Impulsgeber für das Gehirn

+
Hirnschrittmacher: Das Steuerungsgerät wird im Brustbereich unter der Haut eingesetzt. Die Elektroden werden durch kleine Öffnungen am Kopf platziert.

Die Tiefe Hirnstimulation kann Bewegungsstörungen bei Parkinson-Patienten mildern

Mein Mann leidet seit Jahren an Parkinson, inzwischen sind die Symptome weit fortgeschritten. Ich höre immer wieder, eine Tiefe Hirnstimulation könne vielleicht weiterhelfen. Stimmt das?

Auf diese Frage von Marianne L. aus Baunatal geht Dr. Friederike Sixel-Döring von der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ein.

Worum geht es bei der Tiefen Hirnstimulation?

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem kleine Elektroden in bestimmte Regionen des Gehirns eingesetzt werden. Über Drähte, die unter der Haut am Hals entlang bis zum Schlüsselbein führen, sind die Elektroden mit einem Impulsgeber verbunden. Dieser sitzt im Brustbereich unter der Haut, ähnlich wie ein Herzschrittmacher. Per Funk lassen sich über dieses Steuerungsgerät Stromstärke, Spannung und Frequenzen regeln, die auf bestimmte Hirnareale einwirken. Der umgangssprachliche Begriff „Hirnschrittmacher“ ist aber irreführend.

Für wen kommt der Eingriff infrage?

Eine fortgeschrittene Parkinsonerkrankung ist auch durch die THS nicht heilbar. Auf die motorischen Symptome, also die Bewegungsstörungen, übt sie meist aber eine deutliche Besserung aus, erläutert die Neurologin. Das typische Zittern, der Tremor, die Muskelsteifigkeit und die Bewegungsverlangsamung lassen sich durch THS deutlich mildern.

Sixel-Döring: „Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen wird die THS heute nicht mehr bei Patienten empfohlen, die älter als 70 Jahre alt sind oder bestimmte Symptome des fortgeschrittenen Spätstadiums aufweisen.“

Wie sind die bisherigen Erfahrungen?

Die THS ist eine bewährte Therapie-Option, die seit 15 Jahren in neurochirurgischen Zentren angewendet wird. Ein Vorteil besteht darin, dass der Eingriff rückgängig gemacht werden kann. Die Stimulation ließe sich auch komplett wieder abstellen, etwa bei anders nicht kontrollierbaren Nebenwirkungen. Bei individueller Nachsorge in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Neurologen lässt sich die Stimulation sehr fein abstimmen. Sixel-Döring: „Wir erzielen damit oft eine außerordentlich gute Besserung der Parkinsonsymptomatik. Auch sind weniger Medikamente nötig.“ Es könnten bei der THS aber auch Nebenwirkungen wie Depressionen, manische Phasen oder andere psychische Probleme vorkommen.

Wie lautet der Rat an betroffene Patienten?

Ob die Tiefe Hirnstimulation infrage kommt, lässt sich nur individuell entscheiden, sagt Friederike Sixel-Döring. Wichtig ist aber, mithilfe erfahrener Neurologen und in Abstimmung mit versierten Neurochirurgen den Einzelfall genau zu prüfen. „Wir nehmen die Risiken und mögliche Nebenwirkungen sehr ernst. Es gibt Testverfahren, die uns helfen, die Betroffenen zu ihrem individuellen Nutzen-Risiko-Profil sorgfältig zu beraten.“ (paw)

Quelle: HNA

Kommentare