Schlecht schlafen macht krank

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Wenn man nachts so schlecht schläft, dass man tagsüber müde, kaputt und antriebslos ist, sollte man die Schlafstörung unbedingt medikamentös bekämpfen.

Die Tagesform sagt viel darüber aus, ob der Schlaf während der Nacht gut oder schlecht war

Wer kennt das nicht? Man ist todmüde, aber wälzt sich im Bett herum und kann nicht einschlafen. Oder, man schläft gut ein, wacht nach zwei Stunden auf und findet nicht wieder in den Schlaf.

Gelegentlich schläft wohl jeder mal schlecht. Doch bis zu 20 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen Schlafproblemen. Das heißt, Betroffene haben Nacht für Nacht Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen, leiden unter Tagesmüdigkeit und sind dadurch rundum unzufrieden. „Gut schlafen ist nicht nur Luxus, denn schlecht schlafen macht auf Dauer krank“, sagt Schlafmediziner Prof. Dr. Martin Konermann, ärztlicher Direktor des Marienkrankenhauses in Kassel, in dem sich auch ein Schlaflabor befindet. Die Tagesform sagt seiner Ansicht nach viel darüber aus, ob eine Nacht gut oder schlecht war. Laut Konermann gibt es aber durchaus Menschen, die nur vier Stunden nachts schlafen, aber vollkommen munter am Tag sind und andere, denen sechs Stunden Schlaf nicht reichen und die tagsüber todmüde sind.

Über die Behandlung von Schlafstörungen informierte der erfahrene Mediziner in der jüngsten HNA-Telefonsprechstunde.

Ich bin 50 Jahre alt und leide seit einem Jahr unter extremen Schlafstörungen. Angefangen haben die, nachdem meine Mutter und kurz darauf eine gute Freundin gestorben sind. Mein Hausarzt hat mir ein Medikament verschrieben, das betäubend wirkt. Ich vertrage es überhaupt nicht. Wie schaffe ich es, wieder zu einem normalen Schlafverhalten zu kommen?

Konermann: Sie haben eine psychoreaktive Schlafstörung, die als Ursache äußere, belastende Umstände hat. Wenn man, wie in Ihrem Fall, Pech hat, lernt der Körper das schlechte Schlafen. Sie sollten auf jeden Fall regelmäßig Entspannungsübungen anwenden. Außerdem rate ich Ihnen, ein Schlaftagebuch zu führen, in dem sie jeden Abend vorm Schlafengehen und jeden Morgen nach dem Aufstehen notieren, wie sie sich fühlen. Wichtig ist auch, dass Sie regelmäßige Schlafzeiten einhalten. Wenn Sie 30 Minuten nach dem Zu-Bett-Gehen nicht eingeschlafen sind, stehen Sie wieder auf und lenken Sie sich ab. Nach einer Stunde können Sie dann den nächsten Einschlafversuch starten.

Trotzdem werden Sie eine zusätzliche Medikation benötigen, um zu einem normalen Schlafverhalten zurückzufinden. Sie brauche ein Medikament, das einen gesunden, erholsamen Schlaf fördert und kein Betäubungsmittel. Sie haben ein wirklich gravierendes Problem, das in die Hände eines erfahrenen Schlafmediziners gehört. Am sinnvollsten für Sie wäre es, wenn Sie von einem Neurologen oder Psychiater an ein Schlaflabor überwiesen würden.

Ich bin 76 Jahre alt und schlafe nur richtig von 22 bis 24 Uhr. Dann wache ich jede Stunde auf, mir gehen viele Gedanken im Kopf herum und ich habe Probleme, wieder einzuschlafen. Tagsüber muss ich immer einen Mittagsschlaf halten, sonst bin ich zu müde. Ich nehme keinerlei Medikamente dagegen, weil ich gehört habe, dass die schnell abhängig machen.

Konermann: Sie sollten unbedingt ein Medikament nehmen, denn von allein wird sich die Schlafstörung nicht geben. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen mit unbehandelten Schlafstörungen häufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs oder Depressionen erkranken.

Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen ein Schlafmittel mit dem Inhaltsstoff Zopiclon zu verschreiben. Es ist sehr gut verträglich und fördert das Ein- und Durchschlafen auf eine Zeit von fünf bis sechs Stunden. Das Mittel können Sie bis zu vier Mal die Woche nehmen, ohne dass der Körper sich daran gewöhnt.

Ich habe seit Jahren Schlafstörungen, die jetzt immer schlimmer werden. Ich schlafe sehr gut ein, wache aber nach ein paar Stunden auf und dann ist die Nacht vorbei. Mit Zopiclon komme ich nicht klar. Was kann ich noch machen?

Konermann: Sie haben eine klassische Insomnie, das bedeutet, Sie sind unfähig, nachts durchzuschlafen und leiden dann unter Tagesmüdigkeit. Sie brauchen ein Medikament, das den Schlaf neu strukturiert. Dazu eigen sich gut Mittel aus der Medikamentengruppe der Antidepressiva. Sie sind gut verträglich und machen nicht abhängig.

Ich bin 74 Jahre alt, habe eine Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) und muss nachts mit einem CPAP-Atemtherapiegerät und einer Maske schlafen. Das geht sehr gut und ich fühle mich tagsüber dadurch wieder richtig fit. Nur wenn wir mal ein Wochenende wegfahren, muss ich das ganze Zubehör mitschleppen. Wie lange wird es dauern, bis ich geheilt bin und die Schlafmaske sowie das Gerät nicht mehr brauche?

Konermann: Die werden Sie den Rest Ihres Lebens benötigen, da die Schlafapnoe nicht heilbar ist. Sie können ruhig ein bis zwei Nächte ohne die Maske schlafen, ohne dass etwas passieren wird. Nur wenn Sie wieder länger ohne die Maske schlafen, wird die Tagesmüdigkeit zurückkommen.

Ich bin 89 Jahre alt. Abends gehe ich um elf ins Bett. Nach wenigen Stunden wache ich auf und bin putzmunter. Ich kann dann einfach nicht mehr schlafen und bin auch tagsüber nicht müde. Muss ich deswegen zum Arzt und mir etwas verschriben lassen?

Konermann: Sie sollten Alles so lassen, wie es ist. Stehen Sie auf, wenn Sie munter sind und beschäftigen Sie sich. Alte Menschen brauchen oft nicht mehr so viel Schlaf wie junge. Außerdem gibt es einfach auch verschiedene Schlaftypen: Manche kommen mit wenig Schlaf aus. Da Sie tagsüber fit sind, gehören Sie offensichtlich zu den Kurzschläfern.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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