehn Prozent aller Mütter unter dieser Krankheit leiden. Bleibt sie unerkannt, können für die betroffenen Frauen und ihre ungeborenen Kinder gesundheitliche Folgen entstehen. Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sind bei Geburt im Durchschnitt etwas schwerer. Dadurch kann es häufiger zu einer Verzögerung der Geburt und auch zu einer Verzögerten Geburt der Schulter kommen. Das kann zu Verletzungen von Mutter und Kind führen. Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes behandelt wird, treten solche Verletzungen seltener auf. „Babys, bei denen der mütterliche Zucker nicht gut eingestellt wurde können bei der Geburt Probleme mit der Atmung und auch mit ihrem eigenen Zuckerhaushalt bekommen. Insbesondere die Gefahr der Unterzuckerung droht, da das Kind noch die hohen Zuckermengen aus der Gebärmutter gewöhnt ist.“ so Susanna Hellmeister, Oberärztin in der Frauenklinik Groß-Umstadt des Klinikums Darmstadt-Dieburg.

Besonders kritisch: die zweite Schwangerschaftshälfte

Einige Faktoren begünstigen das Auftreten der Schwangerschaftsdiabetes: Übergewicht, familiäre Vorbelastung, ein hohes Geburtsgewicht der Schwangeren selbst sowie vorausgegangene Geburten, bei denen ein Kind mit mehr als 4000 Gramm zur Welt kam. Die Ursachen dieser Zuckerkrankheit liegen zum einen in speziellen Schwangerschaftshormonen (z.B. Östrogen), die zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels führen, doch auch falsche, einseitige Ernährung kann schuld sein. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft lassen die Hormone die Körperzellen abstumpfen. Sie reagieren daraufhin nicht mehr so stark auf den Insulinreiz. Die Folge: der Blutzuckerspiegel der Schwangeren steigt gefährlich an, während die Betroffenen kaum Symptome zeigen und selbst häufig nichts von ihrer Erkrankung bemerken. Sogar die Blutzuckermessung im Urin der Patientin ist oft unzuverlässig.

Steigende Fallzahlen: Optimierung der Diagnostik und Therapie wichtiger denn je

Gerade deshalb ist eine gezielte Diagnostik über mehrere Etappen wichtig: Für schwangere Frauen wird im Zeitraum zwischen 24 und 28 Schwangerschaftswochen ein Vortest angeboten, bei dem die Frauen ein Glas Wasser mit 50 Gramm Zucker trinken. Ist das Ergebnis unauffällig, ist der Test beendet. Falls nicht, wird den Frauen ein zweiter, etwas aufwändiger Zuckertest angeboten. Dafür muss die Schwangere nüchtern sein, das heißt, mindestens acht Stunden nichts gegessen oder getrunken haben. „Dieser Zuckertest beginnt damit, dass der Frau nüchtern Blut abgenommen wird. Erst dann trinkt sie eine Zuckerlösung mit 75 Gramm Glukose. Nach einer und nach zwei Stunden wird erneut Blut aus einer Armvene abgenommen. Wenn einer der drei folgenden Blutzuckerwerte erreicht oder überschritten ist, wird die Diagnose Schwangerschaftsdiabes gestellt“, erklärt Susanna Hellmeister das Verfahren. Da Frauen in Deutschland heute später gebären und auch mehr wiegen als Schwangere in früheren Zeiten, steigt die Zahl der Fälle von Gestationsdiabetes stetig an. Um die betroffenen Patientinnen optimal versorgen und behandeln zu können, haben die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg nun ein Netzwerk für Schwangerschaftsdiabetes gegründet.

Experten arbeiten in Groß-Umstadt Hand in Hand

„Hier arbeiten Experten Hand in Hand, um den Schwangeren eine optimale prä-, peri- und postnatale Versorgung zu gewährleisten“, sagt Dr. med. Thomas Martin, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Groß-Umstadt. Im Zentrum stehen die Gesundheit und das Wohl des un- bzw. neugeborenen Kindes und seiner Mutter. „Das neue Zentrum für Südhessen soll Ärzten und Ernährungsfachkräften Informationen und Handlungsempfehlungen zu Epidemiologie, Folgen, Screening, Diagnostik und Therapie des Schwangerschaftsdiabetes geben“, erklärt Dr. Martin.  (nh)

Das Kompetenznetz besteht aus

  • Susanna Hellmeister, Oberärztin Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, DEGUM II, Praxis für Pränatal- und Brustdiagnostik, Kreisklinik Groß-Umstadt
  • Dr. med. Marco Kowalski, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie, Diabetische Schwerpunktpraxis Groß-Umstadt.
  • Dr. med. Jörn Voigt, Kinderarzt aus Groß-Umstadt

Quelle: HNA

Kommentare