Plötzlich bleibt die Luft weg

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Außer Atem: Wer das Gefühl hat, bereits nach geringen Anstrengungen keine Luft mehr zu bekommen, sollte seine Lunge beim Pneumologen untersuchen lassen.

Beängstigend und lebensbedrohlich – so wird akute Luftnot von den meisten Betroffenen empfunden. Die Ursachen für dieses Symptom können sehr vielfältig sein und reichen von akutem Atemnotsyndrom über Herzerkrankungen bis hin zu Allergien, Infektionen oder Blutarmut.

Auch psychische Zustände wie Angst und Panik können das Symptom hervorrufen. Für eine genaue Abklärung ist eine umfassende kardiologische, pneumologische, allergologische und infektiologische Diagnostik erforderlich.

Dr. Andreas Bastian ist auf die Diagnose und Therapie von Atemwegserkrankungen spezialisiert. Der Chefarzt der Abteilung für Pneumologie am Marienkrankenhaus Kassel hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am Montag beraten.

Ich bin weiblich, 68 Jahre alt und leide seit über zehn Jahren unter Atemnot. Vor fünf Jahren hat mich ein Kardiologe untersucht, aber keine Auffälligkeiten festgestellt. Ich war mein ganzen Leben lang aktiv, habe über 40 Jahre Tennis gespielt undgeheheute täglich auf meinen Heimtrainer. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich bei der kleinsten Anstrengung aus der Puste bin. Wenn ich mich mit meiner Nordic-Walking-Gruppe einmal wöchentlich treffe, kann ich seit einiger Zeit nur noch die kurze Strecke mitlaufen. Woran kann das liegen?

DR. ANDREAS BASTIAN: Luftnot ist immer eine subjektiv empfundene Erfahrung. Sie waren das ganze Leben lang aktive Sportlerin und stellen nun fest, dass Sie nicht mehr so fit sind, wie Sie es gewohnt waren. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie mit altersgleichen Personen nicht Schritt halten können und Ihre Beschwerden immer größer werden, sollten mithilfe einer Belastungsuntersuchung beim Pneumologen abgeklärt werden, ob eine Atemwegserkrankung vorliegt.

Bei mir wurde vor einer Woche eine Gürtelrose im Oberkörper festgestellt, was sehr schmerzhaft ist. Seit zwei Tagen habe ich starke Probleme mit der Atmung, was mir Sorgen bereitet. Wie schätzen Sie die Lage ein? 

DR. BASTIAN: Die Gürtelrose wird verursacht von einem Virus, den Betroffene meist über Jahre im Körper tragen. Ein geschwächtes Immunsystem oder entzündliche Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung, führen dazu, dass sich die Viren vermehren und entlang der Nerven an die Haut wandern und die Gürtelrose auslösen. Eine Gürtelrose kann auch motorische Muskeln wie das Zwerchfell befallen und zu Lähmungserscheinungen führen, was Ihre Luftnot er- klären könnte. Daher rate ich Ihnen, die Ursache der Gürtelrose abklären zu lassen und auch das Zwerchfell untersuchen zu lassen.

Mein Mann hat bereits seit vielen Jahren Morbus Parkinson. Eine Begleiterscheinung ist eine vermehrter Schleimbildung in den Atemwegen. Ihm ist es nicht möglich, den Schleim abzuhusten. In der Folge musste er bereits zweimal ins Krankenhaus. Ihm wurde empfohlen, ein schleimlösendes Medikament einzunehmen. Was denken Sie? 

DR. BASTIAN: Parkinsonpatienten müssen oft beatmet werden, da ihre Atemmuskulatur geschwächt ist. Eine Blutgasanalyse kann Aufschluss darüber geben, ob und in welchem Ausmaß ein Sauerstoffmangel und damit eine organische Schwäche vorliegt. Die Einnahme des Schleimlösers führt dazu, dass der Schleim verdünnt wird. Das kann das Abhusten erleichtern, kann aber auch zu einer vermehrten Schleimbildung führen, die genau das Gegenteil bewirkt. Sie sollten zunächst abklären lassen, was die Ursache für die Beschwerden ist.

Für Patienten, die aufgrund neuromuskulärer Erkrankungen nicht selbst ausreichend abhusten können, sogenannte Hustenassistenten. Sie sollten auf jeden Fall versuchen, eine Methode zu finden, die im Vorfeld prohylaktisch eingesetzt werden, damit die Beschwerden geringer ausfallen.

Ich bin weiblich, 78 Jahre alt und bei mir wurde Anfang des Jahres Vorhofflimmern festgestellt. Sowohl mein Puls als auch mein Blutdruck sind zu hoch. Mithilfe von Medikamenten sind aber beide Werte soweit wieder guteingestellt und das Vorhofflimmern ist weg. Allerdings merke ich seit dem Vorfall, dass es mir enorm schwerfällt, zwei Etagen mit der Treppe zu bewältigen. Ich bin schneller außer Atem und beim Ein- und Ausatmen pfeift es manchmal. Haben Sie eine Erklärung dafür? 

DR. BASTIAN: Da Ihr Herz gut betreut ist, sollten Sie einen Lungenfacharzt aufsuchen. Mithilfe eines Röntgenbildes kann er feststellen, ob bei Ihnen eine chronische Bronchitis vorliegt, die zu den von Ih- nen beschriebenen Beschwerden führen. Ich plädiere dafür, auch niederschwellige Symptome ernst zu nehmen, denn sie könnten der Anfang von etwas Schlimmerem sein.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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