Hilfe für chronisch Schmerzkranke

Anne B. ist eine Frau, die mitten im Leben steht. Alles bestens – so scheint es. Doch der Schein trügt. Seit drei Jahren leidet die attraktive Mittvierzigerin an heftigen Schmerzen in Muskeln und Knochen. Bei wie vielen Ärzten sie mittlerweile war, weiß sie schon gar nicht mehr.

„Das Schlimmste ist, dass mich keiner mehr Ernst nimmt, weil die Ärzte nichts finden und man mir äußerlich nichts anmerkt“, erzählt sie. Anne B. ist kein Einzelfall. Schätzungsweise 4 bis 6 Millionen Deutsche leiden unter chronischen Schmerzen, davon etwa ein Drittel unter Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Ständig Schmerzen zu haben, kann dazu führen, dass sich der Schmerz verselbstständigt. Deshalb spricht man auch von der Schmerzkrankheit. Leider erfolgt die Behandlung meist nur aus einer medizinischen Blickrichtung. Folge ist oft eine Odyssee für den Patienten von einem Arzt zum anderen.

Die Schmerzkrankheit benötigt viele „Detektive"

Wichtig ist es, der Schmerzkrankheit durch eine Multimodale Therapie auf die Spur zu kommen. „Bei Schmerzen im Muskel-Skelett-System sollte ein interdisziplinäres Team der Fachrichtungen Orthopädie, Neurologie, Anästhesie, Psychotherapie, Psychologie, Schmerzverhaltenstherapie, Akupunktur, Medizinische Trainingstherapie, Physiotherapie und Ergotherapie zusammenarbeiten, um dem Patienten zu helfen. Alle an der Multimodalen Schmerztherapie Beteiligten müssen Hand in Hand arbeiten und sich gemeinsam dem Beschwerdebild eines Schmerzpatienten unter körperlichen, psychischen und sozialen Aspekten widmen“, erklärt Dr. Diethelm Träger, Leiter der Orthopädischen Schmerztherapie in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel.

Hand in Hand arbeiten

Deshalb erstreckt sich die Multimodale Schmerztherapie von einer gründlichen Anamnese und Diagnostik über die Messung des Schmerzempfindens bis zur Erfassung der Auswirkungen auf das psychosoziale Erleben. Dr. Klaus Böhme, in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel niedergelassener Anästhesist, Schmerztherapeut und Palliativmediziner: „Die Therapie beinhaltet medikamentöse Spezialverfahren beispielsweise Schmerzblockaden durch Injektionen, psychosomatische und psychotherapeutische Behandlung, Entspannungsübungen und Bewegungstraining.

Der Patient führt während der gesamten Behandlung ein Schmerztagebuch und unser Schmerztherapie-Team trifft sich wöchentlich zu einer Schmerzkonferenz.“ Ziel: Mehr Lebensqualität Bei der Schmerztherapie spricht man von Erfolg, wenn die Wiederaufnahme-Häufigkeit des Patienten (Drehtüreffekt) reduziert, die Schmerzintensität deutlich gesenkt und die Lebensqualität erhöht werden kann.

„Unsere bisherige Therapie-Auswertung zeigt, dass im Vergleich zur Vorgeschichte des Patienten der Drehtüreffekt um 60 Prozent abgesenkt werden kann. Bei 35 Prozent dieser Patienten wurden bisher nicht erkannte mitverursachende Erkrankungen diagnostiziert. Die Schmerzintensität konnte auf einer Skala von 1 bis 10 im Durchschnitt von 7 bis 8 auf 2 bis 4 reduziert werden“, erläutert Dr. Siegfried Serafin, Neurologe, Psychiater und Leiter der in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel ansässigen Institutsambulanz von Vitos Klinikum Kurhessen.

Von Dr. Gisela Heimbach

www.vitos-okk.de

Quelle: HNA

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