Die Kamera zum Schlucken

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Klein und voller Technik: Gero Moog zeigt die zweite Generation der Kolonkapsel. Sie ist mit einer Mini-Kamera und zwei Lichtquellen ausgestattet und wird wie ein Tablette geschluckt.

Darmkrebs-Vorsorge: Eine Video-Kapsel wandert durch Magen und Darm - Alternative zur Darmspiegelung

Ich bin jetzt 41 Jahre alt und spiele schon längere Zeit mit dem Gedanken, zur Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Zum einen bin ich jedoch beruflich sehr ausgelastet, zum anderen habe ich auch Angst vor einer Darmspiegelung. Gibt es alternative Untersuchungsmethoden?, fragt eine Leserin aus Kassel.

Die Frage beantwortet der Kasseler Gastroenterologe Dr. Gero Moog.

Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist laut Moog die beste Vorsorgemethode in der Medizin. Sie trägt zu einer extremen Verringerung des Darmkrebsrisikos bei. Und es gibt nur sehr selten Komplikationen - die Rate liegt bei zwei bis drei von 1000 Patienten.

Mit der sogenannten Kolonkapsel gebe es mittlerweile ein Verfahren, das in seiner Aussagekraft gleichwertig mit der Koloskopie sei. Das zeigten eine Reihe von Studien. Die Kapsel enthält eine Mini-Kamera sowie zwei Lichtquellen und wird vom Patienten wie eine Tablette geschluckt. Die Kamera in der Kapsel nimmt Teile des Magens und des Dünndarms sowie den kompletten Dickdarm in guter Bildqualität und 40- bis 50-facher Vergrößerung auf. „Sie liefert bis zu 16 Bilder pro Sekunde“, sagt Moog. Die werden von einem kleinen Rekorder, den der Patient am Körper trägt, aufgezeichnet und sind auf einem Bildschirm auch in Echtzeit zu sehen.

Der Patient kann seine Arbeit und seine alltäglichen Tätigkeiten ohne Einschränkung verrichten. Nach zehn Stunden wird der Rekorder wieder abgegeben. „So lange dauert der Weg der Kapsel durch den Magen-Darm-Trakt“, erklärt der Mediziner. Anschließend wertet der Facharzt die Bilder am Computer aus. Die Kapsel, ein Einmal-Produkt, scheidet der Körper auf natürlichem Weg wieder aus.

Haupteinsatzgebiet dieses Verfahrens ist Moog zufolge die Darmkrebs-Vorsorge. „Unter bestimmten Bedingungen wie Angst, Begleiterkrankungen, die eine Narkose schwierig erscheinen lassen, oder technischen Schwierigkeiten bei der Koloskopie übernehmen auch die Krankenkassen die Kosten (1100 Euro) für diese Untersuchung“, sagt er.

Die erste Generation der Kapsel habe Polypen und Läsionen nur zu 65 Prozent erkannt. Jetzt liege die Rate wie bei der Koloskopie bei über 90 Prozent. Ein weiteres Verfahren, die Computer-Tomografie (CT), ist ebenfalls in ihrer Aussagekraft mit der Koloskopie vergleichbar, allerdings aufgrund der Strahlenbelastung für Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland verboten. Die Kernspin-Tomografie ist für die Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung laut Moog noch zu wenig ausgereift. (mkx)

Quelle: HNA

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