Bei Rheuma können sich Finger und Zehen bis zur Unbrauchbarkeit deformieren – Frühe Therapien helfen

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Bei fortschreitendem Gelenkrheuma kommt es vor allem zu Entzündungen und, auf Dauer, zu Verformungen der kleinen Gelenke an Hand und Fuß.

Als Rheumahand bekannt ist die Verkrümmung der Finger in Richtung des kleinen Fingers und zum Handteller. Auch ein deformiertes Daumensattelgelenk erschwert die Greifbewegung der Hand.

Sehr verbreitet sind überdies Fehlstellungen am Fuß. Beim typischen rheumatischen Spreizfuß kommt es zur Abweichung der Zehen nach außen. Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Zehenfehlstellungen, die Rheumapatienten das Gehen zur Qual machen. Besonders bekannt sind die sogenannten Krallenzehen und der Hallux valgus.

Damit es gar nicht erst zur Einschränkung der Beweglichkeit und der Lebensqualität kommt, sollte so früh wie möglich der Verformungsprozess gestoppt werden.

Das Spektrum der Orthopädischen Rheumatologie reicht von minimal-invasiven und arthroskopischen Eingriffen bis zur Implantation von Mini-Prothesen in den kleinen Gelenken, damit Patienten wieder beweglich und schmerzfrei werden.

Über die Behandlungsmethoden bei Verformungen an Hand und Fuß informierte Oberarzt Dr. Burkhard Mai, Fachgebietsleiter Rheumaorthopädie der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel, in der HNA-Telefonsprechstunde.

An meiner linken Hand sind die Mittelgelenke am Zeige- und Ringfinger fast steif. Kann man da künstliche Gelenke einsetzen?

Mai: Ja, wenn die Knochen noch stabil sind, geht das in der Regel ganz gut. Manchmal ist es allerdings günstiger, das betroffene Gelenk zu versteifen, weil dann die Finger mehr Stabilität haben. Sie sollten sich zur Abklärung am besten an einen Rheumaorthopäden oder Handchirurgen wenden. Begleitend wäre Krankengymnastik und Ergotherapie sinnvoll.

Meine Tochter hat seit einem halben Jahr Rheuma in den Knien und nimmt Cortison dagegen. Kann man da noch mehr machen?

Mai: Ja, da gibt es noch viele Möglichkeiten. Auf jeden Fall sollte bei einem Rheumaspezialisten die Basistherapie optimiert werden. Eventuell muß ein Röntgenbild oder auch ein MRT gemacht werden. Je nach Ergebnis können dann eine Spritzenbehandlung direkt ins Knie oder eine Arthroskopie für Linderung sorgen.

Ich habe vor sechs Jahren ein biologisches Transplantat in das Mittelgelenk des Ringfingers eingesetzt bekommen. Das funktioniert bis heute prima. Jetzt habe ich große Probleme am Großzehengrundgelenk. Kann man da dieses künstliche Gelenk auch einsetzen?

Mai: Ja, dieses Implantat eignet sich hervorragend für die Zehen. Diese biodegradierbare Platzhalterprothese war vorübergehend in Deutschland nicht mehr erhältlich, soll aber diesen Monat wieder neu zugelassen werden.

Ich habe Rheuma im Sprunggelenk und nehme Cortison und Methotrexat dagegen. Das hilft aber nicht richtig. Retterspitzumschläge lindern die Beschwerden vorübergehend. Welche Therapien können noch helfen?

Mai: Die bei Ihnen angewandte Therapie hat sich eigentlich bei Rheuma sehr bewährt. Das Cortison kann man auch direkt ins Gelenk spritzen. Stützend-korrigierende orthopädische Schuhzurichtungen helfen auch.

Bei länger bestehender Gelenkschwellung kann eine Arthroskopie, bei der die entzündete Gelenkinnenhaut abgesaugt wird, erfolgen. Hilfreich sind auch Injektionen, die die Innenhaut veröden. Diese Behandlungen nennt man Radiosynoviorthese oder Chemosynoviorthese. Wenden Sie sich am besten an einen Rheumaorthopäden.

Ich habe Fibromyalgie (Weichteilrheuma) und seit einiger Zeit einen Knoten unter einem Zehengrundgelenk an der Sohle. Ich kann nur sehr schlecht laufen. Im Röntgenbild war nichts zu sehen. Was kann das sein?

Mai: Es kann sich um einen entzündeten Schleimbeutel oder um ein durchgetretenes Mittelfußköpfchen handeln. Letzteres kommt im Zusammenhang mit einem Spreizfuß vor und sieht aus wie eine Erbse. So ein durchgetretenes Köpfchen kann man operativ anheben. Auch ein entzündeter Schleimbeutel wird operativ entfernt.

Ich habe seit einer Woche Schmerzen im unteren Daumengelenk und kann nichts mehr halten. Die Schmerzen sind richtig stark und stechend. Ist das ein Fall für ein künstliches Gelenk?

Mai: Nein, vorerst nicht. Wenn die Schmerzen erst so kurz bestehen, sollten Sie zunächst eine Behandlung mit einer entzündungshemmenden Salbe und Schmerzmitteln versuchen. Wenn das überhaupt nicht hilft, konsultieren Sie Ihren Hausarzt. Er kann Ihnen unter Umständen entzündungshemmende Spritzen direkt ins Gelenk geben. Meist muss ein Röntgenbild angefertigt werden. Falls erforderlich, gibt es am Daumen sehr bewährte Operationen.

Ich habe eine Arthritis aufgrund einer Schuppenflechte. Eine Infusionstherapie musste ich wegen gravierender Nebenwirkungen abbrechen. Vor etlichen Jahren habe ich mal eine Kur im Radonstollen in Bad Gastein gemacht. Die hat damals eine Zeitlang geholfen. Jetzt habe ich aber wieder starke Schmerzen in den Händen und Füßen. Was kann ich dagegen tun?

Mai: So, wie Sie Ihre Probleme schildern, sollte durch einen Rheumatologen zunächst festgestellt werden, wie ausgeprägt Ihre Gelenke entzündet sind. Die Therapie wird sich dann nach diesem Befund richten. Sie wird zunächst sicherlich medikamentös erfolgen.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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