Peri-Implantitis lässt Zahnimplantate wackeln

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Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am RKH Kassel, demonstriert ein Implantat und ein vergrößertes Modell.

Zahnimplantate sind sehr hilfreich und aus einer modernen Behandlung nicht mehr wegzudenken. Aber ähnlich wie bei der Parodontitis des natürlichen Zahnes, kann mangelnde Pflege durch eine bakterielle Infektion des Zahnfleischs zu einer gefährlichen Peri-Implantitis  bei Implantatträgern führen.

Eine Peri-Implantitis geht einher mit der Entzündung und dem Rückgang von Schleimhaut und Knochen im Bereich eines oder mehrerer Implantate und führt unbehandelt unweigerlich zum Verlust des Implantates.

Doch so weit muss es nicht kommen: „Ihr Zahnarzt bietet regelmäßige Kontrolluntersuchungen im Anschluss an die Versorgung mit Zahnersatz an“, so Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) am Roten Kreuz Krankenhaus  (RKH) Kassel. „Denn gerade die Nachsorge ist ausgesprochen wichtig für Implantat-Patienten; verbunden mit regelmäßigen Terminen zur professionellen Zahnreinigung in ca. 3 - 6 monatigen Abständen“ betont der Experte, der der seit über 20 Jahren implantiert und Pastpräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie e.V. (DGI) ist.

Wie entsteht Peri-Implantitis?

Symptome und Beschwerden der Peri-Implantitis

  • Mundgeruch
  • Schmerzen beim Zähneputzen im Bereich des Implantates
  • Zahnfleischrückgang
  • Zahnfleischbluten
  • Knochenrückgang
  • Implantatlockerung
  • Implantatverlust

Zahn-Implantate werden im Knochen verankert. Über dem Implantat liegt Schleimhaut und darüber beispielsweise eine Krone oder Prothese. Wie am natürlichen Zahn, so lagern sich auch an Implantaten bakterielle Beläge ab, die aus einer zähen, klebrigen Masse bestehen, in der die Bakterien sich einen geschützten Lebensraum ausbilden, den sogenannten Biofilm. Mit der Zeit reagiert das Zahnfleisch darauf entzündlich. Das nennt sich Mukositis. Die Mukositis ist am Zahnfleischbluten erkennbar und sie ist reversibel, das heißt, sie verschwindet bei Mundhygienemaßnahmen wieder. „Werden die Zahnbeläge auch aus den Zahnzwischenräumen regelmäßig gründlich entfernt, so kann das Implantat in über 90 % der Fälle 10 Jahre halten.“

Schwieriger wird es, wenn sich eine Zahnfleischtasche ausbildet, da sich dort die Bakterien in die Tiefe ausbreiten können. Ein Alarmsignal ist eine sondierbare Taschentiefe von mehr als 4-5mm am Zahnimplantat, denn am Boden der Zahnfleischtasche werden die Bakterien nicht durch normale Mundhygienemaßnahmen erreicht und verselbständigen schnell ihre krankmachenden Aktivitäten. Eine entzündete Zahnfleischtasche am Implantat erkennt man am Eiteraustritt, Schmerz und am schlechten Geschmack bzw. Mundgeruch. „Die Entzündung am Zahnimplantat mit Taschenbildung und Knochenverlust nennt sich Peri-Implantitis. Sie ist im Gegensatz zur Mukositis irreversibel“ so der Implantologe Prof. Terheyden.

Nicht jedes Zahnimplantat bekommt eine Peri-Implantitis

Lokale Angriffspunkte für die Taschenbildung können z.B. Zementreste, Zahnstein oder Verletzungen sein. Häufig tritt eine Taschenbildung auch an Stellen mit wenig Kieferknochen oder Mangel an festem, angewachsenem Zahnfleisch auf. Jedes Zahnimplantat soll beim Einsetzen ringförmig mit festem Kieferknochen und festem Zahnfleisch umgegeben sein. Ist das Gewebe nicht ausreichend, wird es im Rahmen einer Implantatbehandlung wieder aufgebaut, damit das Implantat langfristig gesund bleibt. Denn das Zahnimplantat braucht ein sicheres Fundament im Gewebe.

Was tun?

Wird die Diagnose einer Peri-Implantitis gestellt, helfen konservative Maßnahmen wie Medikamente, Mundhygiene oder Mundspülungen nur noch vorübergehend, aber nicht mehr dauerhaft. Wichtig ist es, die häusliche Mundhygiene des Patienten zu optimieren und möglichst begünstigende Faktoren wie z.B. das Rauchen zu beseitigen oder die Einstellung eines Diabetes mellitus zu verbessern.

Die Peri-Implantitis ist eine Indikation für die möglichst frühzeitige chirurgische Behandlung der Zahnfleischtasche. Diese wird durch Abklappen des Zahnfleisches eröffnet, entzündetes Gewebe wird entfernt, die Oberfläche des Zahnimplantates wird von bakteriellen Belägen dekontaminiert und die Implantatoberfläche wird gegebenenfalls auch geglättet. Wichtig ist, dass sich postoperativ keine erneute Tasche ausbilden kann. Dies wird in günstigen Fällen durch Auffüllen des Knochendefektes vom Boden her mit Knochen oder Knochenersatzmaterial, in anderen Fällen durch Resektion des Weichgewebes, erreicht.

Meistens erzielt man durch die operative Behandlung einen Stopp des Fortschreitens der Peri-Implantitis oder zumindest eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes, seltener ist eine vollständige Heilung. So muss die Peri-Implantitisbehandlung auch immer mit der Möglichkeit der Implantatentfernung und Neuimplantation abgewogen werden. Wenn das Implantat einmal locker ist, muss es immer entfernt werden. (nh)

Quelle: HNA

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