Lebensqualität im Alter

„Müssen“ gibt es nicht mehr

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Miteinander sprechen bringt positive Atmosphäre: Wichtig ist dabei, dass Stress und Druck in der Sprache außen vor bleiben

Worte sind nicht nur Schall und Rauch, sie zeigen Wirkung. „Ich dachte, wir sprechen ganz normal miteinander“, sagt Antonia Steidler, Pflegedienstleiterin im Seniorenwohn- und Pflegezentrum Heringen der AWO-Nordhessen.

Seit sie zur Sprachmentorin ausgebildet worden ist, weiß sie jedoch was es ausmacht, die richtigen Worte im alltäglichen Umgang mit Kolleginnen und Bewohnern zu benutzen. Jetzt wird in der Einrichtung „schön“ gesprochen, und plötzlich blüht das ganze Haus auf. Auch auf Angehörige wirkt sich die positive Atmosphäre aus, und es gibt deutlich weniger Konflikte, hat sie festgestellt.

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Sigrid Junge, Abteilungsleiterin Altenhilfe, verantwortet bei der AWO Nordhessen das Sprachkulturprojekt für Altenzentren. Auf ihre Initiative hin haben sich bereits 60 Beschäftigte zum Sprachbegleiter und -mentoren ausbilden lassen. Es geht um respektvollen Umgang mit Kolleginnen und Bewohnern, der sich in wertschätzender Sprache zeigt, um Klarheit im Ausdruck und bejahendes Denken. Antonia Steidler bringt es auf den Punkt: „Endlich ein Projekt, das nicht mehr Zeit kostet. Im Gegenteil: Klare Aussagen steigern die Leistungsfähigkeit im Team.“

Sätze, wie „man müsste mal mit der Frau in den Garten gehen“ sind fortan tabu. Stattdessen lautet die Aufforderung: „Susanne, bitte gehe du heute Morgen mit Frau Franke spazieren.“ Der eilige Ruf über den Flur „Ich komme gleich“ wird ersetzt durch: „Herr Bauer, in zehn Minuten habe ich Zeit für Sie“.

Verantwortlichkeiten festlegen, Aufgaben klar bezeichnen, die Menschen beim Namen nennen, das ist der Anfang von mehr Kultur im Arbeitsalltag, haben die Seminarteilnehmer erfahren. Gleichzeitig lassen sie Worte weg, die Stress oder Druck ausdrücken. „Müssen“ wurde als erstes gestrichen.

Sprachliche Hygiene tut doppelt gut, das wird in den Seminaren deutlich – sie wirkt nach innen wie nach außen. Ellen Jücker, Pflegedienstleiterin im AWO-Altenzentrum Marbachshöhe in Kassel, stellt fest: „Das Betriebsklima ist viel besser seither, und auch ich fühle mich wohler.“ Ohne großen Aufwand kann so ausschließlich Gutes bewirkt werden. Um dies in den AWO-Häusern nachhaltig zu verankern, gibt es engagiertes Zutun „von oben“. Sigrid Junge weiß darum. Sie ist selbst ausgebildete Sprachmentorin und sorgt für Kontinuität. Denn: „Bewusstes, achtsames Sprechen verändert die innere Einstellung.“ (nh)

Quelle: HNA

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