Der Rauchausstieg lohnt immer

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Atemwegs- und Lungenerkrankungen nehmen zu – Häufig wird daraus ein chronisches Leiden: Die Lunge steht mit jedem Atemzug in direktem Kontakt zur Außenwelt. Dabei nimmt sie nicht nur Sauerstoff aus der Umgebungsluft auf, sondern ist auch Allergenen, Staubpartikeln, Krankheitserregern und Schadstoffen wie Zigarettenrauch, Umweltbelastungen und Klimaveränderungen ausgesetzt.

Atemwegs- und Lungenerkrankungen sind deshalb hierzulande längst zu Volkskrankheiten geworden: Etwa fünf Prozent der Deutschen sind von Asthma betroffen, und bei rund zehn Prozent der über 40-Jährigen wurde eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) festgestellt. Experten rechnen zudem damit, dass die Fälle von Lungenentzündungen und Lungenkrebs zunehmen werden.

Wie viele Patienten betroffen sind, machte einmal mehr unsere Telefonsprechstunde zu diesem Thema deutlich. Das Telefon, an dem Prof. Dr. Adrian Gillissen, Direktor der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin des Klinikums Kassel, in dieser Woche Leserfragen beantwortete, gab keine Minute Ruhe.

Hier einige Beispiel von Fragen und Antworten:

Meine Frau ist über 70 Jahre alt und raucht seit ihrer Jugend, zurzeit noch etwa zehn Zigaretten am Tag. Seit Jahren hat sie einen chronischen Husten, doch jetzt mache ich mir größere Sorgen, weil sie seit kurzem immer wieder unter Schweißausbrüchen leidet.

Prof. Adrian Gillissen: In jedem Fall sollte sich Ihre Frau untersuchen lassen. Man sollte dabei auch eine Röntgenaufnahme machen, um der Symptomatik auf den Grund zu gehen. Einen anderen wichtigen Rat kennen Sie: Ihre Frau sollte versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Egal, wie lange man schon raucht und wie alt man ist, dieser Schritt lohnt sich immer.

Mein Mann ist 70 Jahre alt und hat seit acht bis zehn Wochen schleimigen Auswurf. Bei einer Röntgenuntersuchung wurden eine Lungenfibrose (Erkrankung des Lungengewebes), eine Lymphknotenschwellung und ein unklarer Befund festgestellt. Jetzt soll eine Bronchoskopie (Spiegelung der Bronchien) gemacht werden. Ist das nötig?

Gillissen: Das ist in diesem Fall tatsächlich anzuraten. So kann man die Lunge genauer untersuchen und man könnte auch eine Gewebeprobe entnehmen, um die veränderten Strukturen genauer anzuschauen. Unter anderem könnte eine Entzündung dahinter stecken, aber das sollte man unbedingt gründlich abklären. Auch das Herz sollte man dabei untersuchen, denn beide Organe können sich in diesem Fall gegenseitig beeinflussen.

Ich leide häufiger unter einer Erkältung. Dann ist es jedes Mal so, dass der Husten lange Zeit nicht weggeht. Oftmals muss ich dann über Wochen tagsüber husten Was kann das sein?

Gillissen: Vermutlich haben Sie ein empfindliches Bronchialsystem. Der Lungenfacharzt könnte einmal testen, wie die Lunge bei einem inhalativen Provokationstest reagiert, und dabei auch einen Lungenfunktionstest machen. Da Sie häufiger unter Erkältungen und auch Husten leiden, sollten Sie sich im Herbst jährlich gegen Grippe und einmalig gegen Pneumokokken impfen lassen.

Ich leide unter COPD und bekomme auch ein Medikament, das verhindern soll, dass die Lungenfunktion schlechter wird. Die Lungenfunktion ist zwar gleich geblieben, doch meine Luftnot nimmt trotzdem zu.

Gillissen: Das ist in der Tat erstaunlich. Diesen Beschwerden sollte man in jedem Fall nachgehen, denn es könnte eventuell eine weitere Erkrankung zum Beispiel des Herzens oder Bluthochdruck dahinter stecken. So sollte man zum Beispiel eine Röntgenaufnahme der Lunge und auch eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens veranlassen. Sprechen Sie bitte darüber mit Ihrem Hausarzt.

Ich hatte 2007 und 2009 eine Lungenentzündung. Seit dem letzten Ereignis habe ich eine chronische Entzündung in den Atemwegen und leide unter Luftnot. Könnte das auch mit meiner Allergie gegen Schimmelpilze zusammen hängen?

Gillissen: Ein Zusammenhang mit einer Allergie könnte tatsächlich bestehen. Das läge vor allem dann nahe, wenn es in Ihrer Wohnung ein Schimmelproblem gebe. Versuchen Sie in jedem Fall, Allergene zu meiden: Sie sollten in Ihrer Wohnung keine Topfpflanzen, keine Luftbefeuchter oder Zimmerbrunnen aufstellen. Das von Ihrem Arzt verordnete cortisonhaltige Inhalierspray sollten Sie regelmäßig anwenden. Später kann man dann kontrollieren, ob sich Ihr Zustand langfristig bessert.

Meine Frau hatte einen Schlaganfall, und sie leidet unter COPD und Alzheimer. Sie verschluckt sich immer wieder beim Essen. Nachdem bei einer Untersuchung Essensreste in ihrer Lunge gefunden wurden, raten Lungenfachärzte nun zu einer dauerhaften Magensonde, um künftig zu verhindern, dass Essensreste wieder in die Lunge gelangen können. Aber wir haben uns zunächst dagegen entschieden. Was kann man tun?

Gillissen: Permanente Entzündungen durch Essensreste und auch Magensäure können die Lunge stark schädigen. Deshalb ist es in diesem Fall sehr sinnvoll, eine Magensonde durch die Bauchdecke zu legen. Damit kann man Ihre Frau sehr gut ernähren, und ihr wird es damit nachhaltig besser gehen. Überlegen Sie sich das ernsthaft.

Von Martina Heise-Thonicke

Quelle: HNA

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