Experte Dr. Axel Blasi: Nichtbehandlungen können Komplikationen auslösen, die dauerhafte Schmerzen verursachen

Bei Knochenbrüchen schnell handeln

Röntgenaufnahmen: Oberarzt Dr. Axel Blasi zeigt, wie ein Oberschenkelhalsbruch vor und nach der Operation aussieht. Fotos: Ickeneumann

Der früh einsetzende Winter mit ungewöhnlich viel Schnee und Eis führte nicht nur zu Verkehrschaos und zahlreichen Autounfällen. Er brachte auch viele Menschen zu Fall, die mit Knochenbrüchen in den Notfall-ambulanzen versorgt werden mussten. Vereiste Wege unter frisch gefallenem Schnee, eine Eispfütze, ein nicht gestreuter Bürgersteig, unpassende Schuhe – und schon ist es passiert.

Trugschluss Verstauchung

Oft deuten Betroffene ihre Symptome wie Schmerz und Schwellung als Verstauchung. Es wird erst mal gekühlt, mit abschwellender Salbe eingerieben und abgewartet. „Die Symptome einer schweren Verstauchung und einer Fraktur ähneln sich mitunter sehr, zum Beispiel bei einem handgelenksnahen Bruch. Wenn aber ein Knochenanbruch oder eine komplette Fraktur einige Zeit unbehandelt bleiben, kann es zu Komplikationen kommen. Durch Auswachsungen und Verformungen an der Bruchstelle kann sich eine Pseudarthrose entwickeln, die dauerhaft Schmerzen verursacht und zu Bewegungseinschränkungen führt. Starke Schwellungen, die durch das Zuwarten entstanden sind, können eine operative Frakturversorgung unnötig verzögern. Um solche Komplikationen zu vermeiden, sollte bei Verdacht auf einen Knochenbruch sofort ein Arzt aufgesucht werden“, rät Dr. Axel Blasi, Leiter der Traumatologie und Notfallambulanz der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel.

Röntgen und handeln

Das Röntgenbild zeigt, ob eine Fraktur vorliegt, wie die Bruchstücke zueinanderstehen, ob ein Gelenk betroffen ist, die Bruchenden verschoben oder gesplittert sind. Liegt die Vermutung nahe, dass auch Sehnen, Muskeln und Nerven in Mitleidenschaft gezogen wurden, sollte zusätzlich eine Magnetresonanztomographie durchgeführt werden. Erst nach dieser Diagnostik kann man die Entscheidung treffen, ob die Fraktur konservativ, beispielsweise mit einem Gips- oder Kunststoffverband, oder operativ versorgt werden muss.

„Ist ein Knochenbruch unverschoben, nach dem Einrichten stabil und auch keine Verschiebung zu erwarten, kann die Fraktur mit einem Gips- oder Kunststoffverband ruhig gestellt werden. Anders sieht es bei verschobenen Frakturen und komplizierten Trümmer- oder Splitterbrüchen aus.

Dann ist es sinnvoll, die Bruchstücke operativ mit Platten und Schrauben zu fixieren. Aber die Versorgung einer Fraktur ist immer eine ganz individuelle Entscheidung und es sollte die für den Patienten günstigste Variante gewählt werden“, erklärt Oberarzt Dr. Axel Blasi.

Keine Wahl bei Oberschenkelhalsbruch

Der insbesondere bei älteren Menschen verbreitete Oberschenkelhalsbruch lässt allerdings kaum eine Wahlmöglichkeit. Bricht infolge eines Sturzes der Knochen direkt unter dem Hüftkopf am oberen Teil des Oberschenkelknochens, ist eine OP meist unumgänglich, um das Bein zu stabilisieren. Dabei wird unterschieden zwischen hüftkopferhaltenden und hüftkopfersetzenden Verfahren. „Die Wahl des Verfahrens hängt ab vom Allgemeinzustand des Patienten und der genauen Bruchstelle. Bei der hüftkopferhaltenden Technik werden Schrauben, Nägel oder Platten zur Befestigung eingesetzt, die auch langfristig im Körper bleiben. Bei der hüftkopfersetzenden Technik implantieren wir ein künstliches Hüftgelenk. In den meisten Fällen kann das Bein sofort wieder voll belastet werden“, so der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie.

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch sollten Betroffene zur röntgendiagnostischen Abklärung nicht nur einen Arzt aufsuchen. Sie sollten für den Fall einer operativen Sofortversorgung mit Narkose nach dem Sturz nichts mehr essen und trinken. Auch wenn der Schrecken in den Gliedern sitzt, bitte keinen Glühwein und auch keine Bratwurst mehr! Das schmeckt nach der ärztlichen Versorgung umso besser und der Winter ist noch lang“, rät Dr. Blasi.

Von Dr. Gisela Heimbach

Quelle: HNA

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