Operationen an der Wirbelsäule

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Stechende Schmerzen, die in die Beine ausstrahlen: Aktive Bewegung, Gewichtsreduktion undWärme lindern Beschwerden derWirbelsäule. Kommt es zu keiner spürbaren Verbesserung, helfen operative Methoden.

Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit Nummer eins. Das Wirbelsäulenzentrum Göttingen-Hamburg ist unter anderem spezialisiert auf Bandscheibenvorfälle sowie Versteifungen und Korrekturen von Fehlstellungen der Wirbelsäule.

Vieles kann minimalinvasiv operiert werden. Im Weender Krankenhaus arbeiten Orthopädie, Neurochirurgie, Schmerztherapie, Physiotherapie und Radiologie interdisziplinär zusammen.

Dr. Ralf Müller-Issberner, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW), hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zum Thema Wirbelsäule beraten.

Ich bin männlich, 78 Jahre alt und leide unter starken Schmerzen in der linken Hüfte, die bis ins Bein ausstrahlen. Mein Orthopäde sagte mir, dass meine Wirbelgelenke verschlissen seien. Gegen die Schmerzen nehme ich täglich Schmerzmittel ein. Was kann ich tun?  

DR. RALF MÜLLER-ISSBERNER: Bei einer gesunden Wirbelsäule arbeiten die Gelenke, Bänder und Wirbel optimal zusammen und stabilisieren den Rücken und machen ihn belastbar. Mit dem Alter treten in vielen Fällen Verschleißerscheinungen auf und verursachen Schmerzen, die zunächst konservativ behandelt werden, zum Beispiel mithilfe von Medikamenten. Da diese Medikamente Ihnen jedoch keine Linderung verschaffen, sollten weitere Maßnahmen ergriffen werden wie zum Beispiel Wärmebehandlungen und physiotherapeutische Übungen.

Zunächst sollte eine sichere Diagnose gestellt werden, was die Schmerzen bei Ihnen verursacht. Mithilfe einer Computertomographie (CT), Röntgenaufnahme oder Magnetresonanztomographie kann der Verschleiß der Wirbelgelenke genau erfasst werden. Da Sie über Schmerzen auf der linken Seite in dem Flankenbereich klagen, sollten Sie ggf. auch Ihre Niere untersuchen lassen. Die Einnahme von Schmerzmitteln sollte jedenfalls in einem vertretbaren Rahmen bleiben, da Sie sonst Gefahr laufen, dauerhaft Leber oder Niere zu schädigen.

Ich bin 80 Jahre alt und habe bereits seit mehreren Jahren Probleme mit meiner Wirbelsäule. Mein Arzt hat bei mir eine Arthrose diagnostiziert und mir eine Schmerztherapie verordnet. Während des achttägigen Aufenthaltes in der Klinik wurde ich mit Infusionen und Medikamenten behandelt. Leider hat sich mein Zustand nicht gebessert. Wenn ich eine halbe Stunde zu Fuß unterwegs bin, muss ich eine Pause einlegen, da das Taubheitsgefühl in meinem Bein immer schlimmer wird und bis in die Zehen reicht. Danach kann ich wieder ein paar Meter laufen. Vor einer Operation habe ich Angst, was raten Sie mir? 

MÜLLER-ISSBERNER: Ihre Symptome deuten darauf hin, dass Ihr Wirbelsäulenkanal zu eng ist. Mithilfe einer periradikulären Therapie (PRT) oder einer Infiltration (PDI) werden unter bildgebenden Verfahren wie Röntgendurchleuchtung oder Computertomographie die betroffenen Segmente abgebildet und infiltriert. Somit kann der Arzt mit der Spritze, die mit einem Gemisch aus einem entzündungshemmenden Medikament und Kortison gefüllt ist, die schmerzverursachende Stelle gezielt behandeln. Die Menge an Kortison ist sehr gering und wirkt nur an der Stelle, an der es lokal gebraucht wird. Sollte dies keine Besserung der Beschwerden erbringen, gibt es minimalinvasive OP-Verfahren, die das Rückenmark oder die Nervenwurzel an dieser Stelle entlasten. 

Bei mir wurde ein Wirbelgleiten am Lendenwirbel 5 diagnostiziert, was zur Folge hat, dass ich unter Schmerzen im linken Unterschenkel leide. Wenn ich längere Strecken mit dem Auto zurücklegen möchte, muss ich immer öfter pausieren und ein paar Schritte gehen, damit die Schmerzen nachlassen und ich weiterfahren kann. Mein Arzt rät mir jedoch von einer Operation ab, da ich einen Herzschrittmacher habe. Was raten Sie mir? 

 

MÜLLER-ISSBERNER: Die von Ihnen beschriebenen Symptome deuten darauf hin, dass ein bestimmter Nerv innerhalb des Wirbelkanals gereizt wird. Leichte Formen des Wirbelgleitens sind gut mit Physiotherapie und Medikamenten behandelbar.

Hält der Schmerzzustand jedoch dauerhaft an und ist die Lebensqualität stark eingeschränkt, hilft eine Operation, um den Platz für den Nerven wieder herzustellen. Es handelt sich um einen minimalen Eingriff, der auch bei Herzpatienten vorgenommen werden kann. Im ersten Schritt wird unter CT eine ganz dünne Nadel direkt an der Nervenwurzel Kor- tison und ein Schmerzmittel gespritzt. Sollte dies nicht oder nur kurz helfen, kann man den betroffenen Nerv mittels Schlüsselloch-Operation frei fräsen, um der Nervenwurzel mehr Raum zu geben, so dass diese sich beruhigen kann.

Im letzten Schritt wäre in Ihrem Falle bei dauerhaften Beschwerden gegebenenfalls eine Stabilisierungsoperation erforderlich.

Mein Mann ist 82 Jahre alt und lebt seit seiner Geburt mit einer krummen Wirbelsäule. Bisher hatte er außer einem Hexenschuss keine nennenswerten Beschwerden und ist auch noch sehr mobil. Aber er wird immer kleiner und der Oberkörper scheint sich immer mehr zu verkürzen. Gibt es etwas, was er vorbeugend tun kann?

 

MÜLLER-ISSBERNER: Bei Ihrem Mann liegt eine angeborene Fehlstellung der Wirbelsäule vor. In den meisten Fällen verursacht die Skoliose keine Schmerzen, und die Betroffenen können gut damit leben. Es ist ein gutes Zeichen, dass Ihr Mann trotz Skoliose noch aktiv ist, denn wie bei allen Rückenbeschwerden ist auch hier die Bewegung ein wesentlicher Faktor zur konservativen Therapie.

Krankengymnastische Übungen unterstützen den Muskelaufbau im Rücken und sorgen dafür, dass die Beschwerden nicht schlimmer werden. Massagen, Wärmebehandlungen und Gymnastik eigenen sich zudem, den Rücken zu entspannen und ihn beweglich zu halten.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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