Schlüsselloch-Bypassoperation am schlagenden Herzen

In der Herzchirurgie werden neben der konventionellen Bypassoperation zunehmend minimalinvasive Verfahren von Patienten nachgefragt. Der erste Schritt in Richtung eines schonenderen Eingriffs ist dabei der Verzicht auf die Herzlungenmaschine. Das Herz wird hierbei nicht still gelegt.

Die Operation wird damit am schlagenden Herzen durchgeführt. So können mögliche Nachteile der Anwendung der Herzlungenmaschine wie eine Verschlechterung der Organfunktion von Nieren, Leber oder Lunge bei älteren Patienten mit vorgeschädigten Organen reduziert werden. In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Klinikum Kassel geht man seit April 2011 noch einen Schritt weiter. Viele Bypassoperationen werden hier über eine zweidrittel kleinere Öffnung als bei einer konventionellen OP durchgeführt. Über einen sechs bis acht Zentimeter langen Schnitt wird unter Vollnarkose das Brustbein nur im unteren Bereich eröffnet (Ministernotomie). Dann kommt ein modernes Ultraschallmesser zum Einsatz, mit dem die Brustwandarterien unter direkter Sicht schonend präpariert werden.

Ein spezieller Stabilisator sorgt dafür, dass das Operationsfeld auf der Oberfläche des schlagenden Herzens fixiert wird. Der Chirurg kann dadurch die Bypassverbindungen (Anastomosen) zwischen den Brustwandarterien und den erkrankten Herzkranzgefäßen stressfrei herstellen. Gegenüber anderen minimalinvasiven Bypassverfahren, bei denen der Zugang durch eine seitliche Brustkorberöffnung erfolgt, bietet die Ministernotomie unter anderem den Vorteil, dass auch eine Mehrfachbypassanlage sicher durchgeführt werden kann. Das bedeutet, dass eine Vorder-, Seiten- und in einigen Ausnahmefällen sogar eine Hinterwandversorgung mit Bypässen möglich ist.

Niedrige Komplikationsrate

Vorteile der Ministernotomie bestehen in einer geringeren Beeinträchtigung der Stabilität des Brustkorbs. Neben einem hervorragenden kosmetischen Ergebnis (eine sehr kleine Narbe) profitiert der Patient von einer niedrigeren Komplikationsrate. Wundheilungsstörungen, Nachblutungen und Lungenentzündungen sind seltener. Er kann früher mobilisiert werden, meistens schon am ersten Tag nach der Operation. Daraus resultieren eine kürzere Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation und eine schnellere Rehabilitation. Trotz dieser Vorteile ist diese Methode leider nicht bei allen Patienten anwendbar. Notfallsituationen, extrem schlechte Herzfunktion, kleinkalibrige, stark verkalkte oder ungünstig verlaufende Gefäße machen den Einsatz der konventionellen Bypasschirurgie als Standardverfahren weiterhin unverzichtbar. (nh)

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Quelle: HNA

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