Letzte Rettung: Dialyse

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Die Krankheit kommt schleichend. Denn selbst mit einem Viertel der Leistung einer Niere kann der Mensch normal leben. Versagt das Filtersystem den Dienst, sind die Folgen einschneidend. Dann müssen die Menschen an die Dialyse. Mehrmals in der Woche entgiftet und reinigt eine Maschine das Blut. Einziger Ausweg: die Transplantation.

Über 66 000 Menschen in Deutschland sind Dialysepatienten. Im Homberger Dialysezentrum am Krankenhaus sind es nach Angaben von Thilo Menzer, Internist mit Schwerpunkt Nephrologie, 60 Patienten die ihr Blut reinigen lassen. Dabei fängt eine Nierenschädigung völlig harmlos an. Denn „erst wenn die Niere weniger als 25 Prozent ihrer Leistung bringt, haben Patienten Symptome“, sagt Menzer. Sie fühlen sich schlecht, der Körper kann das Wasser nicht mehr ausscheiden und sammelt es im Gewebe an. Die Folge: Ödeme und Kreislaufprobleme. Der Körper wird langsam vergiftet.

Das Nierenvesagen ist meist eine Folge von Bluthochdruck und Diabetes. Denn die Niere ist durchzogen von unzähligen keinen Gefäßen, die einem zu hohen Blutdruck auf Dauer nicht standhalten. Bei Diabetes verkalken die Nierenarterien wegen des erhöhten Blutzuckerspiegels.

Eine regelmäßige Untersuchung der Niere hilft, Veränderungen festzustellen, bevor es zu spät ist. Eiweiß und Zucker im Urin, können auf eine Erkrankung hinweisen. Eine rechtzeitig Behandlung der Erkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck, kann helfen. Doch in der Hälfte der Fälle kämen die Patienten zu spät, um eingreifen zu können, sagte der Nephrologe. Die meistern der 60 Dialysepatienten in der 27-Betten-Praxis von Menzer sind 65 Jahre und älter. Vier bis fünf Stunden lang wird das Blut gefiltert, 300 Milliliter pro Minute. Die Blutreinigung übernimmt die Aufgabe der Nieren, dem Körper Stoffwechselprodukte, Blutsalze und Wasser zu entziehen. Über die Filter verliert das Blut aber auch nützliche Eiweiße und Zucker, die ersetzt werden müssen.

Im Homberger Zentrum kennen sich die Patienten. „Hier herrscht eine lockere Stimmung“, sagt Stephan Hofmann. Er ist Pflegedienstleiter für die drei der Praxis angeschlossenen Zentren in Homberg, Fritzlar und Ziegenhain. „Manche Patienten, die ihre Erkrankung akzeptiert haben, kommen gerne.“ Die Station sei für sie wie ein zweites Zuhause. Selbst auf Reisen müsse ein Dialysepatient nicht verzichten. Er müsse sich nur am Urlaubsort zur Dialyse anmelden. Manche schafften sogar, den Berufsalltag mit der Dialyse zu vereinbaren.

Verschiedene Arten der Dialyse

Bei Nierenversagen gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

• Hämodialyse (Blutwäsche) im Krankenhaus und in Dialysezentren, dreimal pro Woche, vier bis fünf Stunden lang wird das Blut mit Hilfe eines Dialysegerätes gereinigt.

• Heim-Hämodialyse: Im Haus des Patienten wird ein Dialysegerät installiert.

• Peritonealdialyse ( Bauchfelldialyse): Bei der Peritonealdialyse übernimmt das Bauchfell die Filterfunktion.

• Transplantation: Für die wenigsten Patienten kommt eine Transplantation in Frage. Durchschnittliche Wartezeit: sechs bis sieben Jahre. Eine Spenderniere hat eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren. (yma)

Quelle: HNA

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