Ohne Schmerz und Beschwerden

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Nierenerkrankungen haben etwas Tückisches: Sie können nämlich lange Zeit unbemerkt bestehen, ohne dass der Betroffene etwas davon merkt. Erst wenn die Nierenleistung nur noch wenige Prozent beträgt, werden Folgeerkrankungen bemerkbar. Bis dahin aber verläuft der Prozess oft schleichend.

Die Nieren haben die Funktion, das Blut von Schadstoffen und Stoffwechselendprodukten zu reinigen. Was noch brauchbar ist, wird über die Nierenvene in den Blutkreislauf zurückgegeben. Die Filterung und Reinigung findet in den Nierenkörperchen und den Nierenkanälchen in der Nierenrinde statt. Bei Erkrankungen verliert die Niere die Fähigkeit, das Blut zu reinigen. Stoffwechselendprodukte geraten wieder in den Blutkreislauf, es entstehen Störungen im Säure-Basen-Haushalt des Körpers, Vitamin D3 kann nicht mehr richtig gebildet werden, Knochen werden entkalkt. Es gibt eine ganze Reihe Folgeschäden, die durch eine Verminderung der Nierenleistung entstehen können.

Über die Erkrankungen und mögliche Therapien gab der Chefarzt des Nephrologischen Nierenzentrums Niedersachsen (NZN) in Hann. Münden, Prof. Dr. Volker Kliem, Antworten in der HNA-Telefonsprechstunde.

Mein Mann ist 62 Jahre alt und hat seit eineinhalb Jahren eine Nierenkörperchenentzündung, die sich gleich durch eine hohe Eiweißausscheidung im Urin bemerkbar gemacht hat. Verschiedene Therapien mit Blutdrucksenkern, Chemotherapeutika und Cortison haben nichts gebracht. Jetzt nimmt er seit vier Wochen Cyclosporin, doch an den Werten ändert sich nichts. Auch sein Cholesterinwert ist jetzt viel zu hoch.

Kliem: Diese im Fachjargon membranöse Glomerulonephritis genannte Erkrankung ist besonders bei älteren Männern schwer zu behandeln. Die Ärzte haben bei Ihrem Mann bislang alles richtig gemacht. Das Mittel, das er jetzt bekommt, braucht einige Zeit, bis die Wirkung anfängt. Da müssen Sie ungefähr ein halbes Jahr Geduld haben. Wichtig ist, dass die hohe Eiweißausscheidung im Urin reduziert wird, denn die schädigt auf Dauer die Nieren. Wenn die runter ist, wird sich auch der Cholesterinwert wieder normalisieren, denn durch die Erkrankung ändert sich auch der Fettstoffwechsel im Blut. Die Genesung bei Nierenkörperchenentzündungen ist ein langer Prozess. Ihr Mann wird allerdings mit der Erkrankung leben müssen, denn sie ist nicht vollständig heilbar.

Mein dreijähriger Enkel hat auf einer Seite nur eine 13-prozentige Nierenleistung. Er hat dort einen Reflux fünften Grades. Kann es sein, dass durch den Rückfluss des Urins auf der einen Seite auch die andere Niere geschädigt wird? Kann man den Harnleiter operieren?

Kliem: Durch den Rückfluss kann die andere Niere nicht geschädigt werden. Man sollte aber durch einen Kindernephrologen abklären lassen, ob die zweite Seite nicht auch betroffen ist. Wenn die gesund ist, übernimmt sie die Arbeit der geschädigten Niere und wird dadurch größer. Man sollte unbedingt vermeiden, dass das Kind Harnwegsinfekte bekommt, damit die zweite Niere gesund bleibt. Eine Operation des Harnleiters kann man erwägen. Eventuell kann man auch prüfen, ob die kranke Niere nicht schon so stark geschädigt ist, dass man sie entfernen sollte.

Bei einer Kernspinuntersuchung ist als Nebenbefund festgestellt worden, dass ich Zysten an den Nieren habe. Ich bin 70 Jahre alt und habe Angst um meine Nierenfunktion.

Kliem: Die Entwicklung von wassergefüllten Zysten auf den Nieren ist mit zunehmendem Alter nichts Ungewöhnliches. Die Zysten stören die Nieren nicht. Es gibt eine familiär vererbte Nierenerkrankung, die mit großen Zysten einhergeht. Die tritt allerdings schon in jüngeren Jahren auf und macht dann Probleme. Ihre Zysten können Sie vernachlässigen. Sollten doch einmal Schmerzen im Nierenbereich auftreten, ist eine Ultraschalldiagnostik bei Ihrem Hausarzt sinnvoll.

Meine Mutter ist 82 Jahre alt und wiegt 50 Kilo. Sie hat einen Kreatininwert von 1,7. Vor sechs Jahren war der noch bei 1,0. Sie hat auch einen stark schwankenden Bluthochdruck, der schwer einzustellen ist. Ist das gefährlich für sie?

Kliem: Ihre Mutter gehört unbedingt unter Betreuung eines Nierenspezialisten. Bei dem geringen Körpergewicht und dem erhöhten Kreatininwert wird sie nur noch eine verminderte Nierenleistung haben. Mehr als 30 oder 40 Prozent der ursprünglichen Leistung werden die Nieren nicht mehr haben. Vermutlich hat sie schon Folgen der langen Erkrankung, wie Probleme im Knochenstoffwechsel und im Säure-Basen-Haushalt.

Ich bin seit längerem ständig todmüde, kann mich nur schwer motivieren und bin einfach richtig schlapp. Kann das mit einer Nierenerkrankung zusammenhängen?

Kliem: Um das festzustellen, sollten Sie Ihren Hausarzt um eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Nierenwerte bitten. Lassen Sie auch Ihren Urin auf rote Blutkörperchen und Eiweiß untersuchen. Ihr Hausarzt kann auch noch im Ultraschall sehen, ob Ihre Nieren in Ordnung sind.

Von Susanne Seidenfaden

Quelle: HNA

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