Schutz in Sicht gegen die Meningokokken

Viele der Medikamente, die in der Kinderheilkunde eingesetzt werden, dürften das formal gesehen gar nicht. Grund: In streng kontrollierten klinischen Studien muss erst nachgewiesen werden, wie und in welchem Maße das jeweilige Medikament wirkt.

In der Praxis fehlen solche klinische Daten in vielen Fällen und müssen nachgeliefert werden. Kinderarzt Gerhard Bleckmann aus Baunatal setzt sich dafür ein, dass auch in Nordhessen Impftests gemacht werden. „Als Arzt will man, dass die Forschung auch immer von vornherein die Anwendbarkeit im Visier haben muss – und mit der Teilnahme an den Studien kann man dazu beitragen. Man muss schon einen Hang zum Idealismus haben, weil es einen großen Aufwand für eine Praxis bedeutet, aber auf diese Weise können die Forschungsergebnisse im Alltag verwendet werden“, sagt Bleckmann. Die Impfstoffe, die der Kinderarzt für seine Untersuchungen verwendet, haben ihre Bewährungsprobe schon geschafft. „Wir machen keine Experimente, es geht vielmehr darum, beispielsweise die Wechselwirkungen von Impfstoffen herauszubekommen“, sagt er.

Studie mit Jugendlichen

Gerade jetzt beginnt eine Studie in seiner Baunataler Praxis sowie in der Vellmarer Kinderarztpraxis von Dr. Marin Eggers und Thomas Lenz zum Impfstoff gegen den Meningokokken-B-Erreger, der Hirnhautentzündung verursachen kann und am häufigsten in Mitteleuropa auftritt. Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch beispielsweise beim Anhusten, Niesen oder Küssen übertragen. „Bisher gibt es noch keinen Impftstoff dagegen, einfach weil sich die einzelnen Typen des Erregers so stark unterscheiden“, sagt Bleckmann. Erst kürzlich gelang Forschern der gentechnische Durchbruch, der die Produktion eines Impfstoffs erst ermöglicht.

In der groß angelegten Studie werden 1600 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren geimpft. Sie kommen aus der ganzen Welt, aber einige von ihnen auch aus Nordhessen. Einem Teil der jungen Männer und Frauen wird der neue Impfstoff injiziert, einem anderen ein Placebo-Medikament.

Dann sollen die Jugendlichen mögliche körperliche Veränderungen nach der Impfung dokumentieren und werden durch Bluttests regelmäßig überwacht. „Auf diese Weise können wir sehen, wie sich die Antikörper entwickeln. Irgendwann soll dann die Allgemeinheit davon profitieren“, so Bleckmann abschließend.

Von Judith Strecker

Quelle: HNA

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