Kopfschmerzzentrum Nordhessen wird am RKH eröffnet

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Mehr als die Hälfte der Deutschen leidet an Kopfschmerzen. Beschwerden und Ursachen können dabei sehr unterschiedlich sein und stellen eine hohe Belastung dar. Pünktlich zum Globalen Jahr gegen Kopfschmerzen eröffnet das Rote Kreuz Krankenhaus (RKH) nun das interdisziplinäre „Kopfschmerzzentrum Nordhessen“.

Mit einem deutschlandweit einzigartigen Konzept werden Kopfschmerzpatienten von Schmerztherapeuten und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen gemeinsam behandelt, denn zahlreiche Kopfschmerzarten können ihre Ursache beispielsweise in Fehlstellungen des Kiefergelenks haben.

Kopfschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten neurologischen Erkrankungen. „ Insgesamt gibt es mehr als 200 verschiedene Kopfschmerz- und Migränearten“, berichtet Dr. med. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie und Leiter des Regionalen Schmerzzentrums Kassel, anlässlich der Eröffnung des neuen Kopfschmerzzentrums Nordhessen in Kassel. Er leitet das Zentrum gemeinsam mit Professor Dr. med. Dr. med. dent. Hendrik Terheyden, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am RKH. „Durch unseren erweiterten interdisziplinären Ansatz haben wir optimale Bedingungen, Kopfschmerzen und Migräne schnell und sicher zu diagnostizieren und die geeigneten Therapieschritte einzuleiten“, so Dr. Böger weiter. Dass Kopfschmerzen interdisziplinär von Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten behandelt werden, ist keine Neuheit. Im Kopfschmerzzentrum Nordhessen arbeiten aber auch Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen im Team. „Das ist einzigartig in Deutschland“, erklärt Prof. Terheyden. Auch Kopfschmerzen, die vom Kiefer ausgehen – zum Beispiel die Craniomandibuläre Dysfunktion oder das Knirschen – können so schnell erkannt und behandelt werden. „Die wirkliche Ursache wird häufig gar nicht oder erst sehr spät erkannt“, so Prof. Terheyden. Sobald eine eindeutige Diagnose gestellt wurde, gibt es für die meisten Kopfschmerzarten die geeignete Behandlung: Therapiekonzepte setzen sich meist aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Neben Medikamenten spielen die Physiotherapie oder zum Beispiel Muskelentspannungsverfahren eine wichtige Rolle. „Wir nehmen uns Zeit für eine gründliche interdisziplinäre Untersuchung. Sollten wir herausfinden, dass beispielsweise Kieferfehlstellungen oder das nächtliche Knirschen die Kopfschmerzen auslösen, finden wir auch hier die passende Therapieoption“, erklärt Kieferchirurg Prof. Dr. Dr. Terheyden.

 Kopfschmerzen schränken das Leben ein

So unterschiedlich die Kopfschmerzen sind, sie haben alle eines gemeinsam: „Sie schränken das Leben der Betroffenen oft stark ein“, so Dr. Böger. Dennoch gehen viele Betroffene den Ursachen nicht ausreichend auf den Grund. Stattdessen bekämpfen sie die Symptome mit rezeptfreien Schmerzmitteln. Dr. med. Jürgen Klotz, Regionalbeauftragter für Hessen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) erklärt anlässlich der Eröffnung des neuen Zentrums dazu: „Nehmen Kopfschmerz-Patienten zu häufig Schmerzmittel ein, kann das zu einer Zunahme der Kopfschmerz-Attacken führen. Beim Medikamentenübergebrauch kommt es neben den ursprünglichen Kopfschmerzattacken dann zu fast täglichen chronischen Kopfschmerzen, ein Teufelskreis aus dem die Betroffenen oft ohne professionelle Hilfe nicht herauskommen.“ Diese Kopfschmerzen können gut und erfolgreich behandelt werden. „Durch das neue Zentrum finden Patienten in Nordhessen nun schneller einen kompetenten Ansprechpartner bei ihren Beschwerden“. Auch Jakob C. Terhaag, Leiter der Bundesgeschäftsstelle des Bundesverbandes der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) e.V. erläutert, welche Vorteile das neue Zentrum für Patienten, speziell Cluster-Kopfschmerz-Patienten, bringt: „Clusterkopfschmerzen sind in der Bevölkerung kaum bekannt. Ebenso wenig gibt es ausreichend Spezialkliniken. Das Angebot des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel verbessert die Versorgungssituation der Betroffenen deutlich“. (nh)

Quelle: HNA

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