Und plötzlich trieft die Nase

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Allergietest: Hier werden Substanzen auf die Haut aufgetragen. Mit dem sogenannten Prick-Test sollen die Stoffe gefunden werden, die bei der Patientin zu Allergien geführt haben.

Die Pollen fliegen wieder - Die Heuschnupfensaison beginnt - Anfälligkeit für Allergie kann sich verändern

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Heuschnupfen: Dauernd läuft meine Nase, die Augen brennen und ich habe öfter Kopfschmerzen. Was kann ich aktuell tun und wie geht es weiter? Diese Frage von Silvia U. aus Grebenstein beantwortet HNO-Arzt Dr. Martin Stahl.

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Erwachsenenalter plötzlich Allergien neu auftreten“, sagt der Facharzt. „Die Allergiebereitschaft kann sich verändern.“ Und diese könne durchaus von Jahr zu Jahr schwanken. „Es kann sein, dass im nächsten Frühjahr wieder nichts zu spüren ist“, erläutert Stahl.

In diesen Tagen ist die Natur regelrecht explodiert. Man kann zusehen, wie Knospen anschwellen und aufspringen, Büsche und Bäume jeden Tag grüner werden und Gräser wachsen. Zurzeit fliegen vor allem Hasel-Pollen, aber auch Ulmen, Weiden und Pappel sind aktiv.

Wer jetzt unter einer Pollenallergie leidet, der sollte die Symptome frühzeitig behandeln. Zum Beispiel mit antiallergischen Augentropfen oder Nasenspray. Stahl: „Man muss unter Umständen ausprobieren, was am besten hilft. Nicht jedes Medikament wirkt bei jedem gleich gut.“ Wenn die Beschwerden ganzheitlich auftreten, also auch das Allgemeinbefinden beeinträchtigt ist und zum Beispiel Kopfschmerzen auftreten, kann man auch zu antiallergischen Mitteln in Tablettenform greifen. In der Regel sind diese Medikamente, die zum Beispiel die Wirkstoffe Cetirizin oder Loratadin enthalten, in der Apotheke frei verkäuflich. Sie werden meist nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. In schwereren Fällen sei unter Umständen auch eine Kortison-Behandlung nötig. Sehr wirksam sei zum Beispiel die Behandlung mit einem kortisonhaltigen Nasenspray. Das mache bei vielen Präparaten praktisch keine Nebenwirkungen, weil es nur lokal wirke und helfe sehr gut.

Nach der Pollensaison könnte man eventuell einen Allergietest machen. Das ist deshalb sinnvoll, weil sich viele allergische Reaktionen verhindern lassen, wenn man die Auslöser meidet. „Beobachten ist wichtig“, rät der Allergologe. Nach und nach könne man dann schauen, ob das Problem in der nächsten und übernächsten Saison noch auftritt. In diesem Fall sollte man an eine Hyposensibilisierung denken, die bislang einzige etablierte Dauertherapie. Bei dieser spezifischen Immuntherapie erhält der Patient anfangs wöchentlich, später monatlich abgestimmt auf seine zuvor getestete Hauptallergie ein Allergenpräparat. Dieses kann in der Praxis per Spritze unter die Haut, bei manchen Allergenen wie Gräsern aber auch als Tropfen unter die Zunge oder in Tablettenform verabreicht werden. „Die Therapie wird in der Regel gut vertragen und ist relativ erfolgreich“, erläutert Stahl. Nach Erfahrung des Facharztes könne sich auch ein Therapieversuch mit Akupunktur und Homöopathie lohnen.

Ziel ist es zu vermeiden, dass die allergischen Symptome von den oberen Atemwegen nach unten wandern und es so zu bronchialen Symptomen wie Asthma kommt.

Von Martina Heise-Thonicke

Quelle: HNA

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