Neue Therapie bei Bluthochdruck

Neue Therapie bei Bluthochdruck: Nervenbahnen werden gekappt

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Häufig unterschätzt: Ein erhöhter Blutdruck erhöht auch das Risiko für Herz-, Gefäß- und Nierenerkrankungen.

Ich leide seit einiger Zeit unter Bluthochdruck. Zur Behandlung wurden schon verschiedene Medikamenten-Kombinationen ausprobiert. Aber die Medikamente helfen nicht. Was kann ich tun?“, fragt eine Leserin aus Baunatal.

Antworten hat Dr. Andreas Utech, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin sowie Gründer des Ambulanten Herzzentrums Kassel. Bluthochdruck (Hypertonie) ist laut Utech eine Volkskrankheit, die häufig unterschätzt und unzureichend behandelt wird. Wenn Medikamente nicht helfen, kann das viele Ursachen haben. „Viele Patienten vertragen beispielsweise Medikamente nicht“, sagt er. Zudem könne es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geben oder Begleiterkrankungen, die eine Therapie erschweren.

Andreas Utech

„Der Blutdruck wird unter anderem durch sympatische Impulse der Nierennerven, der sogenannten renalen Nerven, reguliert“, erklärt Utech. Diese Nerven steuern die Gefäßspannung. Ist die Spannung hoch, verengen sich also die Gefäße, steigt der Blutdruck. Seit etwa einem Jahr wendet der Kardiologe eine Behandlungsmethode an, bei der die Bahnen eines Teils dieser Nerven mittels Kathetertechnik durchtrennt werden. „Dies führt zu einer Entspannung der Gefäße und einer deutlichen Senkung des Blutdrucks“, sagt der Facharzt. Der Eingriff, der ambulant vorgenommen wird, dauert etwa eine halbe Stunde. Von der Leiste aus wird ein Katheter in die Nieren-Arterie bis kurz vor die Niere eingeführt.

Die renalen Nerven befinden sich dort in der Außenschicht der Gefäße. Mittels Strom werden die Nervenbahnen durchtrennt.

Durch diese sogenannte Nieren-Arterien-Denervierung kann laut Utech so eine Senkung des Blutdrucks erreicht werden, die nach den bisherigen Ergebnissen auf Dauer stabil bleibt. „Es gibt bisher noch keine Langzeitstudien über eine Laufzeit von mehr als drei Jahren, aber wir gehen von einem anhaltenden Effekt aus“, sagt er.

Angewendet wird die Methode Utech zufolge bei einem schwer therapierbaren Bluthochdruck ab 160/100 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), wenn mehrere kombinierte Medikamente nicht oder nicht ausreichend helfen. Ausschlusskriterien sind bestimmte Nierenerkrankungen oder eine sehr schwere Herzklappenerkrankung.

„Für eine effektive Senkung des Blutdrucks ist gleichzeitig eine Änderung des Lebensstils entscheidend“, betont der Facharzt. Dazu gehören die Vermeidung von Übergewicht, eine kochsalzarme, möglichst vegetarische Ernährung, ausreichend Bewegung und der Abbau von Stress etwa durch Entspannungstechniken wie autogenes Training. Außerdem sollten Betroffene nicht mehr als 40 Gramm Alkohol pro Tag (etwa 0,5 l Wein oder 1,0 l Bier) zu sich nehmen. (mkx)

Von Mirko Konrad

Quelle: HNA

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