Neuer Stoßdämpfer fürs Gelenk

Stechende Schmerzen und ein knirschendes Geräusch im Knie können Anzeichen für einen Knorpelschaden sein. Meist werden sie durch eine Sportverletzung oder eine Durchblutungsstörung der Knochen hervorgerufen.

„Bei frühzeitiger Diagnose besteht die Möglichkeit, das geschädigte Gewebe mit körpereigenem Knorpel vollständig zur Ausheilung zu bringen und somit eine Arthrose zu verhindern“, sagt der Orthopäde Christian Gröll von der orthopädischen Praxisklinik Baunatal.

Mithilfe eines neuen Verfahrens ist es oftmals möglich, einen künstlichen Gelenkersatz zu vermeiden. Dr. Christian Gröll hat Leser in der HNA-Telefonsprechstunde zur neuen Therapie beraten.

Ich bin 42 Jahre alt und bin seit meiner Jugend begeisterter Leichtathlet. Seit einigen Wochen bereiten mir jedoch stechende Schmerzen im Sprunggelenk Sorgen. Aufgrund von Röntgenaufnahmen wurde eine Osteochondrosis dissecans diagnostiziert. Welche Behandlung schlagen Sie vor?   

DR. CHRISTIAN GRÖLL: Bei der Osteochondrosis dissecans handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Knochens, die zu einem Infarkt im Knochen führt. In der Folge kommt es zum Absterben eines Knochenstücks unterhalb des Gelenkknorpels, was die stechenden Schmerzen auslöst.

In Ihrem Fall ist die Knorpeltransplantation das Mittel der Wahl. Bei der ma- trixgestützten Knorpeltransplantation (MACT) werden im ersten Schritt in einem kleinen ambulanten Eingriff gesunde körpereigene Gelenkknorpelzellen entnommen. In einem Speziallabor wird aus dem Knorpelgewebe neues Zellmaterial gezüchtet, das im zweiten Schritt zusammen mit körpereigenem Knochen minimalinvasiv in die defekte Stelle eingesetzt wird. Die Knorpelzellen wachsen in den Knorpeldefekt ein und füllen den Defekt vollständig wieder auf.

Ich bin leidenschaftlicher Fußballspieler in einem Verein. Während eines Spiels wurde ich mit einem Tritt gegen das Knie gefoult. Eine Arthroskopie ergab einen Knorpelschaden und einen Kreuzbandriss. Mit 24 Jahren fühle ich mich zu jung für ein künstliches Kniegelenk, möchte aber trotzdem weiterhin Fußball spielen. Was raten Sie mir?   

DR. GRÖLL: Nach meiner Einschätzung sind in Ihrem Fall die Voraussetzungen für eine Knorpeltransplantation gegeben. Während des zweiten Eingriffs, wenn die gezüchteten Knorpelzellen eingesetzt werden, wird auch die Verletzung des Kreuzbandes operiert.

Während der anschließenden sechs- bis zwölfwöchigen Nachbehandlung wird das Knie mithilfe von Physiotherapie behandelt. Dabei werden Muskulatur und Bänder gestärkt, um das Knie zu unterstützen. Die Nachbehandlung ist sehr wichtig für den Erfolg der Knorpeltransplantation. Wird sie konsequent nach Plan eingehalten, steht auch einem erneuten Einsatz auf dem Spielfeld nichts mehr im Wege.

Ich bin 51 Jahre alt und ich hatte vor zwei Jahren einen Unfall. Die Diagnose war ein dreifacher Meniskusriss und ein zirka drei Zentimeter langer Knorpelschaden. Während einer Arthroskopie wurde der Meniskus repariert und der Knorpel geglättet. Trotz des Eingriffs habe ich noch starke Schmerzen und unter Belastung wird mein Knie richtig dick. Kann ich von einer Knorpeltransplantation profitieren?

DR. GRÖLL: Zunächst sollte Ihr Knie nochmals mithilfe aktueller Röntgenbilder und einem Kernspintomogramm (MRT) untersucht werden. Ein Knorpelschaden ist noch keine Arthrose, kann sich aber zu einer entwickeln. Da die Knorpeltransplantation bei einer Arthrose leider nicht mehr zum Einsatz kommen kann, sollte das Krankheitsbild im Vorfeld genau geklärt werden.

Wenn sich bei Ihnen noch keine Arthrose gebildet hat, können auch Sie von einer Knorpeltransplantation profitieren. Denn meiner Ansicht nach sollte alles Notwendige getan werden, um das natürliche Gelenk so schonend wie möglich zu versorgen, dem Gelenkverschleiß entgegen- zuwirken um möglichst lange auf ein künstliches Gelenk verzichten zu können. Nach dem Eingriff wird während der Nachbehandlung das Knie langsam wieder bewegt und Schritt für Schritt an eine vollständige Belas- tung herangeführt.

Das Video über Dr. Christian Gröll bei einer Knorpeltransplantation am Knie gibt es im Internet unter http://zu.hna.de/ knorpel2110

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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