Neuroimplantate: Damit die Gehhilfe Geschichte ist

?Worin besteht der Zweck eines Neuroimplantats nach einem Schlaganfall?

!Durch einen Schlaganfall setzen bestimmte Zentren im Gehirn aus, beispielsweise die Areale, die dafür zuständig sind, dass man den Fuß beim Gehen anhebt. Organisch könnten die Patienten den Fuß zwar heben, aber die Information vom Gehirn kommt nicht mehr an. Ein Neuroimplantat schafft erneut eine Verbindung.

?Wie funktioniert das System genau?

!Das etwa zwei Zentimeter große Implantat funktioniert im übertragenen Sinn wie ein Herzschrittmacher. Nachdem es während einer halbstündigen Operation in den Oberschenkel eingesetzt wurde, sendet es hunderte Impulse aus, die jene des Gehirns nachahmen und dem Fuß das Signal geben, sich zu heben.

Das funktioniert, weil das Implantat operativ um den Nervenstrang gelegt wird, der im Rückenmark bis zu den Füßen reicht.

?Woran erkennt das Neuroimplantat, wann es Impulse senden muss?

!Ein Sensor im Schuh und ein Empfänger am Gürtel des Patienten sind nötig, damit das Neuroimplantat genau in dem Moment die Impulse sendet, wenn der Patient dabei ist, den Fuß zu heben.

?Welche Patienten können von einem Neuroimplantat profitieren?

!Patienten, die ein Neuroimplantat bekommen, müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Es sind in der Regel Schlaganfallpatienten, die einen Fallfuß haben, also einen Fuß, der beim Heben immer wieder abknickt und deshalb nicht laufen können. Der betroffene Fuß darf allerdings nicht komplett steif oder der Patient durch eine Spastik zu steif sein. Das Implantat soll den Gang des Schlaganfallpatienten verbessern. Eine minimale Gehfähigkeit ist jedoch Voraussetzung.

?Für welche Patienten kommt ein Neuroimplantat nicht infrage?

!Patienten mit Bandscheibenvorfällen zum Beispiel profitieren nicht von dem Fußheber-Neuroimplantat, weil bei ihnen der Nerv geschädigt ist, den das Implantat stimuliert. Für Patienten mit Multiple Sklerose ist das spezielle Fußheber-Implantat nicht zugelassen, allerdings soll es da in absehbarer Zeit ein weiteres Implantat geben, das den Patienten mit Multipler Sklerose helfen soll.

?Welche Erfahrungen machen die Patienten mit dem Neuroimplantat?

!„Meine Patienten sind begeistert davon, weil sie plötzlich eine Hand frei haben“, sagt der Neurologe Prof. Dr. David Liebetanz. Zuvor mussten die Patienten, die zu ihm kommen, zumeist einen Gehstock benutzen, um sich fortbewegen zu können, und hatten oft dazu eine halbseitige Lähmung. Nach der halbstündigen Operation, in der ihnen das Fußheber-Implantat eingesetzt wurde, können sie sich dann plötzlich freier bewegen. „So nimmt die Gefahr ab, dass die Patienten stolpern, weil sie wieder eine Hand frei haben, und viele sagen mir, dass sich ihre Lebensqualität dramatisch verbessert“, sagt Prof. Dr. Liebetanz.

?Wird im Bereich der Neuroimplantate noch weiter geforscht?

!Ja. Damit künftig auch Patienten beispielsweise mit Multiple Sklerose behandelt werden können, arbeitet ein Experten-Team aus Medizin und technischer Entwicklung im Rahmen von klinischen Studien an der stetigen Weiterentwicklung der Implantate.

Von Judith Strecker

Quelle: HNA

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