Schmerzende Wirbel behandeln

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Ausstrahlender Schmerz: BeiStauchungen inderHalswirbelsäule können Kribbeln undTaubheitsge- fühle bis in die Fingerspitzen reichen.

Schmerzen im Nackenbereich, die teilweise in die Arme ausstrahlen oder ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern – das sind typische Symptome für Erkrankungen an der Halswirbelsäule.

Die Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau ist auf die Behandlung bei Erkrankungen des Bewegungsapparates spezialisiert und verfügt über modernste Therapie- und Diagnoseverfahren.

Dr. Rafael D. Sambale, Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Bereichs Wirbelsäulenorthopädie an der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergange- nen Montag beraten.

Bei mir wurde ein Bandscheibenvorfall zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel diagnostiziert. Ich habe oft ein Kälte- und Taubheitsgefühl in der linken Hand. Was kann ich tun oder ist eine Operation unausweichlich? 

 

DR. RAFAEL D. SAMBALE: Ihre Symptome sind typisch für eine Schädigung des Nervens am sechsten Halswirbel. In den meisten Fällen kann ein solcher Bandscheibenvorfall konservativ gut behandelt werden. Das Ziel dabei ist immer, die schmerzfreie Beweglichkeit zu erhalten.

Zunächst empfehle ich eine Kombination aus Schmerzmitteln und Bewegungstherapie. Sollten sich die Symptome jedoch verschlechtern und Lähmungserscheinungen hinzu kommen, ist eine Operation meist unumgänglich.

Ich bin 88 Jahre alt und leide unter Schmerzen im Nacken. Bei einer Röntgenaufnahme wurde eine Stauchung der Halswirbelsäule diagnostiziert. Mithilfe von Akupunktur bin ich fast beschwerdefrei. Was kann ich zusätzlich tun, um die Schmerzen einzudämmen? 

 

DR. SAMBALE: Die Wirksamkeit von Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen ist belegt. Daher sollten Sie auch weiterhin diese Behandlung in Anspruch nehmen. Zusätzlich empfehle ich Ihnen, die betroffene Stelle mit beispielsweise einem Kirschkernkissen zu wärmen.

Schmerzlindernde Medikamente können ebenfalls im Akutfall eingenommen werden. Ein Physiotherapeut kann Ihnen zudem Übungen zeigen, mit denen Sie die Gelenke entlasten. Alles, was Sie aktiv tun können, im schmerzfreien Bereich natürlich, ist in Ordnung und wird Ihnen helfen, die Nackenschmerzen selbst zu lindern.

Ich leide seit einem Bandscheibenvorfall zwischen dem dritten und vierten Halswirbel unter Schmerzen im rechten Arm bis in die Fingerspitzen. Die Behandlung mit einer Kortison-Kochsalzlösung, die mir regelmäßig an die entsprechende Stelle gespritzt wird, ist bisher nicht erfolgreich. Mein Orthopäde rät mir zur Versteifung der betroffenen Wirbel. Ist das die einzige Möglichkeit, schmerzfrei zu werden? 

 

DR. SAMBALE: Zunächst muss geklärt werden, ob bei Ihnen die Injektionstherapie unter Bildgebung vorgenommen wurde. Dabei wird sichergestellt, dass das Schmerzmittel zu 100 Prozent an dem betrof- fenen Areal zum Einsatz kommt. Dazu werden computertomographisch (CT)- gestützte Bilder zur Hilfe genommen.

Sollte auch diese Behand- lung keine deutliche Verbesserung hervorrufen, kann eine Operation Abhilfe verschaffen. Allerdings rate ich von einer Versteifung der Wirbel ab, da dann da Risiko besteht, dass sich der Schmerz auf andere Bereiche der Wirbelsäule verlagert.

Meine Empfehlung ist eine bewegungserhaltende Operation, die beispielsweise mit einer Bandscheibenprothese erreicht werden kann.

Ich bin 84 Jahre alt und leide seit dem Jahr 1990 an Lagerungsschwindel. Wenn ich meinen Kopf zu schnell drehe oder überhastet aufstehe habe ich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Können diese Beschwerden auch von der Halswirbelsäule herrühren?

DR. SAMBALE: Die Ursache für Lagerungsschwindel liegt in den seltensten Fällen an der Halswirbelsäule. Meist rührt der Schwindel vom Innenohr her, was ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersuchen sollte. Zudem sollte eine internistische Untersuchung des Herz- Kreislaufsystems erfolgen. Der Neurologe sollte die blutversorgenden Gefäße des Gehirn mittels Ultraschall untersuchen. In seltenen Fällen kann eine gestörte Blutversorgung des Gehirns Ursache der Schwindelattacken sein. 

Ich bin 74 Jahre alt und bei mir wurde eine Stenose des Wirbelkanals an der Halswirbelsäule in mehreren Höhen festgestellt. Ich kann schlecht laufen und häufig fallende mir Gegenstände aus den Händen. Was kann ich dagegen tun? 

 

DR. SAMBALE: Eine Enge des Halswirbelkanals führt zu einem dauerhaften Druck auf das Rückenmark und kann hierzu einer Schädigung füh- ren, die dann in einer Lähmung enden kann. Sollte die Diagnose bildgebend und neurologisch gesichert sein ist eine Entlastungsoperationen notwendig.

Sollte der Druck auf das Rückenmark nur in Höhe des Bandscheibenfaches lokalisiert sein reicht eine Entlastung in Höhe der Bandscheibe. Wird der Druck aber über die gesamte Wirbelkör- perfläche ausgeübt ist gegebenenfalls eine Entfernung des Wirbelkörpers und ein Wirbelkörperersatz mit einer komplexen Versteifung notwendig. In Einzelfällen können auch vom Rücken her die Wirbelbögen durchtrennt und aufgeklappt werden um das Rückenmark dauerhaft zu entlasten.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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