Leben glutenfrei genießen

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Getreide ist tabu: Für Zöliakie-Patienten dürfen unter anderem kein Getreide mehr essen.

Gluten ist ein Eiweiß, das in Getreide vorkommt. Geschätzte hunderttausend Menschen in Deutschland vertragen es nicht. Doch viele Betroffene können ihre Beschwerden nicht einordnen und schieben ihre Lebensmittel-Unverträglichkeit auf das Reizdarm-Symptom oder deuten es als psychosomatische Erscheinung.

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Für Zöliakie-Betroffene ist es schwierig, sich abwechslungsreich zu ernähren. So gründete sich bereits vor fünf Jahren die Zöliakie-Gruppe Bad Arolsen, um Menschen mit der Erkrankung mit Rat undTat zur Seite zu stehen. „Wir nutzen unsere regelmäßigen Treffen zum Erfahrungsaustausch und auch zum Austausch von Rezepten“, erklärte die Initiatorin der Gruppe Anette Olivieri.

Denn auch Zöliakie-Patienten können Genießer sein: Dabei achten sie penibel darauf, dass sie nicht mit Produkten aus Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste oder Hafer in Berührung kommen. Schätzungsweise jeder 250. Deutsche ist von Zöliakie betroffen. In ihrem Körper ist der kritische Ort der Dünndarm.

Das häufigste Erscheinungsbild der Krankheit ist Durchfall. Auch Eisenmangel geht damit einher. Aber Zöliakie kann viele Symptome haben. Wesensveränderungen wie Unzufriedenheit oder Weinerlichkeit, stagnierendes Wachstum bei Kindern oder in späteren Jahren Schlaflosigkeit, Müdigkeit oder Depressionen sind mögliche Anzeichen, erklärt die Deutsche Zöliakie Gesellschaft.

Keine zwei Krankheitsverläufe gleichen einander. Auf Grund der vielfältigen Symptome wissen viele Betroffene nicht, dass sie an Zöliakie leiden. Auch die Diagnoseprozesse sind deshalb oft sehr langwierig. Die einzige Therapie nach der Diagnose ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung. Nur so kann sich der angegriffene Dünndarm erholen. Erneute Beschwerden sowie Folgekrankheiten von Zöliakie können damit vermieden werden.

 „Unsere Gruppe setzt sich aus ungefähr 20 Betroffenen im Alter zwischen vier und 70 Jahren zusammen.“ Unter Anleitung von Erzährungsberaterin Andrea Hiller lernen die Betroffenen und auch ihre Angehörigen, wie sie Schwierigkeiten beim Kochen und Backen mit glutenfreien Nahrungsmitteln meistern. Andrea Hiller arbeitet für die Firma „Hammermühle“, die auf die Produktion von glutenfreien Nahrungsmitteln ausgerichtet ist. Sie verarbeiten dabei ausschließlich Maismehl und Maisgrieß als Mehlersatzmittel.

Hiller zeige, dass beim Backen auch mit glutenfreien Nahrungsmitteln schmackhafte Ergebnisse erzielt werden können. Leckereien von Maultaschen und Pizza bis hin zu Brötchen und Zimtwaffeln kochen und backen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe Zöliakie in der Küche der Kaulbachschule. Das Leben ohne herkömmlich hergestellte Lebensmittel wie Brot, Kuchen, Pizza, Nudeln oder Kekse bedeutet noch lange keinen Verzicht auf kulinarische Genüsse, denn diese Lebensmittel gibt es längst auch aus Ersatzzutaten wie zum Beispiel Mais, Reis, Hirse, Soja oder Buchweizen. In den Regalen von Bioläden beispielsweise finden Zöliakie-Betroffene ein großes Sortiment glutenfreier Produkte und Spezialitäten: von einfachen Backwaren über Reisbier bis hin zu Fertiggerichten.

Quelle: HNA

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