Pillen nicht in Hausmüll

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Wohin mit alten Arzneimitteln? Viele Apotheken nehmen sie nicht mehr kostenlos an.

Wer alte Medikamente aus seinem Badezimmerschrank aussortierte, der hat sie früher kostenlos in der Apotheke abgeben können. Das geht heute bei den meisten Apotheken nicht mehr. Wir erklären warum und wo man seine Alt-Medikamente jetzt los werden kann.

Warum kann man seine Medikamente nicht mehr kostenlos in der Apotheke abgeben?

Bis zum Sommer hatte der Kölner Entsorger Vfw Remedica im Auftrag von Pharma-Herstellern Verpackungen und Beipackzettel zurückgenommen und dabei die Altmedikamente eingesammelt. Der Erlös aus der Papierverwertung deckte die Pillenentsorgung. Doch seit einer Novelle der Verpackungsverordnung gehören Arzneimittelverpackungen in den Gelben Sack des Dualen Systems. „Die Quersubventionierung fällt damit weg“, sagt Michael Heising, Geschäftsführer der VfW GmbH. Mit der kostenlosen Rücknahme war es vorbei. Mit den Apothekenausrüstern Wepa (Hillscheid) und K & M in Essen, die bundesweit 19 000 Apotheken bedienen, bieten die Kölner jetzt die Medikamentenabfuhr an. 20 Euro pro Sack soll das kosten. Für eine durchschnittliche Apotheke mache das etwa 200 Euro im Jahr aus. Viele Apotheken wollen diese Kosten nicht tragen.

Kann man die Medikamente nicht einfach in die Hausmülltonne werfen?

Theoretisch schon, denn Arzneimittel zählen laut Abfallverzeichnisverordnung zur Gruppe der Haushaltsabfälle. Ausgenommen davon sind zytotoxische und zytostatische Arzneimittel. Diese gelten als Sondermüll.

Warum das?

Zytotoxizität bedeutet die Fähigkeit einer Substanz, Gewebezellen zu schädigen. Zytostatika dagegen sind therapeutische Substanzen zur Krebsbekämpfung (Chemotherapie) die das Zellwachstum hemmende Stoffe enthalten.

Man darf also die meisten Medikamente im Restmüll entsorgen, der Landkreis rät aber davon ab. Warum?

Weil dabei die Gefahr besteht, dass zum Beispiel Kinder die Pillen aus der Mülltonne holen und essen. Außerdem könnten bei der Entsorgung über den Hausmüll Wirkstoffe der Medikamente in das Wasser gelangen. ‘

Wo kann man seine alten Medikamente sicher entsorgen?

Der Landkreis verweist auf die Sonderabfallkleinmengensammlung, die er in allen Gemeinden des Kreises anbietet. Diese ist bei der Abgabe haushaltsüblicher Kleinmengen kostenlos. Über die Termine der Sammlung kann man sich beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft informieren. Kontakt: 06451/ 743-746.

Wird es denn wieder ein kostenloses Entsorgungssystem geben, bei dem ich nicht auf einen Termin im Jahr angewiesen bin?

In Hessen mit seinen 1600 Apotheken strickt man inzwischen an einem Landesmodell. Gespräche mit Entsorgern laufen, bestätigt Kirsten Müller-Kuhl, Pressesprecherin des Hessischen Apothekerverbandes. Doch „das kann nur eine Zwischenlösung sein.“ Der Blick richtet sich dabei auf eine Richtlinie der Europäischen Union. Sie schreibt Sammelstellen für nicht verwendete oder abgelaufene Medikamente vor. Noch ist sie aber nicht in deutsches Recht umgesetzt.

Von Barbara Will und Ingo Happel-Emrich

Quelle: HNA

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