Lunge ist fast immer betroffen

Sarkoidose ist zwar eine seltene entzündliche Erkrankung,  sie lässt sich aber meist gut behandeln.

Als ich kürzlich mit Grippesymptomen zum Arzt gegangen bin, hat dieser eine Sarkoidose vermutet. Davon habe ich aber noch nie etwas gehört. Muss ich mir ernsthafte Sorgen machen?“, fragt Susanne G. aus Fuldabrück.

Antworten hat Stefan Dargel, Lungenfacharzt in Baunatal.

Was ist eine Sarkoidose und wie entsteht diese Krankheit?

Die Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung. Im Gewebe der betroffenen Organe bilden sich mikroskopisch kleine Knötchen, die sich auf Dauer zu einem Narbengewebe entwickeln können. Fast immer ist die Lunge betroffen, aber auch in Milz, Leber oder Herz können sich Sarkoidose-Knötchen bilden. Wie die Krankheit entsteht, ist bisher unbekannt – auch über 100 Jahre Forschung haben keine Klarheit gebracht. Es handelt sich um eine Art Überreaktion des Immunsystems auf einen oder mehrere Auslöser, die aber bisher nicht identifiziert sind. Genetische Faktoren spielen wohl ebenfalls eine Rolle für die Bereitschaft, die Erkrankung zu entwickeln.

Welche Beschwerden bereitet die Sarkoidose?

Das ist abhängig von der Verlaufsform. Eine akute Sarkoidose macht sich in der Regel durch klassische Grippesymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit bemerkbar. Hinzu kommen oft eine Schwellung der Lymphknoten sowie Atemnot. Die chronische Sarkoidose hingegen beginnt oft schleichend – erste Anzeichen können hier Husten und Gelenkschmerzen sein. Da die Krankheit viele Gesichter hat, können aber auch die Symptome vielfältig sein.

Wie wird Sarkoidose diagnostiziert?

Zunächst sollte nicht gleich von einer Sarkoidose ausgegangen werden, sobald erste Grippesymptome auftreten. Wenn die Betroffenen aber gleichzeitig über Schmerzen der Sprunggelenke und rötlich gefärbte und druckempfindliche Schwellungen an den Beinen klagen, können dies Indizien sein. Eine sichere Diagnose kann aber nur über Röntgenbilder und Gewebeuntersuchungen gestellt werden. Aufgrund der Vielfältigkeit der Sarkoidose ist eine Diagnose aber nicht immer ganz einfach.

Ist die Sarkoidose gefährlich?

In der Regel nicht, dennoch sollte die Krankheit behandelt werden. Beim akuten Verlauf genügt meist eine Behandlung mit anti-entzündlichen Mitteln wie zum Beispiel Ibuprofen – dann heilt die Erkrankung innerhalb weniger Wochen aus.

Eine chronische Sarkoidose wird in aller Regel mit Kortison therapiert. Diese Therapie dauert meistens zwischen sechs und zwölf Monaten, in schweren Fällen auch lebenslang. Außerdem sollten die Organe regelmäßig überwacht werden, um Vernarbungen zu verhindern. Diese führen nämlich in etwa fünf Prozent der Fälle zum Tod, vor allem dann, wenn Gehirn oder Herz betroffen sind. Bei den meisten Patienten aber kann die Krankheit bei rechtzeitiger Behandlung aufgehalten werden.

Fehlsteuerung des Immunsystems

Sarkoidose, auch Morbus Boeck, kommt bei Frauen und Männern gleichermaßen vor und tritt in den meisten Fällen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. In Deutschland gibt es etwa 32 000 bis 40 000 Betroffene. Die Ursache ist unbekannt, vermutet wird eine Fehlsteuerung des Immunsystems – aufgrund familiärer Häufungen wird in der Wissenschaft auch eine Genveränderung diskutiert. Vorbeugen kann man der Krankheit nicht. Je früher Sarkoidose aber diagnostiziert wird, umso besser sind die Chancen, dass die Erkrankung mit entsprechender Behandlung folgenlos ausheilt. Das ist in fast 80 Prozent der Fälle der Fall.

Von Christoph Steinbach

Quelle: HNA

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