Achtung, Atemaussetzer: Laut Prof. Dr. Martin Konermann hilft in leichten Fällen oft schon Abspecken gegen die Schlafapnoe

Gut schlafen mit kleinerer Kragenweite

Alles im Blick: Auf den Monitoren werden die Messwerte der Probanten im Schlaflabor ausgewertet, hier von (von links) die Leiterin des Schlaflabors Sigrid Verlaan, deren Mitarbeiterin Heidrun Braun und Professor Dr. Martin Konermann. Foto: Konermann

Durchschnittlich alle vier Jahre leistet sich eine Familie in Deutschland ein neues Auto. Für eine neue Matratze lassen sich die Bundesbürger schon mal zwanzig Jahre Zeit. Dabei ist diese wichtig für eine gesunde Schlafhygiene. „Eine gute Matratze ist unerlässlich für einen erholsamen Schlaf“, sagt Professor Dr. Martin Konermann.

Der Chefarzt der Medizinischen Klinik am Marienkrankenhaus Kassel ist Spezialist für Schlafstörungen. Diese medizinische Fachrichtung ist noch recht jung. Die ersten Ergebnisse von Hirnstrommessungen während des Schlafs haben die Medizinwelt verblüfft. Glaubte man vorher, dass die Hirnaktivität während des Schlafs reduziert sei, sah man in den EEGs rege Aktivität zu ganz bestimmten Zeiten. „Schlafen ist nichts Passives. Während des Schlafs finden wichtige Stoffwechselprozesse statt. Ein gestörter Schlaf macht krank“, sagt Prof. Dr. Konermann.

Eine häufige Störung ist die Schlafapnoe. Der Patient hat Atemaussetzer, in schweren Fällen über 30 pro Stunde. Dadurch werden die Schlafphasen immer wieder unterbrochen.

Auch mit ausreichend langem Schlaf fühlt sich der Betroffene am nächsten Tag wie gerädert, weil die erholsamen Tiefschlafphasen fehlen. Von den Aussetzern merkt er nichts, wohl aber der Partner: Er kommt oft nicht zum Schlafen, weil die Atemaussetzer des Bettnachbarn sich mit ausgeprägtem Schnarchen abwechseln.

Unbehandelt liegt die Sterblichkeitsrate einer Schlafapnoe innerhalb von acht Jahren bei knapp vierzig Prozent. Die Krankheit ist immer mit einer enormen Herz- und Kreislaufbelastung verbunden, dadurch erkranken die Betroffenen in Folge fünf Mal häufiger an Schlaganfällen oder Herzinfarkten als andere.

Bei den Ursachen spielt eine erbliche Vorbelastung eine Rolle. Hinzu kommen Umstände, die die Atemwege eng machen, wie zum Beispiel Fehlstellungen der Kiefer zueinander. Wenn Kinder an einer Schlafapnoe erkranken, behindern oft deren große Gaumenmandeln den Luftstrom. Bei Übergewicht lagert sich vor allem bei Männern Fett im Halsbereich ein, was die Atemwege von außen mechanisch behindert. Alkohol und Medikamente, die die Muskulatur entspannen, können ebenfalls zu Atemaussetzern führen.

Für die Diagnose ins Labor

Im Schlaflabor wird die Diagnose gesichert. Während des Schlafs finden zahlreiche Messungen statt, eine Videokamera hält die Aktivitäten des Probanden fest. Die Art der Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad.

Bei einer leichten Form reicht oft schon eine Gewichtsreduktion. „Ein Abspecken auf Kragenweite 43 ist bei Männern ideal“, sagt Prof. Dr. Konermann. Kieferfehlstellungen können mit speziellen Schienen korrigiert werden, manchmal ist eine kieferchirurgische Operation das Mittel der Wahl. Bei einer ausgeprägten Schlafapnoe wird die Atmung maschinell unterstützt. Ein kontinuierlicher Luftstrom hält die Atemwege offen, oder der Druck passt sich Ein- und Ausatmung an.

Der Verzicht auf üppige Mahlzeiten und Alkohol unmittelbar davor ist einem erholsamen Schlaf förderlich. Und eben eine gute Matratze.

Von Ilona Polk

Quelle: HNA

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