Mit innovativer Diagnostik Schlaganfälle verhindern

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Die Chefärztin Dr. Elisabeth Pryss (Mitte) und die Leiterin der Internistischen Ambulanz Beate Harbecke (r.) am Kreiskrankenhaus Frankenberg lesen bei der Patientin Karin Hilberg (l.) die Daten eines Herzmonitors der alten Generation aus.

Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden an Herzrhythmusstörungen, etwa 4,5 Millionen Europäer an Vorhofflimmern. Wird dies nicht rechtzeitig erkannt, droht ein Schlaganfall. Um das zu verhindern, setzt das Kreiskrankenhaus Frankenberg  eine innovative Technik ein: Mit einer neuen Generation von Herzmonitoren, einer Art Mini-EKG  unter der Haut, kann die Herzfrequenz von Patienten künftig kontinuierlich und weitreichend überwacht werden.

Eine Herzrhythmusstörung kann so schneller erkannt und gezielt behandelt werden. Denn diese tritt oft unregelmäßig und in großen Zeitabständen auf. „Daher zeigen herkömmliche Langzeit-EKG´s oft keine Auffälligkeiten, auch wenn der Patient an einer Herzrhythmusstörung, insbesondere an einem Vorhofflimmern leidet. Die Episoden sind oft asymptomatisch und bleiben deswegen meist unerkannt“, erklärt die Chefärztin Dr. Elisabeth Pryss, die das Verfahren in der Kreisklinik anbietet. „Mit Hilfe der neuen Herzmonitoren werden wir sofort benachrichtigt, wenn zwischen den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Patienten Auffälligkeiten auftreten.“ So könne man die – von Betroffenen oft unbemerkten – gefährlichen Störungen der Herzfrequenz schneller diagnostizieren.

Ein Herzmonitor kann vorsorglich bei Patienten eingesetzt werden, bei denen Symptome wie Schwindel, Herzstolpern, Luftnot oder Ohnmachtsanfälle nicht durch eine andere Diagnose erklärt sind. Bei 30 Prozent aller Schlaganfälle ist nach Ausschöpfen der üblichen diagnostischen Mittel keine eindeutige Ursache zu finden. Durch die neuartigen Herzmonitoren ergibt sich eine zuverlässige, und den herkömmlichen Maßnahmen überlegene Methode, Vorhofflimmern als Ursache für einen Schlaganfall nachzuweisen oder auszuschließen. „Nichtsdestotrotz prüfen wir bei jedem Patienten individuell, ob die Unterstützung durch einen Herzmonitor sinnvoll und notwendig ist“, erläutert Dr. Elisabeth Pryss.

Ist dies der Fall, wird das neuartige Gerät – welches im Gegensatz zu seinen Vorgängern nur ein Drittel einer Micro-Batterie misst – dem Betroffenen durch einen weniger als ein Zentimeter großen Schnitt in den oberen linken Brustbereich direkt unter die Haut gesetzt. „Dieser Eingriff ist schnell und einfach, ermöglicht es uns aber, die Herzfrequenz über drei Jahre hinweg zu überwachen – und das drahtlos, rund um die Uhr und an jedem Ort der Welt“, so die Kardiologin. Jede Nacht werden die aufgezeichneten Daten kabellos über ein spezielles Gerät, welches optimaler Weise auf dem Nachtschrank des Patienten steht, per E-Mail oder SMS an den behandelnden Arzt übersendet. Der Patient muss nicht mehr wie bisher zum Auslesen des Gerätes in die Klinik kommen. „Auf diese Weise können wir mögliche Herzrhythmusstörungen noch besser finden und Schlaganfällen vorbeugen.“

Weitere Vorteile: das Gerät ist sehr klein, ermöglicht auch Untersuchungen in Metall-empfindlichen MRTs und schränkt den Patienten in seinem normalen Leben praktisch nicht ein. Bei erfolgreicher Diagnose kann es darüber hinaus schnell und unkompliziert wieder entnommen werden. Aktuell ist zur Finanzierung des neuartigen Diagnosegeräts ein vorheriger Antrag zur Kostenübernahme bei der Krankenkasse notwendig. (nh)

Quelle: HNA

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