Forschungsinstitut Wilhelmshöhe: Es werden Schlafmittel mit neuen Funktionsweisen erprobt – neurologische Forschung

Schlafstörungen treten im Alter häufiger auf

Wenn die Psyche krank ist: Bei Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen und Co. leidet die Lebensqualität. Archivfoto: nh

Immer mehr Menschen erkranken an psychischen und neurologischen Krankheiten. Als zweithäufigste Begleiterkrankung hat die Weltgesundheitsstudie in einer Untersuchung von 2010 die Insomnie, also die Ein- und Durchschlafstörung, identifiziert. In Deutschland treten Insomnien bei bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung auf.

Von diesen sind bis zuvierzig Prozent chronisch, das heißt sie bestehen länger als zwölf Monate. Insomnie-Patienten sind in ihrer Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt und in der Folge oft krank geschrieben. Ihre Lebensqualität ist subjektiv und objektiv eingeschränkt. Sie haben ein erhöhtes Risiko für psychiatrische-, Stoffwechsel- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Entsprechend findet sich auch eine höhere Sterberate für Insomnie-Patienten.

Erprobung neuer Therapien

Die Konsequenz muss laut des Studienzentrums Wilhelmshöhe in einer frühen Erkennung und Behandlung dieser Krankheit liegen. Als medi-zinisches Forschungsinstitut widmet sich das Studienzentrum der Diagnostik und Erprobung innovativer medikamentöser Therapien dieser Erkrankungen. Die Leiter des Instituts erforschen seit mehr als zwanzig Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen neuropsychiatrischer Störungen.

Zu den oft unerkannten psychischen Störungen gehören zum Beispiel Angsterkrankungen bei älteren Menschen. Jeder Vierte erlebt im Verlauf des Lebens eine krankhafte Angststörung. Gerade bei Älteren stehen körperliche Erkrankungen und Beschwerden oft im Vordergrund, so dass die zugrunde liegende Angsterkrankung nur bei der Hälfte der Betroffenen erkannt wird. Das Studienzentrum Wilhelmshöhe bietet hierzu eine spezifische Therapie mit einem bereits zugelassenen Medikament an.

Ein- und Durchschlafstörungen

Mit zunehmenden Alter treten auch Ein- und Durchschlafstörungen auf, die zu einer deutlichen Verminderung der Lebensqualität führen. Dabei handelt es sich weniger um gelegentliche, sondern meist um chronische Verläufe. Wird eine Schlafstörung ohne organische Ursache nicht rechtzeitig behandelt, kann sie sich zu einer chronischen Erkrankung mit einer nachfolgenden Depression entwickeln. Helfen nicht-medikamentöse Verfahren nicht, dürfen Schlafmittel bei täglichem Gebrauch nur zwei bis vier Wochen angewendet werden oder zeigen unerwünschte Nebenwirkungen. Daher werden zur Zeit Schlafmittel mit ganz anderen, neuen Wirkungsweisen klinisch erprobt. So wird beispielsweise ein bestimmtes körpereigenes Eiweiß, das Orexin, blockiert und damit das Umschalten von Wachen auf Schlafen erleichtert.

Interessierte bekommen zunächst eine ausführlichen Diagnostik. Anschließend wird der Schlaf mehrfach innerhalb von vier Monten untersucht, wobei dieser Aufwand angemessen erstattet wird. (nh)

Quelle: HNA

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