Komplikationen sind selten

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Eins-zu-Eins-Betreuung: Anästhesist Dr. Matthias Göddecke überwacht während der gesamten Operation die Vital- und Beatmungsparameter des Patienten.

Die Narkose vor einem operativen Eingriff ist für viele, insbesondere ältere Patienten, ein angstbesetztes Thema. Für Patienten ist es daher meist wichtiger, vor dem Eingriff über ihre Sorge vor sogenannten Narkosezwischenfällen zu sprechen, als über Schmerzen nach der Operation.

 „Aber die Narkosemedikamente, die in den vergangenen Jahren entwickelt wurden, sind extrem gut steuerbar. Gleichzeitig hat sich die Technik zur Überwachung der Patienten weiter entwickelt, so dass auch kleinste Veränderungen im Vitalzustand eines Patienten unter Narkose erkannt werden können“, beruhigt Dr. Matthias Göddecke, Chefarzt der Anästhesie am Marienkrankenhaus.

Welche individuellen Risikofaktoren bei einer Narkose trotzdem berücksichtigt werden müssen, welche Narkoseverfahren in Frage kommen und wann Verfahren wie die Spinalanästhesie oder eine Vollnarkose geeignet sind, hat Dr. Göddecke während der Telefonsprechstunde erläutert.

Ich bin weiblich und mache mir Sorgen um meine Mutter. Sie ist 85 Jahre alt und leidet seit längerer Zeit unter Alzheimer. Vor zirka sieben Wochen erlitt sie einen Oberschenkelhalsbruch. Nach der Operation hat sich ihr Zustand verschlimmert. Während sie vorher noch Personen und Orte erkannte, verhält sie sich inzwischen wie ein hilfloses Kind. Gibt es Hoffnung, dass sich ihr Zustand noch bessert?   

DR. MATTHIAS GÖDDECKE: Gerade für ältere Patienten ist der Aufenthalt in einem Krankenhaus eine belastende Situation. Sie werden aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und finden sich plötzlich im Krankenhausalltag mit Schwestern, Ärzten und unbekannten Abläufen wieder.

Hinzu kommen starke Schmerzen und die Sorge, ob bei der Operation alles gutgeht. Während des Eingriffs sind sie einer Medikamentation ausgesetzt, die individuelle Nachwirkungen auf den Patienten haben können.

Bei Alzheimer handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, deren Symptome sich unter der besonderen Belastungssituation verstärken können. Daher gehe ich davon aus, dass sich der Zustand Ihrer Mutter leider nicht erheblich verbessern wird. Aus schmerztherapeutischen Gesichtspunkten war die Operation notwendig, denn ein Oberschenkelhalsbruch sollte innerhalb von 24 Stunden operiert werden.

Ich bin weiblich, 75 Jahre alt und bei mir steht in Kürze eine Knie-Operation an. Der Anästhesist möchte eine Spinalanästhesie bei mir vornehmen. Durch Erzählungen im Bekanntenkreis von möglichen Komplikationen wie einer Blasenstörung bin ich sehr verunsichert. Können Sie mir die Angst nehmen? 

GÖDDECKE: Die Spinalanästhesie ist zur regionalen Betäubung von Knie, Hüfte und Fußgelenk das Mittel der Wahl. Entgegen einer verbreiteten Annahme ist bei einer Spinalanästhesie das Rückenmark nicht betroffen.

Die Betäubungsmittel werden mithilfe einer sehr feinen Nadel im Wirbelkörperkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule eingespritzt. Dieser Eingriff dauert zirka 30 Sekunden. Nach zirka zehn bis 15 Minuten sind die nach unten ziehenden Nervenstränge für die Dauer der Operation blockiert und die untere Körperhälfte wird gefühllos.

Im Hinblick auf Ihre Befürchtungen, während der Anästhesie könne es zu Nervenschädigungen durch die Nadel kommen, kann ich Sie beruhigen. Bei den verwendeten Nadeln handelt es sich um Pencil-Point-Nadeln, die also wie eine Kugelschreiberspitze geformt sind. Diese Nadeln sind so fein, dass sie zwar einen Nerv treffen, nicht aber verletzen können.

Ich bin weiblich, 60 Jahre alt und leide unter COPD und Asthma. Bei mir soll die Len- denwirbelsäule versteift werden.Muss ich auf etwas achten, weil ich durch meine Lungenerkrankungen als Risikopatientin gelte?   

GÖDDECKE: In Ihrem Fall kommt eine Vollnarkose in Frage. Während der etwa fünfstündigen Operation werden Sie vom Anästhesisten optimal betreut. Sie schlafen nicht nur, sondern werden auch beatmet.

Entscheidend ist die Aufwachphase nach dem Eingriff. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie vor der Operation in einem optimalen gesundheitlichen Zustand sind. Eine Grippe oder Bronchitis sollte also mindestens vier Wochen auskuriert sein.

Da Ihre Operation kein Notfall ist, kann man den Zeitpunkt sehr gut planen und von Ihrem Gesundheitszustand abhängig vornehmen. Wichtig in Ihrem Fall ist es, dass neben dem Operateur auch ein Lungenfacharzt erreichbar sein sollte, falls es nach der Operation zu Proble- men kommt. In den meisten Fällen ist die Hilfe des Lungenfacharztes gar nicht notwendig, es ist jedoch sehr gut, wenn er bei Problemen auf kurzem Wege erreichbar ist.

Ich bin weiblich, 80 Jahre alt und werde bald am Knie operiert. Ich leide an einer Herzinsuffizienz und bin etwas nervös. Können Sie mich etwas beruhigen? 

GÖDDECKE: Eine Herzinsuffizienz ist in Ihrem Alter nicht ungewöhnlich. Operateur und Narkosearzt werden sich darauf einstellen. Wichtig ist ein intensives Aufklärungsgespräch im Vorfeld. Bei dieser Anamnese werden Vorerkrankungen wie beispielsweise Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen sowie Erfahrungen von früheren Narkosebehandlungen besprochen. Dieses Gespräch ist relevant für den gesamten Krankenhausaufenthalt.

Bei uns im Haus legen wir großen Wert auf regelmäßige Schulungen und kontinuierliche Weiterbildungen der Mitarbeiter. Um die Patienten auch in Notfällen optimal zu versorgen, finden regelmäßige Zwischenfall-Simulationen statt. Dabei werden unterschiedliche Szenarien durchgespielt und trainiert, ohne die Patienten zu gefährden. Zudem gibt es eindeutig de- finierte Algorithmen, die greifen, falls aus einem Routineeingriff ein Notfall wird.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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