250.000 Leistenbrüche werden in Deutschland jedes Jahr operiert

Netze schließen Loch im Bauch

Michael Hoffmann

Kassel. Bei mir wurde ein Leistenbruch diagnostiziert. Mein Arzt hat mir zu einer Operation geraten. Herniennetze böten eine schonende und dauerhafte Stabilisierung. Was ist davon zu halten?“, fragt ein Leser aus Kassel. Antworten hat Dr. Michael Hoffmann, Chefarzt des Hernienzentrums im Marienkrankenhaus Kassel.

Jedes Jahr werden in Deutschland 250.000 Leistenbrüche operiert. „Bei mehr als 80 Prozent kommen Herniennetze zum Einsatz“, sagt Hoffmann.

Bei einem Leistenbruch (medizinisch Hernie) treten Teile des Bauchfells und des Darms durch die Muskelschicht des Bauches. Bei einem Leistenbruch befindet sich die Öffnung innerhalb der Muskelschicht oberhalb des Leistenbandes. Der Darm kann aber auch an anderen Stellen, beispielsweise im Bereich des Nabels oder Zwerchfells vorfallen. Die Gefahr: Der Darm kann sich an der Durchtrittsstelle im Muskel einklemmen und im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss führen.

Leistenbrüche lassen sich minimalinvasiv mit feinen Spezialinstrumenten durch kleine Öffnungen im Bauch operieren.

Ursache für einen Leistenbruch können körperliche Überanstrengung wie das Heben schwerer Gegenstände und Bindegewebsschwächen sein. „Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen, das Verhältnis beträgt 7:1“, sagt Hoffmann. Bei einer Operation wird dem Spezialisten zufolge der Darm zunächst wieder zurückverlagert und die Lücke in der Bauchwand mir einem Netz verschlossen. Das Netz bietet dem neuen Gewebe ein Gerüst, in das es schnell einwachsen kann, sowie Stabilität. Ein Zunähen der Bruchpforte ist nicht mehr notwendig, und die Gefahr einer erneuten Hernie sinkt deutlich. „Die Patienten sind nach etwa zwei Wochen wieder belastbar und können sich auch sportlich betätigen“, sagt Hoffmann. Im Hernienzentrum im Marienkrankenhaus werden die Leistenbrüche minimalinvasiv operiert. Dabei setzt der Chirurg nur winzige Schnitte und arbeitet sich mit feinen Spezialinstrumenten zum Bruch vor.

„Diese Methode ist für den Patienten weitgehend schmerzfrei, und es treten fast keine Wundheilungsstörungen auf“, erklärt Hoffmann. Außerdem sinke die Rate chronischer Leistenschmerzen auf ein bis zwei Prozent. Bei konventionellen Operationen liege diese bei 15 Prozent. Durch die winzigen Schnitte blieben zudem kaum Narben zurück. Mittlerweile wird laut dem Hernienspezialisten etwa die Hälfte aller Leistenbruchoperationen minimalinvasiv vorgenommen.

„Wenn man im Leistenbereich eine Vorwölbung tastet, sollte man sich untersuchen lassen“, rät Hoffmann. Leistenbrüche verursachten in der Regel keine starken Schmerzen.

Von Mirko Konrad

Quelle: HNA

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