Schilddrüsenprobleme werden oft spät erkannt

Privatdozent Dr. Knut Liepe Foto: Blafield

? Wie drückt sich eine Überfunktion der Schilddrüse aus?

!Eine Hyperthyreose kann innere Unruhe, starkes Schwitzen, Herzrhythmusstörungen oder eine Gewichtsabnahme verursachen.

? Welche Ursachen hat dieses Krankheitsbild?

!Häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist die sogenannte Autonomie, das heißt, der Körper kann die Produktion der Schilddrüsenhormone nicht steuern. Grund kann auch die Erkrankung Morbus Basedow sein, bei der körpereigene Stoffe die Schilddrüse zu unkontrollierter Hormonbildung anregen.

? Wie sieht eine Behand- lung der Schilddrüsen- überfunktion aus?

!Eine medikamentöse Behandlung ist möglich, kann aber die Ursache der Überfunktion nicht beseitigen, sodass innerhalb eines Jahres eine weitere Behandlung nötig wird. Neben der Schilddrüsenoperation ist die Radiojodtherapie eine sinnvolle Therapie. Hierbei wird eine Kapsel mit einer geringen Menge von radioaktivem Jod geschluckt, wobei das Jod nur in der Schilddrüse angereichert wird. Die Therapie ist mit wenigen Nebenwirkungen behaftet, aber mit einer kurzzeitigen stationären Aufnahme auf einer nuklearmedizinischen Therapiestation verbunden.

? Woran erkenne ich, dass ich an einer Unterfunkti- on der Schilddrüse leide?

!Eine Hypothyreose führt zu Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichtem Frieren oder Gewichtszunahme.

? Wie sehen die Ursachen für eine Schilddrüsen- unterfunktion aus?

!Eine häufige Ursache dafür ist eine Thyreoiditis Hashimoto, bei der der Körper Antikörper produziert, die mit einer Entzündung der Schilddrüse verbunden sind. Diese Schilddrüsenentzündung tritt bei etwa sechs Prozent der Bevölkerung auf. Bei ein bis zwei Prozent führt sie zu einer so starken Schädigung der Schilddrüse, dass daraus eine Unterfunktion resultiert. Diagnostiziert wird die Krankheit durch eine Blutuntersuchung.

? Wie wird eine Schilddrü- senunterfunktion be- handelt?

!Die Schilddrüse wird mit Schilddrüsenhormonen behandelt. Bei guter Einstellung führt diese Erkrankung im Allgemeinen zu keinen wesentlichen Beschwerden.

? Was heißt es, wenn ich eine Schilddrüsenvergrößerung habe?

!Etwa 25 Prozent der über 45-Jährigen leiden an dieser Krankheit. Sie kann mit Jod

beziehungsweise Schilddrüsenhormonen behandelt werden. Sollten nach zwei Jahren trotz der Medikamente deutliche Beschwerden wie Druckgefühl, Schluck- und Atembeschwerden auftreten, ist ebenfalls eine Behandlung mittels Operation oder Radiojodtherapie sinnvoll.

? Welche Schilddrüsener- krankung kommt au- ßerdem häufig vor?

!Bei etwa 40 Prozent der über 45-Jährigen treten Knoten in der Schilddrüse auf, die durch eine Ultraschalluntersuchung diagnostiziert werden. Bei einem Nachweis von Knoten in der Schilddrüse sollte eine Szintigraphie erfolgen, bei der eine minimal radioaktiv strahlende Substanz gespritzt wird, um den Stoffwechsel des Knotens darzustellen. Es werden stoffwechselaktive (heiße) und nicht-stoffwechselaktive (kalte) Knoten unterschieden. Heiße Knoten können gut durch eine Radiojodtherapie behandelt werden. Bei kalten Knoten, die bei einem geringen Prozentsatz auch bösartig sein könnten, sollte dies durch eine Punktion sowie Ultraschallkontrollen oder in einigen Fällen mittels einer Operation ausgeschlossen werden.

Für Schilddrüsenerkrankungen ist der Nuklearmediziner ein geeigneter Ansprechpartner, da dieser die komplette Diagnostik (Ultraschall, Szintigraphie, Schilddrüsenpunktion) anbieten kann. Am Klinikum Kassel besteht zudem die Möglichkeit einer Radiojodtheraphie. (nh)

Quelle: HNA

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