Kleiner Wirbel, große Wirkung

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Wenn Menschen mit Rückenschmerzen aber auch Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder Sehstörungen zu Sascha Seifert, dem Leiter des Zentrums für Ganzheitliche Therapie Rehamed in Kassel kommen, werden sie von ihm unter anderem auf eine Fehlstellung des Atlaswirbels untersucht.

„Zunächst muss der ganze Körper gründlich untersucht werden, damit ausgeschlossen werden kann, dass die Ursache für die Schmerzen anderswo ihre Ursache hat“, erklärt Sascha Seifert. Der Osteopath weist daraufhin, dass der Atlas nur der oberste Halswirbel sei. Wenn Schmerzen durch ein Wirbelproblem in einem anderen Bereich der insgesamt 24 Wirbel umfassenden Wirbelsäule ausgelöst würden, könne eine Behandlung des Atlaswirbels alleine keine Linderung bringen.

Erkennen durch Abtasten

Ob der oberste Halswirbel, durch den Nervenstränge aus den Hirnhälften und die Arteria Vertebralis (Blutgefäß zur Versorgung des Gehirns) geführt werden, sich in einer Fehlstellung befindet, erkennt der Osteopath durch Abtasten des Wirbels.

Diese Fehlstellung kann sich unter anderem negativ auf den Rücken auswirken, Verspannungen auslösen und Schmerzen verursachen. Da durch diese Fehlstellung Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden können, die für die Funktion verschiedener Organe sorgen, können vor allem auch Verdauungsbeschwerden ihre Ursache häufig dort haben. Aber erst wenn sichergestellt sei, dass die gesamte Wirbelsäule und das Becken frei beweglich sind, der Körper in Balance ist, könne mit der so genannten Atlas-Therapie begonnen werden, sagt der Osteopath.

Unseriös und gefährlich

Diese Therapie, die nur von geschulten und erfahrenen Therapeuten mit den entsprechenden Zusatzqualifikationen durchgeführt werden darf, beginnt dann auch zumeist mit einer Wiederherstellung der gelenkigen Beweglichkeit des Körpers. Versprechen, durch einfaches, einmaliges Einrenken des Atlaswirbels sämtliche Schmerzen zu beheben, wie sie häufig beispielsweise von Wellness-Zentren angepriesen würden, hält Seifert für unseriös und gefährlich.

In den weiteren rund 30- bis 60-minütigen Behandlungen werde mit unterschiedlichen Muskelentspannungs- und Muskelenergietechniken gearbeitet, um den Wirbel zu entspannen und ihn aus der Fehlstellung wieder in die ursprüngliche, zentrierte Position zu bringen, erläutert Seifert. Insgesamt seien für die Behandlung der Atlaswirbel-Fehlstellung und die vorbereitenden Behandlungen ungefähr drei bis vier Besuche bei einem Osteopathen notwendig.

Eine Sitzung koste etwa zwischen 50 und 89 Euro und ist eine Privatleistung, die nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

Der Atlaswirbel

Der Atlaswirbel ist der oberste und damit schädelnächste Wirbel der Wirbelsäule und trägt den Kopf. Sein Name beruht auf der griechischen Mythologie, der zufolge der Riese Atlas als Strafe das Gewicht des Himmels für immer auf seinen Schultern tragen muss.

Wie auch der zweite Halswirbel, besitzt der Atlaswirbel keinen massiven Wirbelkörper, sondern besteht nur aus einem knöchernen Ring mit seitlichen Fortsätzen. Gelenkflächen verbinden diesen ersten Halswirbel mit dem Schädelknochen. Dieser oberste Halswirbel ermöglicht die Bewegung des Kopfes nach oben und unten sowie nach links und rechts.

Der Atlaswirbel umschließt den aus dem Kopf auslaufenden Hirnstamm. Verschiebungen, Veränderungen oder Verletzungen am Atlas können daher negative Einflüsse auf die durch den Wirbel verlaufenden Nervenbahnen haben.

Von Dagmar Buth-Parvaresh

Quelle: HNA

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