Themenabend „Gesundheit im Gespräch“: Kortison zur Behandlung von Entzündungen gut geeignet

Rheuma kann Gelenke zerstören

+
Schwellungen an Fingergelenken: Für Ärzte ist dies ein wichtiges Anzeichen für entzündliches Gelenkrheuma.

Kassel. Etwa 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Dementsprechend groß war jetzt das Interesse für dieses Thema in der Reihe „Gesundheit im Gespräch“.

Am häufigsten tritt laut Dr. Wulf-Dieter Behnert, Internist und Rheumatologe, entzündliches Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis) auf. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet darunter. Es betrifft vor allem die kleinen Gelenke der Finger und Zehen. Das Tückische: Die Entzündung kann auf Dauer die Gelenke zerstören, wenn sie nicht behandelt wird. Aber: Nicht jeder Gelenkschmerz ist entzündliches Rheuma. Verschleiß kann ebenfalls Gelenkschmerzen verursachen. Dann spricht man von Arthrose. „Bei der Diagnose muss man genau hinschauen“, sagte Behnert. Schwellungen etwa seien Anzeichen für eine Entzündung. Und die hält bei Rheuma mindestens sechs Wochen an. Steife Gelenke am Morgen sprächen dagegen für Arthrose.

Ebenso sei Fibromyalgie, bei der vor allem Muskeln und Sehnenansätze wehtun, man unter Müdigkeit und Schlafstörungen leidet, ein Schmerzsyndrom und keine Entzündung. Außer den Gelenken kann entzündliches Rheuma auch die Wirbelsäule und Weichteile wie Muskeln, Organe, Augen, Haut und Bindegewebe betreffen. Ob es sich bei Beschwerden um entzündliches Rheuma handelt, kann der Hausarzt feststellen. „Hausärzte sind diesbezüglich sehr gut qualifiziert“, sagte Behnert.

Dem Hausarzt Dr. Klaus Meyer zufolge klagen 30 Prozent seiner Patienten über rheumatische Beschwerden. Ein Großteil der Beschwerden sei jedoch durch Verschleißerscheinungen bedingt. „Man sollte der Diagnose und der Behandlung durch den Hausarzt vertrauen“, sagte Meyer vor dem Hintergrund, dass es in der Region Kassel nur drei internistische Rheumatologen gibt. Patienten warten dort teilweise ein halbes Jahr auf einen Termin. Rheumatologen behandelten häufig Patienten, die genauso vom Hausarzt oder einem Orthopäden therapiert werden könnten.

Entzündliches Rheuma wird zunächst mit Kortison behandelt. Je nach Verlauf der Erkrankung kann dies mit entzündungshemmenden Medikamenten kombiniert oder abgelöst werden. Behnert betonte, dass man mit Kortison gute Erfahrungen gemacht habe. Die Angst vieler Patienten davor sei unbegründet. Wenn Medikamente nicht mehr helfen, kommen als Letzte in der Behandlungskette orthopädische Rheumatologen wie Dr. Burkhard Mai ins Spiel. Sie entfernen beispielsweise Rheumaknoten, feste Schwellungen, die bei Berührung schmerzen und ersetzen zerstörte durch künstliche Gelenke.

Eine wichtige Rolle spielen für Rheumapatienten außerdem die Selbsthilfegruppen (SHG). Einblicke in den Fibromyalgie-Gesprächskreis der Rheuma-Liga, Gruppe Kassel, gab Renate Wyborny. Für die SHG „Leben mit Behçet - Deutschland“ saß Adeltraut Müller auf dem Podium. Organisiert wurde der Themenabend vom Gesundheitsamt Region Kassel, die Patenschaft hatte die AOK Hessen. (mkx)

Eine Aufzeichnung des Abends ist am heutigen Dienstag ab 18.45 Uhr im Offenen Kanal Kassel zu sehen sowie jederzeit im Internet auf www.gesundheitimgespraech.de

Quelle: HNA

Kommentare