„OP-Saal der Zukunft“ eröffnet

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Die erste Operation in dem neuen Saal wird eine minimal-invasive Operation der Lunge sein.

Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende investiert in einen neuen Operationssaal für minimal-invasive Chirurgie. Die Ziele sind eine Verbesserte Auslastung der OP-Kapazitäten und die Verminderung von Stressfaktoren für Operateure.

Im letzten Jahr begann das EKW aus Eigenmitteln, seinen Zentral-OP zu sanieren. Die Steuerung der Klimatisierung wurde den neusten Ansprüchen angepasst, die Räumlichkeiten wurden komplett saniert und die Medizintechnik in allen Operationssälen ausgetauscht. Als letzte OP-Einheit wurde nun der sogenannte „OR1-Saal“ mit neuester Computertechnik und neuestem medizinischem Gerät ausgestattet.

Eingebettet ist diese Investition in eine große Um- und Neubauaktivität, die eine Erweiterung des Zentral-OP um zwei weitere Säle, die Sanierung von zwei Bettenstationen und Herrichtung eines internistischen Funktionstraktes umfasste. Gefördert und finanziert wurde dies durch das Niedersächsische Sozialministerium.

Die fortschreitende Entwicklung der operativen Verfahren im letzten Jahrzehnt führte zum Einsatz einer Vielzahl von medizintechnischen Geräten verschiedenster Hersteller bei einer einzigen Operation. Die Bedienung von Einzelgeräten ist jedoch beschwerlich, benötigt sehr viel Zeit und stellt ein potentielles Risiko für die Patientensicherheit dar. Zugleich bieten der technologische Fortschritt in der Computertechnik und der auf breiter Front stattfindende Einzug der Digitalisierung in die Kliniken auch die Möglichkeit zur Ablösung der entstandenen Insellösungen.

Mehr Zeit für direkte Patientenversorgung

Aufgrund der weiter steigenden Bedeutung minimal-invasiver Eingriffe in nahezu allen operativen Disziplinen entspricht der neue Saal dieser Anforderung und einem speziell abgestimmten Operationsraumkonzept. Mit der Gestaltung von Systemarbeitsplätzen setzt der Operationssaal Maßstäbe in der Harmonisierung einzelner Aufgaben und vermindert somit die Stressfaktoren für Operateure und medizinisches Personal. „Der verringerte Abstimmungsaufwand erlaubt es, mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung zu verwenden und bildet die Grundlage einer konstant hohen Qualität der ärztlichen Leistungen“, sagt Dr. Friedemann Horst, Leitender Oberarzt der Abteilung Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Minimal-invasive Chirurgie. Chefarzt Prof. Dr. Claus Langer ergänzt: „Vordefinierbare individuelle Geräteeinstellungen verbessern zudem die Auslastung der OP-Kapazitäten und sorgen für eine sichere Einhaltung der Einbestellungszeiten von Patienten.“

Die zentrale Vernetzung der Hard- und Softwarekomponenten in diesem OP ermöglicht einen modernen, effizienten Weg der Gerätekommunikation und erlaubt die vollständige Kontrolle des kompletten endoskopischen Operation aus dem sterilen Bereich. Die einfache und abgestimmte Bedienung der Geräte über die zentrale Kontrolleinheit, dem Touchscreen, oder über Sprachsteuerung, beschleunigt die Arbeitsabläufe und verringert das Risiko möglicher Fehlbedienungen während der Operation.

Über eine standardisierte EDV werden Videokameras, Kaltlichtquellen, Insufflatoren, Saug- und Spülpumpen sowie OP-Tisch, Jalousie und OP-Licht gesteuert. Ein integriertes digitales Aufzeichnungssystem erleichtert die Archivierung von Bild-, Video- und Audiodaten wichtiger Operationsschritte und -ergebnisse sowohl für die Patientendokumentation als auch für wissenschaftliche Auswertungen. Eine Anbindung an das Krankenhausinformations- und Radiologiesystem optimiert den schnellen Zugriff auf Patienten- und Bilddaten.

Zusätzlich können Telemedizinanwendungen, wie Videokonferenzen oder Live-OPs zu Lehr- und Schulungszwecken durch die Einbindung modernster Audio- und Videotechnologie direkt vom Operationsfeld aus bedient werden.

Der modulare Aufbau des Systems gestattet eine schrittweise Integration der zentralen Steuerung, Bilderfassung und -archivierung sowie Telemedizin in den vorhandenen Operationssaal. Die Ausschöpfung des vollen Potentials neuer Technologien, auch für zukünftige Entwicklungen in der Medizin, garantiert der Operationssaal durch eine offene Systemarchitektur. Die Integration zusätzlicher Geräte anderer Hersteller wird durch Schnittstellenstandards ermöglicht.

Quelle: HNA

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