Gefäßchirurgie: Nicht immer muss eine Aussackung an der Hauptschlagader operiert werden

Ein Kunststoffmantel schützt die Ader

Sie ist die größte Schlagader unseres Körpers. Bei Erwachsenen hat sie die Form eines Spazierstocks. Die Hauptschlagader, in der medizinischen Fachsprache Aorta genannt, kommt direkt aus der linken Herzkammer. Sie verteilt das Blut in die Gefäße des großen Blutkreislaufs.

Eine typische Erkrankung der Aorta ist das Aortenaneurysma, eine Aussackung der Gefäßwand. Dadurch ist die Gefäßwand dünner und der Gefäßinnendurchmesser größer, der Blutstrom fließt nicht mehr gleichmäßig. Es bilden sich Turbulenzen, die eine zusätzliche Belastung der Gefäß-innenwand sind. Durch sie kann es auch zunehmend zu Ablagerungen in diesem Bereich kommen.

Von all dem merken die meist männlichen Patienten im allgemeinen nichts. Ein Aneurysma wird häufig per Zufall entdeckt, etwa bei einer Ultraschalluntersuchung der Nieren.

„Die Diagnose bedeutet nicht zwingend, dass auch operiert werden muss“, sagt Dr. Andreas Dingel, Facharzt für Gefäßchirurgie am St. Elisabeth-Krankenhaus in Volkmarsen. Vielmehr müssten die Risiken einer Operation mit den Vorteilen abgewogen werden. Ab einer bestimmten Größe ist eine Operation jedoch unumgänglich, denn mit zunehmendem Wachstum steigt auch die Gefahr, dass die Gefäßwand reißt und der Betroffene innerlich verblutet. Die Gefahr ist umso größer, je höher der Druck in diesem Bereich ist, etwa bei Patienten mit Bluthochdruck. Eine Computertomographie gibt Aufschluss, welche Ausdehnungen das Aneurysma hat, wie groß der Gefäßdurchmesser und wie stabil die Gefäßwand ist.

Steht die Notwendigkeit einer Operation fest, dann bespricht der Facharzt mit dem Patienten die operativen Möglichkeiten. Dabei wird die Gesamtsituation und die allgemeine Verfassung des Patienten berücksichtigt.

Für eine offene Operation sollte der Patient eine gute Lungenfunktion haben. Zu riskant wäre der Eingriff bei Risikopatienten, zum Beispiel mit Asthma bronchiale oder chronischer Atemwegserkrankung sowie Herzinsuffizienz und schwerer Herzkranzgefäßverengung. Während der Operation werden die Ablagerungen aus dem Aneurysma entfernt. Anschließend wird eine Kunststoffprothese in die Hauptschlagader eingesetzt. Sie überbrückt die erweiterte Stelle und hebt somit die Gefahr der Gefäßzerreissung auf. Nach der Operation muss sich der Patient etwa vier Wochen schonen, auch damit die Narbe gut verheilen kann.

Schonende Operation

Für Risikopatienten, beispielsweise mit einer chronischen Atemwegserkrankung, ist ein anderes Operationsverfahren besser geeignet. Dabei operiert der Gefäßchirurg durch die Gefäße hindurch, man spricht deshalb auch von der endovaskulären Aneurysma-Reparatur, kurz EVAR genannt. Über die Leistenarterien wird unter Röntgenkontrolle ein so genannter Aortenstent eingesetzt.

Das ist ein Zylinder mit einem Drahtgeflecht, umgeben von einer Gefäßprothese. Der Stent wird ober- und unterhalb des Aneurysmas verankert und stabilisiert das Aneurysma wie eine innere Schiene. Die Hauptschlagader muss bei dieser Methode nicht abgeklemmt werden, das Herz wird nicht so belastet wie bei einer offenen Operation. Auch nach der Operation ist der Patient rasch wieder belastbar.

Von Ilona Polk

Quelle: HNA

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