Begleitung durch eine schwierige Zeit

Nach der Diagnose an Krebs erkrankt zu sein ist nichts mehr wie es war. Die psychischen und sozialen Belastungen sind enorm. Die Psychoonkologie hilft den Patienten in dieser schwierigen Zeit.

Darüber hinaus hat der rasante Fortschritt in der Medizin, zum Beispiel in der Frauenheilkunde, dazu geführt, dass aus einer Todesbedrohung wie Brustkrebs eine chronische Erkrankung wurde. So verlangt jede Etappe der Erkrankung – von der Diagnose, über Therapie bis in die Zeit, in der eigentlich alles wieder normal sein sollte – eine neue Anpassungsleistung der Psyche.

Und das ist nicht einfach. Unser Gehirn ist stets bemüht jede Erfahrung mit bereits vorhandenen Erfahrungen abzugleichen, um sie verarbeiten und speichern zu können. Dies gelingt bei einer außergewöhnlichen Belastung oft nicht mehr. „Betroffene leiden dann unter einer typischen Abfolge psychischer Symptome, die unter Umständen chronisch werden können“, sagt Susanne Wildhagen, Psychoonkologin am Brustzentrum des Elisabeth-Krankenhauses Kassel.

Möglicherweise liegt zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose schon eine psychische Symptomatik vor oder eine psychische Belastung wird durch die Erkrankung aktiviert. „Deshalb brauchen die an Krebs erkrankten Menschen seelische Unterstützung, die mittlerweile fester Bestandteil unter anderem von onkologischen Leitlinien und Zertifizierungskriterium für Tumorzentren wurde“, sagt die Kasseler Ärztin.

Die Psychoonkologie ist eine Sonderform innerhalb der Psychotherapie. Sie berücksichtigt, dass die Patienten den traumatischen Eindruck der Erkrankung erlebt und die Begrenztheit ihrer eigenen Lebenszeit unmittelbar erfahren haben. Dies führt oft zu einem nachhaltigen Perspektivwechsel, einer Sinnsuche und Neuorientierung. „Die Besonderheit der psychoonkologischen Tätigkeit liegt darin, einen traumatisierten Menschen in einer Phase zu begleiten, in der das Trauma noch nicht abgeschlossen ist und die Betroffenen mit der realen Bedrohung leben müssen, sich vielleicht auch darauf einstellen zu müssen, dass die schlimmsten Ängste wahr werden“, sagt Susanne Wildhagen. Kernelemente in der Psychoonkologie sind Stabilisierungstechniken, Kriseninterventionen und Bewältigungshilfen. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, den Selbstwert und die Autonomie des Patienten zu erhalten. (nh)

www.brustzentrum-kassel.de

Quelle: HNA

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