Weg von Schläuchen

Künstliche Beatmung: Entwöhnung auf der Weaningstation

Unterwegs auf der Weaning-Station im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende: Oberarzt Dr. Helmut Holle. Fotos: nh

Lebensbedrohliche Akuterkrankungen, wie beispielsweise schwere Lungenentzündungen, gehen häufig mit einem Versagen der Atmung einher. Als lebensrettende Maßnahme wird ein Patient dann in ein künstliches Koma versetzt, um ihn über einen Beatmungsschlauch (Tubus) maschinell zu beatmen.

Der Arzt ist gewöhnlich bestrebt, die Dauer einer künstlichen Beatmung so kurz wie möglich zu halten und bereits frühzeitig an die Möglichkeiten der Entwöhnung (englisch „Weaning“) vom Beatmungsgerät denken.

Dr. Helmut Holle

Bei komplikationsreichen Krankheitsverläufen oder chronischen Vorerkrankungen kann die Beatmungsentwöhnung jedoch erschwert werden. Solche Patienten leiden ohne eine Beatmungsmaschine unter schwerer Luftnot, und ihre Atemmuskulatur erschöpft sich bedrohlich. Häufig ist ein Luftröhrenschnitt notwendig, um die Atmung zu erleichtern und eine längerfristige maschinelle Beatmung zu ermöglichen. In solchen Situationen ist es sinnvoll, den Patienten auf eine spezialisierte Weaningstation zu verlegen. Hier steht neben der nahtlosen Fortführung der Intensivtherapie die Ursachenklärung des „Weaningversagens“ im Vordergrund.

Eine Weaningstation, wie sie am Krankenhaus Lenglern seit über zwanzig Jahren besteht, ist spezialisiert auf die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung. Ziel der Behandlung ist es, den Patienten wieder ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Dies gelingt durch Optimierung der Therapie, das Trainieren der Spontanatmung und die frühzeitige Mobilisation des Patienten aus dem Bett. Neben einem erfahrenen Ärzte- und Pflegeteam sind hierfür eine spezialisierte Physiotherapie, Beatmungsfachkräfte, Logopädie sowie die Planung der weiteren Versorgung durch Sozialdienst und Pflegeüberleitung wichtige Voraussetzungen.

Beatmungsmaske kann eine Alternative sein

Kann der Gesundheitszustand des Patienten nicht so verbessert werden, dass er vollständig ohne Unterstützung der Atmung auskommt, wird eine so genannte nicht-invasive Beatmung über eine Maske mit einem Beatmungsgerät eingeübt. So kann ohne Beatmungsschlauch beim wachen Patienten eine regelmäßige Entlastung der Atmung erreicht und ein vorhandener Luftröhrenschnitt verschlossen werden. Diese Maskenbeatmung muss unter Umständen als häusliche Beatmung am Patienten dauerhaft mehrere Stunden täglich weitergeführt werden.

Den meisten Patienten kann auf diese Weise geholfen werden. Nur in der Minderzahl der Fälle ist nach Ausschöpfung all dieser Möglichkeiten eine längerfristige invasive Beatmung über einen Luftröhrenschnitt in einem spezialisierten Beatmungs-Pflegeheim oder in häuslicher Intensivpflege erforderlich.

Eine Weaningstation leistet so einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und Prognose schwerkranker Patienten, aber langfristig auch zur Kostensenkung im Gesundheitssystem. (nh)

Quelle: HNA

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