Jeder Blutdruck ist regulierbar

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Blutdruckmessung: Der Blutdruck eines Patienten wird am Oberarm mithilfe eines Messgerätes und eines Stethoskops ermittelt.

Lautlos und ohne spürbare Symptome ist ein zu hoher Bluthochdruck der Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Meist wird Hypertonie erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt und muss mit einer abgestimmten Medikation eingestellt werden.

Trotz Fortschritten in der Forschung spielen aber neben der medikamentösen Behandlung weitere Faktoren eine große Rolle. Diese kommen verstärkt zum Einsatz, wenn trotz einer Medikamentierung mit verschiedenen Wirkstoffen keine Besserung eintritt. In diesem Fall spricht man von einem schwer einstellbaren Bluthochdruck.

Fragen zur Behandlung von Bluthochdruck beantwortete Professor Martin Konermann vom Marienkrankenhaus Kassel diese Woche in der HNA-Telefonsprechstunde.

Ich trage ein 24-Stunden-Dauer-Blutdruck-Messgerät. Es fällt auf, dass der obere Wert vorallem in der Nacht auf bis zu 180 ansteigt, der untere Wert sich aber bei 70 einpendelt. Gleichzeitig leide ich an Schwindelanfällen in der Nacht. Am Morgen haben sich die Werte wieder normalisiert, aber ich fühle mich schlapp. Woran kann das liegen?

PROF. MARTIN KONERMANN: Bei Ihnen ist in der Nacht der sys- tolische Wert erhöht, was auf eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen zurückzuführen ist. Der Schwindel ist also eine Folge des Bluthochdrucks, nicht der Auslöser. Oft liegt die Ursache im Schlafverhalten. Starkes Schnarchen kann zu Atemaussetzern führen, was in der Folge zu einer vermehrten Produktion von Stresshormonen führt und somit den Blutdruck in die Höhe treibt. Zur Klärung sollte ein Lungenfacharzt eine Schlafmessung vornehmen, um eine möglicher- weise vorliegende Schlafapnoe zu behandeln. 

Zur Senkung des Blutdrucks nehme ich derzeit bereits drei verschiedene Medikamente zu unterschiedlichen Uhrzeiten über den Tag verteilt ein. Trotzdem bekomme ich die Werte nicht in den Griff. Was kann ich tun? 

 

PROF. KONERMANN:Bluthochdruck wird generell mit einer Kombination von Medikamenten behandelt, um eine Ausreizung eines Medikamentes zu vermeiden. Als Basis dienen ACE-Hemmer, die eine Ausweitung der Gefäße verhindern. Hinzu kommt meist ein Beta-Blocker, der die Pro- duktion von Stresshormonen verhindert. Den dritten Bestandteil der Therapie bilden Wassertabletten, die zu einer vermehrten Harnproduktion führen, um die Flüssigkeitsmenge im Körper zu senken. In Ihrem Fall spricht man somit von einem schwer ein- stellbaren Bluthochdruck.

Mögliche Ursachen können Erkrankungen der Niere und des Herzens sein, aber auch Schlafprobleme. Daher sollten diese Faktoren von einem Arzt abgeklärt werden. Als erste Maßnahme können Sie selbst auch etwas tun, und zwar den Salzkonsum möglichst gering zu halten. Auch Lakritz steht im Verdacht, Bluthochdruck und Herzprobleme zu begünstigen und sollte daher besser in der Tüte bleiben.

Die Einnahme von vielen Tabletten ist mir ein Graus. Gibt es operative Behandlungsmethoden, die den Bluthochdruck eindämmen können? 

PROF. KONERMANN: Auch ich bin kein Freund von übermäßigem Tablettengebrauch. Aber Bluthochdruck ist eine Erkrankung, die medikamentös am besten behandelt werden kann. Zwar wurden in letzter Zeit vermehrt operative Eingriffe publik, wie die renale Denervierung (Verödung der Nierenschlagader) oder der Einsatz eines Blutdruck- Schrittmachers, der Elektroimpulse an die Halsschlagader sendet. Ich bin jedoch der Ansicht, dass man die Ursachen für Hy- pertonie mit einer Kombination aus Medikamenten und einer Lebensumstellung sehr gut in den Griff bekommt. Wichtig ist, dass dem Patient bewusst wird, dass er selbst den Genesungsprozess in der Hand hat. 

Ich leide an der Schilddrüsen-Erkrankung Morbus Basdow, die medikamentös behandelt wird. Mein Blutdruck ist viel zu hoch. Was kann ich tun, um die Werte zu normalisieren?   

 

PROF. KONERMANN: Sie leiden an einer vermehrten Produktion von Schilddrüsenhormonen, die sich auf den gesamten Kreislauf auswirkt. Eine Folge davon ist ein erhöhter Puls auch in Ruhephasen. Neben Medikamenten, die die Produktion der Schilddrüsenhormone regulieren, sollten in Ihrem Fall zusätzlich Beta-Blocker zum Einsatz kommen, die die Produktion von Adrenalin verringern.

Grundsätzlich kann ein Morbus Basedow nach erfolgreicher Medikamentierung „ausbrennen“, also die Hormonproduktion auf ein Normalmaß bringen. In diesem Fall muss abgeklärt werden, ob der Einsatz der Beta-Blocker weiterhin notwendig ist.

 

Ich bin ein sehr aktiver und sportlicher Mensch. Mein Body-Mass-Index ist ebenfalls im normalen Bereich. Allerdings bin ich familiär durch ei- nige Bluthochdruck-Erkrankungen vorbelastet. Muss ich mir Sorgen machen? 

PROF. KONERMANN: Bluthochdruck hat in den meisten Fällen mehrere Ursachen. Neben einer familiären Vorbelastung begünstigen vor allem Faktoren wie Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewe- gungsmangel, Stress, Rauchen, zu viel Salz und eine ungesunde Ernährung die gefährliche Verengung der Gefäße. Wenn Sie weiterhin Ihre Blutdruck-Werte im Blick behalten und die Risikofaktoren gering halten, gibt es keinen Grund zur Besorgnis.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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