Schnell ist es passiert

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So sieht ein Oberschenkelhalsbruch aus: Dr. Dieter Herguth zeigt am Modell, wo der Bruch entsteht.

Fenster putzen, Gläser aus dem Geschirrspüler ausräumen, oder Schnee auf der Treppe fegen: Ein Sturz, ein Schnitt und schon ist der Unfall im Haushalt passiert.

Darüber, wie sich häusliche Unfälle vermeiden lassen, Erste Hilfe richtig angewendet wird und welche Unfälle im Haushalt typisch sind, erklärt Dr. Dieter Herguth.

„Die meisten Verletzungen im Haushalt sind Bagatellverletzungen. Bundesweit gibt es jährlich nur wenige Todesfälle“, bringt es Dr. Herguth auf den Punkt. Verbrennungen am Backofen, Verbrühungen durch heißes Fett und durch heiße Flüssigkeiten wie Wasser, Tee und Kaffee seien häufig. „Mit Topflappen und Handschuhen lassen sich viele dieser Verbrennungen und Verbrühungen vermeiden.“

Kinder sind stark gefährdet

Auch Kinder sind im Haushalt stark gefährdet. Das Fassen auf eingeschaltete Herdplatten erfordere in manchen Fällen eine jahrelange Behandlung. „Auch Behälter mit heißen Flüssigkeiten sind für Kinder gefährlich, weil sie sie vom Tisch herunterziehen und sich Verbrühen können“, sagt Dr. Herguth. Des Weiteren gehe von Reinigungsmitteln, Medikamenten und ätzenden Flüssigkeiten eine Gefahr für Kinder aus. Herguth: „Wenn Kinder die Mittel trinken oder schlucken, ist der Anruf bei der Giftnotrufzentrale unter der Telefonnummer 0551/ 19240 oder bei der Leitstelle Korbach angezeigt.“

Häufig seien Schnittverletzungen mit Messern und Scheren, aber auch mit Glasscherben und Aufschnittmaschinen. Vorbeugend sollte das Messer immer vom Körper weg geführt werden, rät der Mediziner. Auch das Barfuß- laufen im Haushalt birgt nach seiner Überzeugung ein erhöhtes Verletzungsrisiko. „Es gibt immer wieder Reißzwecken, kleine Steinchen oder Scherben, die zu Fußverletzungen insbesondere an den kleinen Gelenken und Zehen führen“, weiß der Arzt aus seinem Praxisalltag zu berichten.

Platzwunden am Kopf durch Stoßen und Stürze beim Steigen auf Leitern, Treppen oder auf improvisierte Klettergeräte wie Drehstühle seien ebenfalls häufig. Beim Fensterputzen ist es oft nicht der Sturz aus dem geöffneten Fenster, als vielmehr das Klemmen von Fingern beim zuschlagenden Fenster eine häufige Unfallart. „Viele Frauen erleiden beim Aufziehen der Betttücher einen Strecksehnenabriss im Endgelenk der einzelnen Finger“, sagt Herguth weiter. Bedauerlich bezeichnet er, dass alle diese Unfälle nicht als Arbeitsunfälle anerkannt seien, obwohl sie bei der Hausarbeit passieren. Gegen Stürze bei Glatteis oder auf feuchtem Bodenbelag helfe geeignetes Schuhwerk.

• Notrufe:

Polizei: Telefon 110, Fax 110 Feuerwehr: Tel. 112, Fax 112 Rettungsdienst: Telefon 112 Notarztwagen: Telefon 112 Giftnotruf: 0551/192 40

Hintergrund

Erste Hilfe im Notfall

Sollte es dennoch zum Unfall kommen, gibt es einige Regeln der Erstversorgung: Stark blutende Wunden sollten mit einem Druckverband oder Pflasterverbänden versehen werden und der Arzt sollte umgehend aufgesucht werden. Eine Schnittwunde sollte möglichst schnell ärztlich versorgt und genäht werden. Wichtig ist es, bei allen Familienmitgliedern auf einen ausreichenden Tetanus-Schutz zu achten und im Falle eines Unfalls Hilfe zu holen.

Verbandsmaterial sollte sich in Reichweite befinden. Fällt der Verunfallte in Ohnmacht, sollten die Beine hoch gelagert und darauf geachtet werden, das die Atemwege frei sind. Bei Verbrennungen und Verbrühungen sollten keine Puder oder Salben aufgetragen werden, sondern direkt der Arzt aufgesucht werden. Kleinflächige Verbrennungen und Verbrühungen ersten Grades können gekühlt und mit einer Brandsalbe behandelt werden. Verstauchungen und Knochenbrüche gehören unverzüglich in ärztliche Behandlung. (zgv)

Quelle: HNA

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