Psychopharmaka richtig einnehmen

Psychische Erkrankungen werden in unserer Gesellschaft zunehmend häufiger diagnostiziert und behandelt. Dazu zählen zum Beispiel Schizophrenien, Depressionen, Angststörungen, Verhaltensstörungen oder Burnout. Je nach Erkrankung und Ausprägung kann eine Behandlung mit Medikamenten, entweder ausschließlich oder begleitend zu anderen therapeutischen Maßnahmen notwendig werden.

Erika Fink, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen , rät Patienten, Vorbehalte gegen die medikamentöse Therapie offen anzusprechen. Nur im Dialog sei eine sinnvolle und gut wirksame Behandlung möglich.

Mit der Diagnose und der Einnahme richtig umgehen

Viele Patienten fühlen sich stigmatisiert, wenn bei ihnen eine psychische Krankheit diagnostiziert wurde. Sie haben Angst, dass sie für verrückt und unzurechnungsfähig gehalten werden. Zum anderen befürchten sie, dass ihr Wesen und ihre Persönlichkeit durch diese Medikamente stark beeinflusst werden, sie dauernd müde sind, übermäßig an Gewicht zunehmen oder nicht mehr fahrtüchtig sind. „Diese Sorgen und Ängste muss man sehr ernst nehmen und mit den Patienten besprechen, weil sie vielfach unbegründet sind“, sagt Erika Fink. „Denn bei der Entwicklung von Psychopharmaka wurden in den letzten Jahren sehr große Fortschritte erzielt. So konnten viele Nebenwirkungen abgeschwächt oder ausgeschaltet werden. Außerdem wird der Patient nicht einfach „ruhiggestellt“. Im Gegenteil. Genau wie zum Beispiel bei einer Allergie oder Entzündung im Körper, kann man heute in den meisten Fällen ein Medikament geben, das ganz gezielt die auslösenden Stoffe blockiert.

Psychische Erkrankungen beruhen in vielen Fällen auf Störungen sogenannter Transmittersubstanzen. Diese Botenstoffe bewerkstelligen im Gehirn die Signalübertragung zwischen einzelnen Strukturen und Zellen. Ist ihre Konzentration jedoch zu hoch oder zu niedrig oder wird generell das Gleichgewicht gestört, wird der Mensch psychisch krank. Gerade in diesen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung erfolgversprechend.

Je nach Art und Schwere der Erkrankung kann es einige Wochen dauern, bis sich ein Therapieerfolg einstellt. Wichtig ist, das Arzneimittel genau nach Anweisung des Arztes einzunehmen. In der ersten Zeit kann es sein, dass man sich etwas müde fühlt. Wer Veränderungen an sich feststellt, sollte dies immer mit seinem Arzt oder Apotheker besprechen, statt das Arzneimittel  eigenmächtig abzusetzen oder die Medikation nachzusteuern. Auch wer glaubt, er brauche sein Medikament nicht mehr, sollte dies zuerst mit den Experten besprechen und nicht auf eigene Faust handeln.

Beruhigungs- und Schlafmittel

Zu den Psychopharmaka zählen auch die so genannten Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel), die besonders häufig verschrieben werden. Wirkstoffe sind zum Beispiel Diazepam, Lorazepam oder Brotizolam. Doch Patienten ist nicht bewusst, dass diese Arzneimittelgruppe sehr schnell eine Abhängigkeit oder Sucht verursacht. Daher ist es wichtig, diese Arzneimittel auch genau nach der Einnahmevorschrift des Arztes einzunehmen und nicht ohne Rücksprache die Dosierung zu erhöhen. Weiterhin haben diese Arzneimittel Wechselwirkungen mit starken Schmerzmitteln, Mitteln gegen Demenz, Antidepressiva, Betablockern, bestimmten Magensäureblockern und Parkinsonpräparaten sowie Asthmamitteln.

Vorsicht bei Johanniskraut

Was viele sicherlich fälschlicherweise nicht als Psychopharmakon einstufen, ist Johanniskraut. Es ist ein freiverkäufliches Mittel, das stimmungsaufhellend und in hoher Dosierung nach längerer Einnahmezeit antidepressiv wirkt. Allerdings sollte man sich dringend davor hüten, selbst die Diagnose Depression zu stellen und sich damit behandeln zu wollen. Auch Johanniskraut zeigt viele Wechselwirkungen, die ärztlich verordnete Therapien stören können. Daher ist es ratsam, immer mit seinem Stammapotheker über Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, rezeptfrei wie auch -pflichtig, zu sprechen. Dieser wird den Arzt im Bedarfsfall einbeziehen. Wer Psychopharmaka einnimmt, sollte auf den Genuss von Alkohol unbedingt verzichten. Insbesondere Schwangere und alte Menschen sollten sich von ihrem Arzt oder Apotheker hinsichtlich dieser Medikamentengruppe beraten lassen, aber auch Autofahrern sei ein Gespräch angeraten. (nh)

Quelle: HNA

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.