Masern-Alarm für Erwachsene - Erster Toter in Bayern

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Während die Masern in weiten Teilen der Welt ausgerottet sind, ist die hoch ansteckende Krankheit in Deutschland  neu aufgeflammt. Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden 390 Masern-Fälle bekannt. In München forderte das Virus bereits den ersten Toten, einen 26-jährigen Mann.

Bereits 2010 waren 780 Fälle offiziell gemeldet worden - und das, obwohl die Bundesrepublik vergangenes Jahr schon längst masernfrei sein sollte, so die Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Ärzte schlagen jetzt Alarm. Die vermeintlich harmlose Infektion kann vor allem für Erwachsene tödlich enden. Die Kinder sind meist genügend geschützt. Dass die Masern ausgerechnet in Deutschland auf besten Nährboden fallen, liegt an den riesigen Impflücken in der Bevölkerung. Speziell den Bürgern zwischen 20 und 40 Jahren fehlt zum Großteil der nötige Impfschutz, wie Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) beklagt.

Vor allem die nach 1970 Geborenen leben heute als Erwachsene vielfach ungeschützt: Entweder, weil sie als Kind nur einmal gegen Masern geimpft wurden und die Impfung nicht aufgefrischt wurde - was erst seit 2001 üblich ist. Oder weil sie im Kindesalter gar keine Impfung bekamen, aber auch nicht erkrankten. Wer die Masern schon hatte, ist immun dagegen. Erst seit den 70er Jahren wird in Deutschland überhaupt gegen Masern geimpft.

Von wegen harmlose Kinderkrankheit

Anders als in Nord- und Südamerika oder etwa in Skandinavien gibt es keine Impfpflicht. Auch keinen nationalen Impfplan, wie Hartmann kritisiert: "Deutschland gehört in Europa zu den größten Masernexporteuren, nicht zu fassen." Nicht einmal das medizinische Personal in Kliniken müsse in Deutschland obligatorisch geimpft sein. "Ein Skandal", findet Hartmann. Nicht nur die Politik, auch viele Bürger nähmen das Infektionsrisiko auf die leichte Schulter. Oder zumindest nicht ernst, warnt auch Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Dabei sind Masern keine Kinderkrankheit, wie immer wieder gesagt wird. Sie sind nur so extrem ansteckend, dass sie früher fast jedes Kind hatte.

Wie unglaublich hoch das Ansteckungsrisiko ist, beschreibt der BVKJ folgendermaßen: Kommt das Virus beim Husten in Umlauf in einem Raum mit 100 Menschen, die nicht immun dagegen sind, werden mit ziemlicher Sicherheit 99 von ihnen krank. Harmlos ist die Erkrankung auf gar keinen Fall. Sie kann tödlich verlaufen. Die Krankheit beginnt mit Husten, Bindehautentzündung, Schnupfen und Fieber. Erst nach drei bis sieben Tagen kommt der typische rote Ausschlag dazu, der sich auf der Haut richtig ausbreiten kann. Zwischen Ansteckung und Ausbruch können bis zu 18 Tage liegen. Bei den Kleinen geht das Fieber zwar oft sehr hoch. Doch die Krankheit verlaufe im Kindesalter eher undramatisch, erklärt Jelinek.

Viel schlimmer erwischt es in der Regel Erwachsene. Je älter die Patienten und je schwächer ihr Immunsystem, desto schwerer seien die Komplikationen, betont Hartmann. Zu den üblichen Symptomen können bei Erwachsenen Augen- oder Lungenentzündungen dazukommen. Besonders tückisch ist aber eine Entzündung des Hirns. Das ist lebensbedrohlich. Rund einer von 1000 Erkrankten stirbt daran. Weil Masern durch Viren übertragen werden, nicht durch Bakterien, helfen Antibiotika nicht weiter. Die Medizin stößt bei Komplikationen regelmäßig an ihre Grenzen - und kann nicht viel helfen.

Nur zwei Mal ein kleiner Pieks

Um das Masern-Problem so schnell wie möglich in den Griff zu kriegen, hilft nur eins, ist auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin überzeugt: Der dringende Appell an alle, die nach 1970 geboren sind, den persönlichen Impfschutz zu überprüfen und die Schutzimpfung notfalls rasch nachzuholen. Wer nicht sicher ist, ob er als Kind Masern hatte, sollte es auch tun. Zwei Mal ein Pieks im Abstand von vier bis sechs Wochen - und die Ansteckungsgefahr ist gebannt. Die Krankenkassen übernähmen die zweimalige Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln auch bei Erwachsenen, sagt Hartmann. Gesundheitsbedenken seien unnötig, betont der Kinderarzt: "Der Impfstoff ist supergut verträglich." Auf Nummer sicher sollten auch Eltern gehen, deren Kinder vor 2001 auf die Welt kamen: Ging der zweite Impftermin durch die Lappen, kann er nachgeholt werden, möglichst bis zum 18. Lebensjahr. (dapd)

Quelle: HNA

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