Mit Medikamenten im Urlaub

+
Rundum gut versorgt: Apotheker Axel Kulp empfiehlt neben Arzneien gegen Schmerzen und Durchfall auch Desinfektionsmittel in flüssiger Form.

Erholung, Entspannung und neue Kräfte sammeln – das steht bei vielen Urlaubern für die schönste Zeit des Jahres auf dem Programm. Die wenigsten denken daran, bei einer Reise an Durchfall, Kopfschmerzen und Blasen an den Füßen zu erkranken.

Diese unliebsamen Begleiterscheinungen können jedoch den Urlaub beeinträchtigen und den Erholfaktor minimieren. Wichtig ist es daher, sich im Vorfeld auch Gedanken über die Reiseapotheke zu machen, damit man für den Fall der Fälle vorbereitet ist.

Der Apotheker Axel Kulp aus Kassel hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag beraten.

Mein Mann und ich sind 63 und 66 Jahre alt und begeisterte Wanderer. Im der kommenden Woche fahren wir auf eine mehrtägige Hüttentour in die Alpen. Welche Tipps haben Sie für uns?   

AXEL KULP: Neben einer guten Ausrüstung mit wetterfester Kleidung und gutem Schuhwerk empfiehlt es sich, bestimmte Arzneimittel mitzunehmen. Da Sie mehrere Tage abseits von Dörfern unterwegs sind, kann es bis zur nächsten Apotheke etwas weiter sein. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie diese in ausreichender Menge mitnehmen. Das bedeutet, lieber für drei zusätzliche Tage neben der eigentlichen Reisedauer einzuplanen.

Typische Beschwerden, die bei Wanderreisen auftreten, sind Blasen an den Füßen. Abhilfe schaffen spezielle Blasenpflaster, die, einmal aufgetragen so lange auf der Haut bleiben, bis sie sich von selbst lösen. Präventiv können auch Gewebepflaster, wie zum Beispiel Leukoplast, die Haut an den Stellen schützen, an denen sich in der Vergangenheit Blasen gebildet haben.

Wanderungen in den Alpen können eine ungewohnte Belastung für Muskeln und Gelenke darstellen, daher empfehle ich gegebenenfalls zur Entlastung der Knie die Mitnahme von Wanderstöcken.

Damit die Muskeln fit bleiben sollte man Elektrolyte wie Magnesium in der Tasche haben. Da die Sonneneinstrahlung in der Höhe größer ist, empfehle ich neben einer Kopfbedeckung auch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Leiden Sie unter Herpes, sollten Sie zusätzlich einen Lippenschutz mitnehmen, da Herpes durch die hohe UV-Strahlung ausgelöst werden kann.

Meine Tochter ist 19 Jahre alt und geht im September für ein halbes Jahr nach Irland. Sie ist der Meinung, dass Sie keine Medikamente mitzunehmen braucht, da sie keine chronischen Erkrankungen hat. Was empfehlen Sie uns?   

KULP: Grundsätzlich empfehle ich immer, dass man die Medikamente, die man Zuhause vorrätig hat, auch mit in den Urlaub nehmen sollte. Denn wer möchte sich bei Kopfschmerzen und Fieber erst auf die Suche nach einer Apotheke machen?

Zudem muss man wissen, dass Deutschland das Land mit den meisten freiverkäuflichen Medikamenten ist. Arzneien, die Sie hier problemlos in der Apotheke kaufen können und auch gewohnt sind, diese einzunehmen, können im Ausland evtl. gar nicht oder unter unbekannten Namen vorrätig sein.

Mein Mann und ich unternehmen im September eine Mittelmeerkreuzfahrt. Gibt es bestimmte Medikamente, die wir mitnehmen sollten? 

KULP: Zunächst sollten Sie sich bewusst machen, wie seetauglich Sie sind. Wenn Sie Probleme auf dem Wasser haben, sollten Sie auf jeden Fall ein Mittel gegen Seekrankheit in ausreichender Menge mitnehmen. Als Darreichungsform empfehle ich Zäpfchen. Diese Mittel können Sie präventiv in den ersten Tagen einnehmen, denn die Seekrankheit gibt sich meist nach ein paar Tagen. Mittel gegen Durchfall sind auf deutschen Schiffen nicht unbedingt erforderlich, da die Hygienestandards sehr gut sind.

Für mögliche Landgänge oder ein gefühlte Sicherheit sollte man diese trotzdem einpacken. Wichtiger auf einer Seereise ist auf jeden Fall der Sonnenschutz, da die Sonne sowohl vom Himmel als auch reflektiert vom Wasser auf die Haut trifft. Zudem weht an Deck stets eine leichte Brise, bei der man einen möglichen Sonnenbrand nicht sofort merkt.

Für die Landgänge empfehle ich Ihnen, einen Mückenschutz mitzunehmen. Denn an Land herrschen andere klimatische Bedingungen als auf der offenen See.

Ich bin Diabetiker und fliege im Herbst in die USA. Was sollte ich beachten?   

KULP: Hilfsmittel wie Spritzen, Insulin und Teststreifen sollten Sie im Flugzeug auf jeden Fall im Handgepäck bei sich haben. Daher ist es wichtig, einen mehrsprachigen Attest und einen Diabetiker-Ausweis mitzuführen. Bei Insulin gibt es den Richtwert, etwa 150 Prozent der Menge mit in den Urlaub zu nehmen, die man normalerweise benötigt.

Als weiteren Tipp empfehle ich, im Flugzeug erst dann Insulin zu spritzen, wenn das Essen vor einem steht. Aufgrund von Turbulenzen kann sich das Essen nach hinten verschieben und daraufhin zu einer Unterzuckerung kommen.

Ich unternehme im November eine Rundreise in Südafrika. Die erforderlichen Schutzimpfungen habe ich bereits bekommen. Was empfehlen Sie mir für die Reiseapotheke? 

KULP: Bestimmte Gebiete in Südafrika sind als Malariagebiet ausgewiesen. Daher empfehle ich neben langer Kleidung und Mückenschutzmittel eine Malariaprophylaxe. Einige Mittel machen jedoch die Haut lichtempfindlicher, daher sollte auf jeden Fall ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor und entsprechende Kleidung eingepackt werden.

Neben Arzneien zur Dauermedikation empfehle ich Arzneien gegen Fieber und Schmerzen, Pflaster und Verbandmittel, Wundsalbe, Nasenspray, ein Mittel gegen Durchfall, das man auf der Zunge zergehen lässt, Elektrolyte und Desinfektionsmittel in flüssiger Form.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.