Schonendere operative Behandlung einer Volkskrankheit

Dr. Markus Schmidt

Im Langzeitverlauf drohen chronische Unterschenkelgeschwüre in Form eines offenen Beines. Die konservative Therapiemöglichkeit durch Tragen elastischer Kompressionsstrümpfe ist für viele Betroffene durch den eingeschränkten Behandlungskomfort gekennzeichnet.

Eine alternativ mögliche operative Krampfaderentfernung mit wissenschaftlich belegten, guten Behandlungserfolgen wurde über viele Jahrzehnte weiter entwickelt und verfeinert.

Das Stripping der oberflächlichen Stammvenen (Herausziehen mit Hilfe einer Sonde) stellt für viele Patienten durch strangförmige Blutergüsse und schmerzhafte Nervenirritationen eine vorübergehende aber dennoch für wenige Wochen bedeutsame Einschränkung dar.

Verödung der Stammvene

Zur Vermeidung des Strippings wurden vor bereits über zehn Jahren kathetergestützte Verfahren entwickelt, um die erkrankte Stammvene ohne Entfernung derselben auszuschalten. Die Verödung der Stammvene kann dabei durch Laser, Radiofrequenzbehandlung und kathetergestützte Schaumverödung erfolgen. Im Verlauf der letzten Jahre scheinen die Behandlungsergebnisse der Radiofrequenztherapie gegenüber den anderen schonenderen Verfahren überlegen zu sein, so dass am Klinikum Bad Hersfeld von der Klinik für Gefäßchirurgie diese Therapieform angeboten wird.

Der Eingriff erfolgt wie bei der gewöhnlichen Operation in Allgemeinnarkose oder Regionalanästhesie. Mit Hilfe des Farbultraschalls der Gefäße wird in der kranken Stammvene meist in Höhe des Unterschenkels ein Radiofrequenzkatheter eingeführt und bis zur Mündung der Vene in die tiefe Leitvene in Höhe der Leiste vorgeschoben.

Unter Abgabe von Radiofrequenzenergie erfolgt eine Erhitzung der erkrankten Venenwand auf etwa 80 Grad, welche bei langsamem Rückzug der Sonde zur langstreckigen Verödung der erkrankten Stammvene führt. Dadurch wird der schädigende Rückfluss des Blutes in der Stammvene ausgeschaltet. Die sichtbaren Krampfadern unter der Haut werden über winzige, drei Millimeter lange Schnittchen nach der Häkelmethode entfernt, deren Narben später nicht mehr zu sehen sind.

Schnitt vermeiden

Die Behandlung mittels Radiofrequenz vermeidet den Schnitt in der Leiste oder der Kniekehle und die durch das Stripping verursachten schmerzhaften Blutergüsse und Nervenirritationen im Verlauf der entfernten Stammvene. Nach gewöhnlicher Strippingoperation kommt es statistisch zu durchschnittlich 17 Tagen Arbeitsunfähigkeit. Nach einer Radiofrequenztherapie kann die Berufstätigkeit drei bis fünf Tage nach dem Eingriff wieder aufgenommen werden.

Für Wiederholungseingriffe des Krampfaderleidens, wenn die erkrankte Stammvene bereits entfernt ist, kommt deshalb die Katheterbehandlung mittels Radiofrequenz oder Laser nicht in Betracht. Radiofrequenzkatheter sind Einmalartikel und kosten etwa 350 Euro. Die Behandlung wird dadurch etwas teurer als die gewöhnliche Krampfaderentfernung mit Stripping.

Bislang besteht für gesetzliche Krankenversicherungen keine Verpflichtung, die Kosten der Radiofrequenztherapie zu übernehmen. In Einzelfällen tragen Patienten, die diese Behandlungsform ausdrücklich wünschen, die Kosten der Radiofrequenztherapie daher selbst. Dennoch scheint mittlerweile eine Übergangssituation eingetreten zu sein. Auf Anfrage von Versicherten werden die Kosten der Behandlung als Einzelfallentscheidungen gelegentlich auch von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Die meisten Betriebskrankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlung wie die privaten Krankenversicherungsträger bereits ohne Anfrage. (nh)

Quelle: HNA

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