Osteoporose: Jede dritte Frau ist gefährdet

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Sportarten wie Nordic Walking, Wandern, Schwimmen oder Tanzen sind ideal, um bei Osteoporose die Muskulatur und den Gleichgewichtssinn zu stärken.

Osteoporose ist eine Skeletterkrankung, bei der die Knochenfestigkeit nachlässt und in deren Folge es zu Knochenbrüchen kommt. In Deutschland tragen neun Millionen Menschen, davon zu 80 Prozent Frauen, das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Drei Millionen dieser Betroffenen haben bereits eine manifeste Osteoporose.

Frauen sind nach den Wechseljahren besonders gefährdet: Geschätzt jede Dritte bekommt eine Osteoporose, während nur jeder fünfte Mann über 50 Jahre betroffen ist. Fast 75 000 Frauen erleiden jedes Jahr einen neuen Wirbelkörperbruch, eine Frakturart, die am häufigsten bei der Knochenerkrankung vorkommt und im schlimmsten Fall zum gefürchteten „Witwenbuckel“ führen kann. Weiterhin kommen häufig Oberschenkelhalsbrüche und Unterarmfrakturen vor.

Wie stark auch in unserer Region Frauen von der Erkrankung betroffen sind, zeigte die HNA-Telefonsprechstunde mit der Orthopädin und Osteologin Dr. Heike Förster, bei der bis auf einen männlichen Anrufer nur betroffene Frauen nach Rat fragten.

Bei mir ist aktuell bei einer Messung in der Apotheke Osteoporose festgestellt worden. Was soll ich tun und kann ich meine Ernährung optimieren?

Förster: Die Knochendichtemessungen in der Apotheke können nur Überschlagswerte liefern und sind nicht sehr genau. Bei einem Verdacht sollten sie sich informieren, bei welchem Orthopäden oder Radiologen Sie eine genaue Knochendichtemessung vornehmen lassen können. Essen Sie kalziumreich, zum Beispiel viel Milchprodukte. Trinken Sie Mineralwasser, das viel Kalzium enthält. Sie sollten am Tag 1000 bis 1200 mg Kalzium zu sich nehmen. Wichtig ist auch die Einnahme von Vitamin D3. Vermeiden sollten Sie alles, was Phosphate enthält, abgepackte Wurstwaren, Cola-Getränke oder mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag.

Ich bin Brustkrebspatientin und habe in Folge einer Hormontherapie Osteoporose bekommen. Was raten Sie mir als Therapie?

Förster: Durch eine solche antihormonelle Therapie mit bestimmten Medikamenten können Sie im Schnitt etwa fünf Prozent Knochendichte pro Jahr verlieren. Für einen optimalen Knochenstoffwechsel sollten Sie 1200 mg Kalzium in Kombination mit 800 Einheiten Vitamin D3 täglich nehmen. Außerdem sollten Sie der von Ihrem Gynäkologen empfohlenen halbjährlichen Therapie mit einer Bisphosphonat-Infusion aus meiner Sicht zustimmen. Diese stoppt den Knochenabbau und hat vermutlich zudem noch den Nebeneffekt, dass sie die Bildung von Knochenmetastasen unter Umständen gehemmt werden kann.

Ich habe Osteoporose und nehme seit drei Jahren Allendronsäure sowie ein Kalzium/Vitamin D3-Kombinationspräparat. Wie lange muss man denn diese Medikamente nehmen?

Förster: Die Allendronsäure gibt man im Normalfall nicht länger als fünf Jahre. Danach wird bei einem positiven Verlauf eine Pause gemacht. Im Einzelfall entscheidet der Arzt nach einer Kontrolle, die zeigt, wie gut das Medikament den Knochenabbau gestoppt hat. Gibt es kein positives Ergebnis, wird die Medikation umgestellt.

Ich bin 68 Jahre alt und habe eine hochgradige Osteoporose. Welchen Sport darf ich machen, damit ich Brüchen vorbeugen kann?

Förster: Sie dürfen alles machen, womit Sie nicht schwer heben müssen oder stürzen könnten. Intensives Wandern, Nordic Walking oder Schwimmen sind sehr gut geeignet. Fragen Sie in Fitness-Studios nach speziellen Osteoporosegruppen. Auch ein Krafttraining im Fitness-Studio ist gut. Dazu sollte aber ein ausgebildeter Trainer oder Physiotherapeut zur Beratung vor Ort sein. Ein guter Sport ist auch Tanzen, denn es verbessert die Kraft und Koordination und ist so eine gute Sturzprophylaxe.

Ich bin 80 Jahre alt, männlich und habe Osteoporose im Lendenwirbelsäulenbereich. Ich habe die verordnete Allendronsäure nicht vertragen und bekomme nun nichts gegen den Knochenabbau. Gibt es eine Alternative?

Förster: Sie sollten unbedingt ein Alternativpräparat nehmen, denn Ihnen können Wirbel schon beim Heben eines etwas schwereren Gegenstandes brechen. Bei Männern ist die Osteoporose nicht so häufig. Für sie gibt es auch weniger zugelassene Medikamente zur Behandlung. Sie können aber ein zum Beispiel strontiumhaltiges Medikament, das knochenaufbauend wirkt, als Alternative nehmen.

Ich habe eine rheumatische Erkrankung und nehme täglich zehn Milligramm Cortison sowie einmal wöchentlich 20 Milligramm Methotrexat ein. Gegen den Knochenabbau trinke ich jeden Tag eine Brausetablette mit 600 Milligramm Kalzium. Ist das ausreichend?

Förster: Nein. Durch die ständige Einnahme hoher Cortisondosen sind Sie eine Hochrisikopatientin. Sie müssen auf jeden Fall täglich mindestens 1000 Milligramm Kalzium in Kombination mit Vitamin D3 nehmen. Lassen Sie Ihre Knochendichte messen. Auch wenn Sie jetzt noch keine Osteoporose haben, hat man dadurch einen Ausgangswert und kann bei späteren Messungen sehen, ob ein Knochenabbau stattfindet.

Ich habe so starke Osteoporose, dass man zwei Lendenwirbel auf dem Röntgenbild gar nicht mehr sieht. Können meine Rückenschmerzen davon kommen?

Förster: Wahrscheinlich sind diese Wirbel zusammengebrochen. Das verursacht Schmerzen. Ihre Knochendichte sollte auch an der Hüfte gemessen werden, da sie sich am Rücken wegen der gebrochenen Wirbel nicht mehr exakt beurteilen lässt.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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